Corona-Pandemie trifft Sasbacher Partnergemeinde Mapello hart

Sasbach/Mapello (red) – Die Gemeinde Sasbach sammelt Spenden für ein Krankenhaus in Bergamo. Die „Amici“ aus Partnergemeinde Mapello berichten von ihrer derzeitigen Lage.

Mapello ist nur zehn Kilometer von der besonders betroffenen Region Bergamo entfernt.  Foto: R. Spether

© pr

Mapello ist nur zehn Kilometer von der besonders betroffenen Region Bergamo entfernt. Foto: R. Spether

Die Corona-Pandemie trifft die Bürger in der Sasbacher Partnergemeinde Mapello im Bergamasker Land hart. Die hohe Zahl der Toten lässt keine Zeit für Abschiede.
„Es ist gut, Regenbögen zu malen. Schönheit ist immer das, was uns vor der Dunkelheit rettet. Warten wir. In ein paar Wochen werden wir uns noch stärker umarmen.“ Die Studentin Anna Zanchi (21) aus Mapello würde derzeit lieber alles andere tun, als zu Hause in Quarantäne zu sitzen, Regenbögen zu malen und sich tiefgründige Gedanken über ihr Leben, das ihrer Familie und alle Menschen in „Bella Italia“ zu machen. Anna studiert an der Universität in Bergamo moderne Literatur und schreibt Artikel für Zeitungen. Sie möchte Journalistin werden, spricht sehr gut Deutsch und ist Fan von Atalanta Bergamo und Borussia Dortmund. 2014 war sie Teilnehmerin des Internationalen Jugendprojekts „Un Mondo di Amici“ – „Eine Welt von Freunden“ in Sasbach.

Das Coronavirus hält das Land fest im Griff, vor allem in der Lombardei, im Bergamasker Land um Mapello und in der Stadt Bergamo mit ihrer Città Alta wütet das todbringende Virus. „Du bist meine Stadt, mein Zuhause, und ich möchte dich so bald wie möglich lächelnd und schön wie auf diesem Foto sehen. Jetzt höre ich nur noch eine große Leere und die Sirenen der Krankenwagen“, berichtet Anna Zanchi aus ihrer Heimat.

Anna Zanchi (rechts), hier im Kreise ihrer Familie, berichtet über ihren Alltag in ihrer Heimat. Foto: privat

© pr

Anna Zanchi (rechts), hier im Kreise ihrer Familie, berichtet über ihren Alltag in ihrer Heimat. Foto: privat

In den letzten Tagen explodierten förmlich die Meldungen über die Zahl der Toten. Wer die Italiener und deren innige Liebe zur „Famiglia“, deren Mitglieder von Jung bis Alt kennt, der kann mitfühlen, was für eine Tragödie das ist. Denn für ein letztes Wort, ein letztes Halten der Hände und ein von Herzen kommendes „Grazie“ bleibt keine Zeit. Die Toten kommen auch aufgrund ihrer Infektion schnell aus den Kliniken, Lastwagen des Militärs und Soldaten nehmen die Särge auf und bringen sie im Konvoi auf die Friedhöfe und in die Krematorien.

Kein letzter Gang, keine Trauerfeier, kein Blick ins Grab! Nichts. Bei einem Gedenken auf dem Friedhof von Bergamo sprach Bischof Francesco Beschi ein „Gebet mit Schmerzen im Herzen“.

„Solidarität in Zeiten der Pandemie“

Die Gemeinde Sasbach und Bürgermeister Gregor Bühler haben mit dem Freundeskreis einen Spendenaufruf „Solidarität in Zeiten der Pandemie“ für das Krankenhaus in Bergamo gestartet, um den „Amici“ zu signalisieren, dass die Freunde in Sasbach ganz eng verbunden sind. Dies brachte Bühler auch in einem Video zum Ausdruck, das er inmitten jener Gastgeschenke machte, die die Gemeinde beim 25. Jubiläum der „Gemellagio“ und zuvor bei vielen Begegnungen erhalten hat.

Bürgermeisterin Alessandra Locatelli wendet sich immer wieder in Videos an ihre Mitbürger, die wie die Familie von Anna Zanchi seit über drei Wochen in absoluter Quarantäne sind und nur zum Einkauf von Lebensmitteln das Haus verlassen dürfen. Deshalb muss sie viel organisieren und es gibt viele ehrenamtliche Helfer aus der Kommune, der Pfarrei San Michele und den Hilfsorganisationen, die Einkäufe erledigen, Medikamente besorgen, nach den Älteren schauen. Im Rathaus laufen die Fäden zusammen, alle Kräfte werden mobilisiert, die Infrastruktur der Gemeinde muss intakt bleiben und Alessandra Locatelli wiederholt immer wieder angesichts infizierter und verstorbener Mitbürger zwei ganz wichtige Botschaften. Die Mitbürger müssen zu Hause bleiben und „wir werden die Katastrophe überwinden und danach als Gemeinschaft noch stärker sein“.

Ihr Autor

Roland Spether

Zum Artikel

Erstellt:
1. April 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.