Corona-Pandemie beendet Motorradtour quer durch Afrika

Baden-Baden (marv) – Kein Motorschaden und kein platter Reifen, sondern die Corona-Krise hinderte Mariusz Sliwa daran, seine Reiseroute umzusetzen. Statt Freiheitsgefühl auf zwei Rädern heißt es jetzt erst mal Selbstquarantäne.

Früher als geplant, aber gesund kehrt Mariusz Sliwa nach Baden-Baden zurück. Foto: privat

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Früher als geplant, aber gesund kehrt Mariusz Sliwa nach Baden-Baden zurück. Foto: privat

Biker werden Mariusz Sliwa verstehen. Sein erster Gedanke galt seiner Maschine, als ihm in der deutschen Botschaft in Nairobi mitgeteilt wurde, „buchen Sie sich den nächsten Flieger nach Hause“, und sein Sabbatjahr in Afrika, über das wir berichtet hatten, ein jähes und verfrühtes Ende nahm.

Am 17. März war das. Zwei Tage zuvor hatte der 45-jährige Baden-Badener noch in der tansanischen Stadt Arusha erfahren, dass Kenia seine Grenzen in den nächsten 48 Stunden schließen werde. Also setzte er sich auf sein Motorrad, überquerte die Grenze und fuhr in die kenianische Hauptstadt Nairobi, um sich in der deutschen Botschaft zu erkundigen, welche Optionen er nun hatte.

Bevor auf dem afrikanischen Kontinent die ersten Corona-Fälle aufgetreten sind, hatte Sliwa vorgehabt, über Kenia, Äthiopien und den Sudan nach Ägypten zu fahren (wir berichteten). „Ich dachte, es ist besser, auszureisen, solange ich noch kann“, sagte er dem BT. Nun galt es, einen Weg zu finden, sein Motorrad von Kenia nach Deutschland zu bekommen. Also hat Sliwa sofort fünf, sechs Firmen kontaktiert, um seine Maschine sicher nach Deutschland zu bekommen.

Einige hamstern Klopapier, andere Bonusmeilen

Doch erst die Lufthansa konnte ihm weiterhelfen. Nachdem er per App ein Ticket gebucht hatte, empfahlen Mitarbeiter ihm ein kenianisches Kooperationsunternehmen, das auf Cargo spezialisiert sei. Während Unbelehrbare derzeit Klopapier hamstern, hat Sliwa, wie er selbst sagt, „mit gehamsterten Bonusmeilen“ über 200 Dollar bei seinem Rückflug gespart.

Zwei Cargo-Mitarbeiter verpacken das Motorrad am Jomo Kenyatta International Airport in Nairobi. Foto: Mariusz Sliwa

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Zwei Cargo-Mitarbeiter verpacken das Motorrad am Jomo Kenyatta International Airport in Nairobi. Foto: Mariusz Sliwa

Doch selbst als er eine Firma gefunden hatte, die sein ungewöhnliches und über 300 Kilogramm schweres „Gepäck“ transportieren wollte, war ihm um seinen treuen Begleiter auf zwei Rädern bange: Sliwa fragte sich: „Wann bekomme ich mein Motorrad wieder? In ein paar Tagen? In einem halben Jahr?“ Gewissheit hatte er erst einen Tag vor Abflug – mit dem einzigen verbleibenden Flieger von Nairobi nach Deutschland. Sein BMW-Bike konnte mit an Bord. 2600 Dollar kostete die Überführung des Zweirads. Was viel klingt, liegt dennoch weit unter den bis zu 10000 Dollar, mit denen Sliwa nach dem Sondieren anderer Angebote kalkuliert hatte.

36000 Kilometer mit dem Motorrad zurückgelegt

Nur mit Nägeln, Brettern und Folie provisorisch auf einer Palette befestigt, ist es für Sliwa „ein Wunder“, dass sein Motorrad heil in Deutschland angekommen ist.

Am Sonntag, 21. März, um 5.35 Uhr landete der A343 mit Mann und Maschine an Bord in Frankfurt. Mehrere Stunden musste Sliwa dort dann noch ausharren, ehe er seine BMW wieder zusammenschrauben und betanken konnte. Werkzeug und einen Fünf-Liter-Kanister Benzin hatte ihm seine Freundin mitgebracht, die ihn in Frankfurt in aller Früh empfangen hatte. Und so konnte der Motorradreisende nach Monaten auf Schotterpisten, Schlammrutschbahnen und Sand auf der Autobahn nach Hause fahren. „Das war vor allem kalt“, sagt Sliwa. Beim Abflug in Nairobi hatte es 35, bei der Rückfahrt in Deutschland vier Grad.

Dieses Postkartenmotiv ist „irgendwo im Nirgendwo“ zwischen den Städten Daressalam und Moshi in Tansania entstanden.  Foto: Mariusz Sliwa

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Dieses Postkartenmotiv ist „irgendwo im Nirgendwo“ zwischen den Städten Daressalam und Moshi in Tansania entstanden. Foto: Mariusz Sliwa

36000 Kilometer hat der Baden-Badener in den vergangenen acht Monaten auf seinem Motorrad zurückgelegt. Dabei hat er allein auf dem afrikanischen Kontinent 22 Länder bereist. Auch wenn diese Reise ein „ziemlich überstürztes Ende“ fand, hat Sliwa allerhand erlebt. Über seine Eindrücke möchte er ein Buch schreiben. Zeit dafür hat er nun genug. Obwohl er sich gut fühlt und keine Symptome des Coronavirus hat, kündigte Sliwa an, erst mal 14 Tage in Selbstquarantäne zu bleiben. Bis sein Erstlingswerk erscheint, kann man Sliwas Reiseberichte auf seiner Homepage nachlesen.

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Erstellt:
31. März 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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