Corona-Warn-Ampel im Nordelsass bleibt orange

Rastatt (fk/bjhw) – Nachdem die Zahl der Corona-Infektionen in Frankreich steigt, gibt es Befürchtungen, dass die Beschränkungen auf ganz Frankreich oder auf das Nordelsass ausgeweitet werden könnten.

TGV nach Marseille: Wer mit dem Gegenzug von der Côte d’Azur in Baden-Baden ankommt, muss verpflichtend ein digitales Meldeformular ausfüllen und sich in Quarantäne begeben. Foto: Florian Krekel

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TGV nach Marseille: Wer mit dem Gegenzug von der Côte d’Azur in Baden-Baden ankommt, muss verpflichtend ein digitales Meldeformular ausfüllen und sich in Quarantäne begeben. Foto: Florian Krekel

Angesichts von zuletzt stetig über 5000 und teils sogar weit über 7000 Corona-Neuinfektionen an einem einzigen Tag in Frankreich geht diesseits wie jenseits des Rheins die Angst vor einer erneuten Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen in Bezug auf das Nachbarland um. Viele befürchten, dass die für die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur und rund um Paris geltenden Reisewarnungen auf ganz Frankreich oder regional auf das Nordelsass ausgeweitet werden könnten.

Meldepflicht auch im Zug

Präsident Emmanuel Macron plädierte vorsichtshalber schon mal gegen neuerlichen Grenzschließungen. Auch in Baden-Württemberg und ganz besonders in Mittelbaden ist die Hoffnung groß, dass es dazu nicht kommen muss.

Gestiegene Vorsichtsmaßnahmen halten indes die Behörden in Atem. So sind im Gesundheitsamt im Rastatter Landratsamt seit einigen Tagen vier Soldaten damit beschäftigt, unter anderem sogenannte Aussteigerkarten von Bahnreisenden aus den französischen Risikogebieten auszuwerten, die mit täglichen ICE- und TGV-Verbindungen an Mittelbaden angeschlossen sind. Die Karten enthalten Landkreisdezernent Stefan Biehl zufolge Informationen darüber, wo sich eine Person aufgehalten hat und wo sie sich in den nächsten 14 Tagen aufhalten wird. Denn, so macht Biehl deutlich: „Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss 14 Tage in Quarantäne, es sei denn, er lässt sich testen und das Ergebnis ist negativ.“ Ehe die Auswertung des Tests vorliegt, gilt aber in jedem Fall Quarantänepflicht. Die Daten werden an die zuständigen Ämter in den Heimatbehörden der Passagiere weitergereicht, weil diese die Einhaltung kontrollieren müssen. Ein Verstoß, erläutert ein Sprecher im baden-württembergischen Sozialministerium, wäre einer gegen das Infektionsschutzgesetz und könnte mit bis zu 25000 Euro Strafe geahndet werden.

Erhoben werden die Angaben digital von der Bahn. Auf BT-Anfrage heißt es dazu aus der Stuttgarter Pressestelle des Konzerns: „Reisende weisen wir auf die gültigen Bestimmungen für Einreisen aus Risikogebieten hin. Dies erfolgt mit Durchsagen in den Zügen, die auf direktem Weg aus Risikogebieten Deutschland erreichen, sowie auf unserer Website. Das verpflichtend auszufüllende digitale Formular zur Einreise aus Risikogebieten finden Bahnkunden jederzeit unter bahn.de/corona.“

„Haben aus dem Lockdown gelernt“

Grundsätzlich beteuern alle Verantwortlichen, aus dem Lockdown gelernt zu haben. Eingeführt wurden sogenannte Meldeköpfe, um die dezentralen deutschen und schweizerischen Gesundheitssysteme mit dem zentralistischen in Frankreich besser zu verknüpfen. „Wir arbeiten präventiv“, so der Ministeriumssprecher weiter, deshalb würden „einschlägige Indikatoren“ regelmäßig ausgetauscht, um die Lage einzuschätzen, „bevor es überhaupt zur Einstufung einer Region als Risikogebiet kommt“.

Im nördlichen Elsass steigen die Zahlen nach einer leichten Entspannung vom Wochenende wieder. Die Ampel steht mit aktuell 38,5 bekannten Neuinfektionen pro 100000 Einwohner in sieben Tagen anhaltend auf Orange. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg liegt der Wert bei 13,9. Einschneidende Entscheidungen fallen erst, wenn der Wert von 50 erreicht werden sollte und eine französische Region vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft wird. Denn die Bundesregierung hat, auch auf Drängen der Nachbarn, sich zum regionalen Vorgehen entschieden. Das wiederum erspart allen Beteiligten zumindest gegenwärtig die schwierige Entscheidung, ganz Frankreich mit aktuell 60 bekannten Neuinfektionen pro 100000 Einwohner binnen sieben Tagen zum Risikogebiet zu erklären. Dabei hatte eine offizielle Erklärung der französischen Gesundheitsbehörden am Montagmorgen selbst die Lage auf dem französischen Festland als „sehr besorgniserregend“ bewertet.


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