Corona bremst Integration in Baden-Baden aus

Baden-Baden (kos) – Das Baden-Badener Integrationsmanagement bietet Flüchtlingen die Möglichkeit, leichter auf eigenen Beinen zu stehen. Die Pandemie führt aber zu Rückschritten in der Integration.

Türöffner in die Eigenverantwortlichkeit: Juliana Ebert, Alexandra Schickinger, Lisa Sternberg, Matthias Vogt und Andreas Koch (von links) helfen den Geflüchteten. Foto: Konstantin Stoll

© Konstantin Stoll

Türöffner in die Eigenverantwortlichkeit: Juliana Ebert, Alexandra Schickinger, Lisa Sternberg, Matthias Vogt und Andreas Koch (von links) helfen den Geflüchteten. Foto: Konstantin Stoll

An einem fremden Ort neu Fuß zu fassen, ist nicht einfach. Für Geflüchtete, denen pandemiebedingt der neue Boden unter den Füßen weggezogen wird, entwickelt sich das derzeit zunehmend schwierig. Unterstützung dafür erhalten sie in Baden-Baden von den Mitarbeitern des Integrationsmanagements und der Flüchtlingssozialarbeit. Trotz erheblicher Einschränkungen blickt das Team vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

Geflüchtete haben in der Kurstadt mit dem Integrationsmanagement die Möglichkeit, mit Unterstützung den Schritt in die eigene Selbstständigkeit gehen zu können. Das Ziel: Geflüchtete durch Anleitung auf eigenen Beinen stehen zu lassen. Dafür ist das Angebot entsprechend vielfältig: Darunter fallen etwa persönliche Bedarfsberatung, Unterstützung bei der Wohnungssuche, Sozialberatung, Hilfe bei Deutsch-Kursen oder Gängen zum Amt sowie die Vermittlung von Arbeitsplätzen. Generell gehe es darum, diesen Menschen eine gangbare Perspektive ins eigene Leben aufzuzeigen, so der Tenor des Integrationsteams im Gespräch mit dieser Zeitung. Darin wird deutlich, wie komplex diese Aufgaben für die Geflüchteten und Mitarbeiter sind. Vieles steht und fällt grundsätzlich mit der sogenannten Bleibeperspektive, für die eine Aufenthaltsberechtigung benötigt wird, erklärt Integrationsmanagerin Juliana Ebert.

Rund 310 Teilnehmer beim Integrationsprogramm

Besitzt ein Geflüchteter diese Bleibeperspektive, kann er sich für das Integrationsprogramm anmelden. Die weiteren Schritte werden dann in einem individuellen „Integrationsplan“ festgehalten und in regelmäßigen Treffen verfolgt, fügt Ebert hinzu. Dieses Angebot wird auch rege genutzt: Momentan nehmen laut Matthias Vogt, Fachgebietsleiter für Sozialplanung und Integration, rund 310 Personen an dem Hilfsprogramm teil. Besonders wichtig seien den Betroffenen die Themen Wohnen und Arbeiten. Vor allem Ersteres sei „eine ganz große Herausforderung“, betont etwa Alexandra Schickinger, Integrationsmanagerin und Flüchtlingssozialarbeiterin. Zwar sei der Mangel an bezahlbarem Wohnraum auch im hiesigen Stadtkreis grundsätzlich angespannt, aber nicht nur deswegen gestalte sich die Wohnungssuche vor allem für Geflüchtete regelmäßig schwierig.

Ausländerfeindliche Ressentiments bei Vermietern würden in Baden-Baden nach wie vor dazu führen, dass Geflüchtete mit vermeintlich fremd klingendem Namen gar nicht erst zu Wohnungsbesichtigungen eingeladen werden. Das sei definitiv ein Problem, meint auch Ebert, und erfordere die Hilfe des Teams.

Pandemie bedeutet „Rückschritt im Integrationsprozess“

Weniger dramatisch sieht es indes bei der Arbeitssuche aus: „Wer Arbeit will in der Region, findet auch welche“, zeigt sich Schickinger trotz Pandemie guten Mutes. Das Arbeitsangebot für Flüchtlinge sei im Stadtkreis und darüber hinaus laut Schickinger „ein Leichtes“. Mit Blick auf die bevorstehenden Lockerungen Ende März fügt sie hinzu: „Wir gehen schrittweise auf den Horizont hinzu.“ Damit spricht die Sozialarbeiterin an, was oftmals im nunmehr dritten Jahr wie ein Damoklesschwert über der Integrationsarbeit zu hängen scheint: die Corona-Pandemie. Viele haben „fast keine Außenkontakte mehr“ gehabt, bedauert sie. Soziale Eingliederung ohne gesellschaftliche Teilhabe ließe sich nur schwer unter einen Hut bringen und werfe die Integration zurück. Folgen waren etwa, dass Eltern, deren Kinder im Homeschooling Deutsch lernen müssen, gezwungenermaßen weniger persönliche Betreuung erhielten oder finanziell bereits unabhängige Familien wieder in die Sozialhilfe zurückfielen, da ihnen der Job gekündigt wurde.

Vieles von dem, was Geflüchtete bis dahin selbstständig erledigen konnten – etwa ein Gang zum Amt – musste folglich wieder über das Integrationsmanagement laufen. Für alle Beteiligten sei das definitiv „ein Rückschritt im Integrationsprozess“, findet Lisa Sternberg, zuständige Sachgebietsleiterin.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
5. März 2022, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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