Corona bestimmt das Sportwochenende

Baden-Baden (moe) – Im Fußball, aber auch in anderen Sportarten bestimmen momentan nicht die Ergebnisse, sondern coronabedingte Absagen die Schlagzeilen.

Die Furcht vor einem erneuten kollektiven Lockdown ist greifbar – nicht nur im gesellschaftlichen Leben, sondern auch im Sport. Foto: Frank Seiter

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Die Furcht vor einem erneuten kollektiven Lockdown ist greifbar – nicht nur im gesellschaftlichen Leben, sondern auch im Sport. Foto: Frank Seiter

Die Parallelen zum März sind frappierend: Erst stiegen die Corona-Fallzahlen rasant, im Nachgang wurde der Spielbetrieb in nahezu allen Sportarten eingestellt. Wenig später folgte – analog zum gesellschaftlichen Leben – der allumfassende Lockdown. Nun, ziemlich genau sieben Monate später, ist die Lage nicht minder besorgniserregend. Vielerorts bestimmten am vergangenen Wochenende nicht die Ergebnisse, sondern coronabedingte Absagen die Schlagzeilen. Die Furcht vor einem erneuten kollektiven Lockdown ist greifbar, zumal bereits ab heute in Baden-Württemberg verschärfte Regelungen in Kraft treten.

„Das beunruhigt mich“, sagt Vito Voncina. Der Vorsitzende des Fußballbezirks Baden-Baden hatte in den vergangenen Tagen verstärkt mit coronabedingten Absagen zu kämpfen, Tendenz steigend. Am Wochenende musste mehr als ein Dutzend Partien mit Bezirksbeteiligung – Aktive und Junioren zusammen – ausfallen, darunter das prestigeträchtige Oberliga-Derby zwischen Oberachern und dem SV Linx. Der ohnehin schon auf Kante genähte Rahmenterminkalender gerät immer mehr ins Wanken, auch wenn es sich bei den bisherigen Absagen meist um Verdachtsfälle handelte.

Voncina: „Sollten Cut machen“

Voncina hatte bereits vor Wochen einen flammenden Appell an die Fußballer gerichtet, sich an bestehende Hygieneregelungen zu halten – nicht nur im Sport. Denn der Fußball – wie auch andere Sportveranstaltungen – hat sich bisher nicht als Infektionstreiber hervorgetan, doch, so der Bezirksvorsitzende, wenn die Kicker nicht auch ihre Freizeitgestaltung überdenken, „werden wir es nicht schaffen“, sagt Voncina, der die Befürchtung hat, dass die aktuelle Runde nicht regulär zu Ende gespielt werden kann. Angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens, der gestiegenen Zahl an Absagen und der schon großen Lücken in der Tabelle plädiert Voncina persönlich dafür, „einen Cut“ zu machen und den Spielbetrieb zwei Wochen zu unterbrechen. So könne man die Entwicklung beobachten und „sich neu sortieren“.

Der Fußball ist beileibe nicht die einzige Sportart, die am Wochenende mit Absagen zu kämpfen hatte. Beispielsweise fiel der Saisonauftakt der Bühler Bundesliga-Volleyballer mit zwei Spielen komplett ins Wasser. Der Südbadische Volleyballverband – die Teams aus der Region schlagen allesamt in Nordbaden – sagte gleich den kompletten Spieltag in seinen Ligen ab. Neben Tischtennis war und ist auch der Handball betroffen: Während Oberligist TVS Baden-Baden aufgrund von Corona-Fällen bei der SG Köndringen/Teningen vor einer Woche in die Röhre guckte, traf es nun aus Bezirkssicht die Drittliga-Handballerinnen der SG Steinbach/Kappelwindeck, deren Partie bei der SG Schozach/Bottwartal am Samstag eine halbe Stunde vor der geplanten Abfahrt zum Auswärtsspiel wegen eines Corona-Falls im Umfeld des Gegners abgesagt wurde. Auch weitere Partien im Zuständigkeitsbereich des Südbadischen Handballverbands (SHV) mussten coronabedingt ausfallen.

Freiwilliger Lockdown mache keinen Sinn

Im SHV-Präsidium mit dem Rastatter Alexander Klinkner an der Spitze hatte man sich bereits vergangene Woche mit dem Infektionsgeschehen und daraus resultierenden Fragestellungen und Szenarien auseinandergesetzt. Eine Schlussfolgerung der Überlegungen, die an die Vereine verschickt wurden, lautet, dass ein freiwilliger Lockdown des Spielbetriebs durch den SHV „dem Handball mehr schaden würde, als der Nutzen einer wahrscheinlich geringeren Ansteckungsgefahr bringt“. An übergeordnete staatliche oder kommunale Vorgaben habe man sich hingegen selbstverständlich zu halten.

Auch Arnold Manz, Trainer und sportlicher Leiter der Rebland-SG-Handballerinnen, hält es für wenig sinnvoll, „im vorauseilenden Gehorsam den Spielbetrieb einzustellen“. Der Sport habe sich bisher nicht als Pandemietreiber hervorgetan und sei obendrein „extrem wichtig als Kompensation für ganz viele Menschen. Wo Hygienekonzepte aufgestellt wurden, haben wir die Lage im Griff“, so Manz, der dafür plädiert – sollte es zu einem erneuten Lockdown kommen –, „so gut es geht den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten – notfalls ohne einen Großteil der Zuschauer“.

Diesen Schritt haben indes die Oberliga-Basketballer der United Colors Baden-Baden schon hinter sich. Die Korbjäger aus der Kurstadt – was die Sieben-Tage-Inzidenz angeht ein sogenannter Corona-Hotspot – hatten sich freiwillig dazu entschlossen, beim Heimspiel gegen den SSC Karlsruhe am Samstag gänzlich auf Zuschauer im Schulzentrum west zu verzichten.

Ein weiteres Verzichtsbeispiel aus dem Handball verdeutlicht, wie angespannt die Situation bei einigen Beteiligten ist: Wie die „Mittelbadische Presse“ berichtet trat die Reserve des TuS Schutterwald gestern Abend nicht zum Landesliga-Spiel gegen die HSG Hanauerland an. Der Grund ist nicht etwa ein infizierter Spieler, ein Corona-Verdachtsfall oder eine bestehende Quarantäne: „Die halbe Mannschaft der HSG Hanauerland kommt aus dem Risikogebiet Grand Est. Wir haben einfach ein ungutes Gefühl“, erklärte demnach Felix Heuberger, der sportliche Leiter des TuS. Die Absage sei eine Entscheidung der Mannschaft gewesen, der das Risiko zu groß sei. Die Schutterwälder nehmen damit nicht nur eine Niederlage am grünen Tisch in Kauf , sondern auch eine Geldstrafe für das Nichtantreten zu einem Punktspiel.


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