Corona-Schnelltest landesweit in Apotheken

Stuttgart/Rastatt/Gaggenau (fk/bjhw) – Die ersten Apotheker im Land starten mit dem Anbieten von Corona-Schnelltests. Die Ergebnisse seien aber nur Momentaufnahmen und teils ungenau, mahnen Experten.

Abstrich in Gaggenau: Innerhalb von 30 Minuten wird das Ergebnis des Schnelltests mitgeteilt. Foto: Markus Mack

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Abstrich in Gaggenau: Innerhalb von 30 Minuten wird das Ergebnis des Schnelltests mitgeteilt. Foto: Markus Mack

Um das Pandemiegeschehen besser in den Griff zu bekommen, wird gegenwärtig an vielen Stellschrauben gedreht. Dazu gehört seit Dienstag auch die Möglichkeit für die Apotheken im Land, Selbstzahlern Antigentests anzubieten. Um einen Run auf die ersten Standorte zu verhindern, wird die Landesapothekerkammer in den nächsten Tagen ein neues Internet-Angebot zur Adressensuche freischalten.

Wer darf testen?

Nach den Vereinbarungen von Bund und Ländern ist Laien eine Antigen-Schnelltestung weiterhin untersagt. Zugelassen sind aber neben Ärzten auch Sanitäter oder Pflegepersonal – und jetzt auch Apotheker. Denn gemäß neuester bundeseinheitlicher Richtlinien sei die Durchführung der Tests „keine erlaubnispflichtige Ausübung der Heilkunde“. Die Tests in den Apotheken können, wie es im Leitfaden des Sozialministeriums heißt, daher ausdrücklich auch „von nicht ärztlichem Personal durchgeführt werden“, etwa von Pharmazeutisch-Technischen Assistenten (PTA). Sie müssen allerdings vorab eine entsprechende Schulung durchlaufen. Dies kann online erfolgen, oder bei niedergelassenen Ärzten in der Nachbarschaft. Ausdrücklich nicht erlaubt ist, dass auf diese Weise frisch geschulte Tester ihrerseits Kollegen schulen.

Wie teuer sind die Selbstzahlertests?

Die Landesapothekerkammer (LAK) teilt mit, dass die Kalkulation den einzelnen Apothekern überlassen bleibt. Die Vizepräsidentin des Apothekerverbands im Land, die Gaggenauer Pharmazeutin Tatjana Zambo, erklärte auf BT-Nachfrage, dass die Tests in ihrer Apotheke 45 Euro kosten. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten demnach nicht.

Ergebnis in 30 Minuten

Wie schnell sind die Tests ausgewertet?

Die Ergebnisse der Tests werden Tatjana Zambo zufolge innerhalb von 30 Minuten mitgeteilt.

Wo liegen aus Mediziner- und Behörden-Sicht die Probleme?

Zambo richtet das Angebot laut eigener Aussage aktuell an Menschen, die an den bevorstehenden Festtagen eine höhere Sicherheit haben wollten. Dieses Vorgehen hatten allerdings zuletzt die Vertreter von Stadtkreis Baden-Baden sowie den Landkreisen Rastatt und Karlsruhe als nicht sinnvoll bezeichnet. So gehörte unter anderem der Rastatter Landrat Toni Huber zu den Unterzeichnern eines Briefes mehrerer Landräte an Sozialminister Manfred Lucha (Grüne), in dem dieser darum gebeten wurde, Schnelltest-Aktion über die Feiertage – wie es sie nun doch in vielen Städten gibt, nicht zuzulassen.

Auf BT-Anfrage untermauerte das auch für Baden-Baden zuständige Gesundheitsamt im Landratsamt das am Dienstag noch einmal: Das Problem bei den Schnelltests sei, dass sie sowohl bei einem positiven als auch negativen Ergebnis falschliegen könnten. Somit wiege sich der Getestete möglicherweise in falscher Sicherheit. Die Landräte befürchteten in ihrem Schreiben, dass sich zu viele Menschen wegen falscher Testergebnisse an die Gesundheitsämter wenden könnten und diese somit überlastet würden – zumal die Hausärzte über die Feiertage nur schwer zu erreichen seien. Das sei, so das Landratsamt gestern, ein weiteres Problem, da nach einem positiven Antigen-Schnelltest zur Kontrolle ein genauerer PCR-Test erfolgen müsse, der von den Hausarztpraxen durchgeführt werde.

Allerdings: An Werktagen seien die Schnelltests hingegen zu befürworten, erklärte das Landratsamt weiter, „da dann in der Regel unmittelbar auch ein verlässlicher PCR-Test im Anschluss über Hausarztpraxen erfolgen kann.“

Zambo selbst bezifferte die Tests mit bis zu 98 Prozent sicher, betonte aber: Die Ergebnisse der Tests seien lediglich Momentaufnahmen. Auch Katina Lindmayer, die Sprecherin der LAK, weist noch einmal „eindringlich“ auf diesen Umstand hin.

Anmeldung nötig

Welche organisatorischen Vorgaben macht das Sozialministerium?

Im Leitfaden werden Empfehlungen zusammengefasst, darunter die eines Terminvergabesystems zur Steuerung der Besucherströme. Außerdem werden eine räumliche Trennung sowie ein direkt zugänglicher Raum vorgeschlagen. Grundsätzlich sei, so Lindmayer, noch nicht abzuschätzen, „an wie vielen Standorten im Land die Selbstzahlertests möglich sind“. Eine Pflicht für Apotheken zur Durchführung gibt es nicht.

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