Corona-Test vor einem Arztbesuch ist keine Pflicht

Baden-Baden (for) – Wer zum Arzt geht, muss – anders als etwa beim Friseurbesuch – laut Corona-Verordnung keinen negativen Schnelltest vorweisen.

Manche Ärzte fordern ihre Patienten dazu auf, vor einem Praxisbesuch einen Corona-Schnelltest zu machen – das ist allerdings keine Vorschrift. Foto: Oliver Berg/dpa

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Manche Ärzte fordern ihre Patienten dazu auf, vor einem Praxisbesuch einen Corona-Schnelltest zu machen – das ist allerdings keine Vorschrift. Foto: Oliver Berg/dpa

Wer derzeit zum Friseur will und noch nicht vollständig geimpft ist oder als genesen gilt, der kommt an einem Corona-Schnelltest nicht vorbei – zumindest, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz im entsprechenden Stadt- oder Landkreis drei Tage in Folge über dem Wert von 100 liegt. Dann greift nämlich die Bundesnotbremse, die für einem Friseurbesuch einen negativen Corona-Schnelltest vorschreibt. Anders sieht es bei einem Arzttermin aus.

Medizinische Dienstleistungen unterliegen Dringlichkeit

Für einen Praxisbesuch ist kein negativer Corona-Schnelltest vorgeschrieben – unabhängig von der Inzidenz. Bei einigen Praxen in Mittelbaden stößt das auf Unverständnis. Insbesondere beim Zahnarztbesuch, wo Patienten für die Behandlung ja sogar die Maske abnehmen müssen, sei die Gefahr einer Ansteckung doch deutlich höher als beim Friseur, argumentiert ein Arzt. Auch deshalb fordern einige Praxen ihre Patienten als Vorsichtsmaßnahme dazu auf, vor planbaren Terminen einen negativen Corona-Test vorzuweisen. Eine Pflicht dafür gibt es laut der aktuellen Corona-Verordnung aber nicht. „Wir gehen davon aus, dass dies vom Verordnungsgeber bisher deshalb nicht vorgesehen wurde, weil die Inanspruchnahmen medizinischer Dienstleistungen regelmäßig einer entsprechenden Dringlichkeit unterliegen und teilweise nicht planbar sind“, vermutet Andrea Mader, Pressesprecherin bei der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg. Insofern würde die Beauflagung mit einem Corona-Antigenschnelltest hier zu einer Verzögerung führen, die eine Beeinträchtigung der Gesundheit des Betroffenen nach sich ziehen könnte. „Überdies bestehen in medizinischen Einrichtungen bereits immanent Hygienekonzepte, die behördlicherseits überwacht werden“, meint sie.

Patientenaufkommen „überschaubar“

Patrick Fischer sieht derzeit ebenfalls keine Notwendigkeit, vor jeder Untersuchung einen negativen Corona-Schnelltest anzufordern. „In meiner Praxis halten wir die Kontakte sehr kurz, alle Patienten tragen Maske und im Wartezimmerbereich gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen. Das Patientenaufkommen ist bei uns immer sehr überschaubar“, meint er. Menschen, die infektiös sind oder Symptome aufzeigen, müssten vor der Praxis warten, bis sie an der Reihe seien. „Wir führen sie dann über einen kurzen Weg ins EKG-Zimmer“, sagt Fischer. Dort finden die Untersuchung und die Probeentnahme statt. „Danach müssen die Betroffenen die Praxis über die Terrassentür wieder verlassen, sie haben also keinen Kontakt zu anderen Patienten.“

Wie schwer wiegt das Hausrecht?

Letztlich sei aber jeder Arzt Hausherr in seiner Praxis und könne selbst entscheiden, ob er einen negativen Corona-Schnelltest vor der Untersuchung anfordert oder nicht, erklärt Fischer. Ärzte, die einen solchen Test vor jeder Untersuchung direkt in der Praxis durchführen möchten, müssen laut Fischer aber selbst für die Kosten der dafür benötigten Tests aufkommen.

Aber kann ein Arzt eine Behandlung ablehnen, wenn sich ein Patient weigert, vor dem Praxisbesuch einen Corona-Test zu machen? „Das ist eine Frage des Einzelfalls“, sagt das baden-württembergische Sozialministerium auf BT-Nachfrage. Je dringlicher die Behandlung sei, desto schwächer falle das Hausrecht ins Gewicht.

Auch Fischer erklärt: „Prinzipiell darf ich als Arzt jeden Patienten ablehnen, wenn er kein Notfall ist.“ Allerdings sei es oft schwierig, abzuwägen, wann ein Patient als Notfall gelte und wann nicht. „Es ist schwierig, da eine Grenze zu ziehen. Außerdem kann ich ja schlecht beurteilen, ob es sich um einen Notfall handelt, wenn ich den Patienten gar nicht erst untersuche“, so Fischer. Auch das sei ein Grund, weshalb eine allgemein vorgeschriebene Testpflicht vor einem Praxisbesuch kaum möglich sei.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Janina Fortenbacher

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Erstellt:
16. Mai 2021, 21:27 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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