Corona: Weitere Todesfälle in Rastatter Pflegeheim

Von BT-Redakteur Daniel Melcher und Holger Siebnich

Rastatt (dm/sie) – Nach dem Corona-Ausbruch im Haus Paulus hat sich die Lage zugespitzt: Inzwischen sind neun Bewohner verstorben. In vier der fünf Wohnbereiche sind Infektionsfälle zu verzeichnen.

Corona: Weitere Todesfälle in Rastatter Pflegeheim

Laut Landratsamt sind im Haus Paulus seit vom Corona-Ausbruch um die Weihnachtszeit bis diesen Montag insgesamt 50 Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Foto: Frank Vetter

Vor dem Haus Paulus in Rastatt steht am Montagnachmittag ein schwarzes Auto. Ein Mann stellt einen Fernseher auf die Rückbank des Wagens, eine Frau stopft Kleidung in einen Müllsack und wirft ihn in den geöffneten Kofferraum. Die beiden haben gerade ganz andere Sorgen, als mit der Presse zu sprechen. Der Mann antwortet kurz angebunden: „Mein Vater ist gestorben. An Corona.“ Im Haus Paulus tobt das Virus. Nach dem Ausbruch in dem Heim um die Weihnachtszeit (wir berichteten) hat sich die Lage zugespitzt: Die Anzahl der Todesfälle hat sich auf neun erhöht.Laut Landratsamt sind bis diesen Montag insgesamt 50 Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet worden. 35 Betroffene befänden sich derzeit in der Einrichtung, sechs im Krankenhaus, wie die Behörde mitteilt. Zudem seien fünf Bedienstete infiziert und fallen vorerst aus.

Mehr als die Hälfte betroffen

Ein Zettel an der Tür des Pflegeheims informiert über „Corona-Fälle auf dem Wohnbereich Terrakotta“. Doch die Info ist veraltet. Nach Angaben des Landratsamts sind in mittlerweile vier der fünf Wohnbereiche Infektionsfälle zu verzeichnen.

Ob das schon die Spitze des Geschehens ist, könne man noch nicht abschätzen, sagt Landratsamts-Pressesprecher Benjamin Wedewart. Derzeit lebten 88 Menschen in dem Heim – das heißt, dass mehr als die Hälfte von dem Corona-Ausbruch betroffen sind oder waren. Von den Verstorbenen habe keiner eine Auffrischungsimpfung (Boosterimpfung) gehabt.

Neben dem Paar, das die Habseligkeiten des verstorbenen Vaters im Auto verstaut, steht ein weiterer Mann. Er winkt in Richtung eines Fensters in einer der oberen Etagen. Hinter der Scheibe sind die Umrisse seiner Tante zu erkennen. Auch sie war mit Corona infiziert. „Sie hat es überlebt“, sagt er. Die 86-Jährige sei doppelt geimpft gewesen. Ein Booster-Termin sei zunächst an der damals noch geltenden Sechs-Monats-Frist gescheitert. Bevor sie schließlich die dritte Impfung bekam, hatte sie sich bereits infiziert. Jetzt hofft der Neffe, dass ihr die überstandene Infektion wenigstens einen robusten Schutz eingebracht hat.

Ins Heim rein wagt er sich nicht. Er selbst sei zwar geboostert, kümmere sich aber auch um seine pflegebedürftige Mutter. Da will er nichts riskieren. Von den Mitarbeitern des Wohnheims fühlt er sich aber auch von außen gut informiert: „Ich rufe jeden Tag an und bekomme meine Infos.“

Mobiles Impfteam vor Ort

Nach Angaben von Kursana durften inzwischen sieben Bewohner wieder aus der Quarantäne raus. Fast die Hälfte aller Bewohner hätten bereits ihre Booster-Impfung erhalten, damit liege man „deutlich über dem Durchschnitt im Landkreis Rastatt“. Gleichwohl gebe es immer noch Bewohner, die sich nicht impfen lassen wollen oder bei denen medizinische Gründe dagegensprechen. Für Impfwillige ist diesen Dienstag ein mobiles Impfteam vor Ort.

„Wir trauern mit den Angehörigen“, sagt eine Kursana-Sprecherin und betont, dass man weiter alle Hygienemaßnahmen in enger Abstimmung mit den Behörden umsetze. Die Angehörigen der mit Corona Infizierten habe man gebeten, aktuell von Besuchen abzusehen. „Auch negativ getestete Bewohner bitten wir, in ihrem Zimmer zu bleiben. Externe Dienstleister wie Friseure oder Physiotherapeuten sind angehalten, unsere Einrichtung aktuell nicht zu betreten, und es finden keine Gruppenaktivitäten statt.“

THW-Einsatz beendet

Auf Helfer des Technischen Hilfswerks (THW), die das Haus Paulus angesichts der Lage zunächst im Betrieb unterstützt haben, muss Kursana künftig indes verzichten. Da es in dem vom THW betreuten Wohnbereich ebenfalls zu Infektionsfällen kam, wurde deren Einsatz am 30. Dezember beendet, teilt das Landratsamt mit.

Angesichts des Personalengpasses sei die Dienstbesetzung im Heim „recht knapp bemessen“. Unter Berücksichtigung der Lage vor Ort sei dies indes akzeptabel, um die Notversorgung aufrechtzuerhalten, so Behördensprecher Wedewart. Verstärkung komme über Leasingkräfte des Heimträgers – und eine Pflegekraft, die sich einst über die Landkreis-Plattform „Helden helfen Heimen“ gemeldet hatte.