Corona durchkreuzt den geselligen Heiligabend

Rastatt (ema) – Schweren Herzens hat der Vorstand des Hospizvereins Rastatt entschieden, die offene Tür an Heilig Abend abzusagen.

24. Dezember 2019 – an Corona denkt da noch niemand: Klaus Winterhoff (links) und Attila Schumann gestalten das Programm im Gemeindehaus St. Alexander mit. Foto: Archiv/Ulrich Philipp

© up

24. Dezember 2019 – an Corona denkt da noch niemand: Klaus Winterhoff (links) und Attila Schumann gestalten das Programm im Gemeindehaus St. Alexander mit. Foto: Archiv/Ulrich Philipp

Alles war bereits organisiert: die Speisen, die Geschenke, das Unterhaltungsprogramm. Doch Mitte vergangener Woche entschloss sich der Hospizdienst Rastatt dann doch, die offene Tür an Heiligabend abzusagen. Mit dem Wissensstand seit Samstag hadert der Vorsitzende Peter Ulrich allerdings mit der Entscheidung. Denn hätten die mittlerweile verkündeten Lockerungen für Geimpfte bereits vor einer Woche gegolten, hätte der promovierte Mediziner durchaus die offene Tür für vertretbar gehalten.
Es waren stets bis zu 130 Menschen, die am 24. Dezember den Weg ins Gemeindehaus St. Alexander fanden, um den besonderen Abend in Gemeinschaft zu verbringen. Rund 30 Ehrenamtliche organisierten einen Fahrdienst, kochten, servierten und stellten ein Unterhaltungsprogramm auf die Beine: So hatte es der Hospizdienst als Veranstalter seit Oktober in Planung. Nachdem die offene Tür im vergangenen Jahr wegen Corona ausgefallen war, wollte man unbedingt an Heiligabend für die einsamen Menschen da sein – angemessen unter Pandemiebedingungen, indem man zumindest 50 Menschen unter 2G-plus-Auflagen einladen wollte und diesmal nicht selbst gekocht, sondern einen Caterer engagiert hätte.

Verein hat Vorbildfunktion

„Wir waren hin- und hergerissen“, zeigt sich Ulrich „todtraurig“, dass man die Veranstaltung „schweren Herzens“ absage. Am Ende überwog aber bei der Diskussion im Vorstand die Auffassung, dass der Hospizdienst eine Vorbildfunktion einnehme. Schließlich werde sich die Pandemie wohl Richtung Weihnachten verschärfen, die Ärzteschaft spreche sich für eine „radikale Kontaktbeschränkung“ aus und auch die Stadt Rastatt habe ihre Seniorenweihnacht abgesagt, führt Vereinsvorsitzender Ulrich die stichhaltigen Argumente auf.

„Ich dachte, mich trifft der Schlag“, war Ulrich dann aber mehr als erstaunt, als Ende vergangener Woche die Lockerungen verkündet wurden. Doch nun noch mal eine Kehrtwende unter den neuen Vorzeichen einzuleiten, hält der Hospizdienst-Vorsitzende nicht für machbar. Vielmehr werde sich der Vorstand in dieser Woche darüber beraten, wie man mit den mehr als 6.000 Euro für die offene Tür geleisteten Spenden umgehe. Im vergangenen Jahr hatte man sich entschlossen, für Obdachlose hochwertige Schlafsäcke und Iso-Matten zu kaufen. Jetzt stehen drei Alternativen zur Wahl: die Spenden werden in die Rücklagen überführt, man packt Geschenkpäckchen für die Gäste oder man veranstaltet ausnahmsweise im kommenden Jahr alternativ ein Sommerfest – wobei der Charakter einer offenen Tür gerade am Weihnachtsabend verloren ginge.

Peter Ulrich schwört wie viele der Mitstreiter auf die Begegnungen der Menschen: „Denn die Dankbarkeit ist jedes Mal riesig.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.