Corona infiziert die Abfallbilanz im Kreis Rastatt

Rastatt (ema) – Im Landkreis Rastatt ist im vergangenen Jahr deutlich mehr Müll angefallen. Corona hinterlässt Spuren.

Deutlich mehr Hausmüll ist im Landkreis Rastatt im vergangenen Jahr angefallen. Foto: Archiv

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Deutlich mehr Hausmüll ist im Landkreis Rastatt im vergangenen Jahr angefallen. Foto: Archiv

Homeoffice statt Büro, Gartenarbeit, Renovierungen und Entrümpelungen statt Urlaub und Freizeitaktivitäten, selber kochen statt Restaurantbesuch: Die Verschiebungen im Alltag der Menschen während der Corona-Pandemie schlagen sich auch deutlich in der Abfallbilanz des Landkreises nieder. Im vergangenen Jahr ist deutlich mehr Müll angefallen.

In fast allen Bereichen weist der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) in seiner jetzt veröffentlichten Statistik neue Rekorde auf. Angefangen bei der grauen Tonne für den Hausmüll mit einer Steigerung um 3,9 Prozent. Zu Buche schlägt aus Sicht des AWB nicht nur, dass die Bewohner mehr Zeit zu Hause verbrachten. Auch die steigende Einwohnerzahl – der Landkreis liegt jetzt bei fast 232.000 Bürgern – führte zu mehr Müllaufkommen. Das gilt auch für die Biotonne. 19.445 Tonnen – so viel wie noch nie – bedeuten einen Zuwachs von 6,1 Prozent. Mehr Zeit zu Hause bedeutet auch mehr Zeit im Grünen, was auch die Gartenabfallplätze zu spüren bekamen. 35.441 Tonnen an Grüngut kamen dort zusammen – ein Plus von 7,9 Prozent.

Am drastischsten schlug der Corona-Effekt wohl beim Sperrmüll durch. Mit 4.461 Tonnen wurde der Wert des Vorjahrs um 850 Tonnen übertroffen. Entsprechend stieg auch die Zahl der Kleinmengenanlieferungen in Oberweier und Vimbuch an. 40.824 Anfahrten bedeuten Höchstniveau. Gleiches gilt für die Aufträge, die Bürger zur Abholung erteilten. Mit 3.408 (Vorjahr: 3.022) Bestellungen verzeichnet der AWB ebenfalls einen Rekord. Treiber könnte laut AWB auch die im zweiten Halbjahr 2020 gesenkte Mehrwertsteuer gewesen sein, was Bürger vermehrt veranlasst habe, im Zuge von Entrümpelungen neuen Hausrat anzuschaffen. „Ausmisten“ hieß die Parole vermutlich auch bei den Altkleidern. 26 Tonnen regis-trierte der AWB im vergangenen Jahr; sechs Tonnen mehr als im Jahr 2019.

Boom bei Swimmingpools

Dass trotz Corona weiter in der Region gebaut wurde, zeigen die Zahlen für die Bodenaushub- und Bauschuttdeponien. 57.908 Tonnen fielen an – 45,6 Prozent mehr als im Jahr 2019. Und dazu trugen nicht nur gewerbliche Unternehmer bei. Drastisch zugenommen, so der AWB, haben auch Entsorgungsanträge im Zusammenhang mit dem Bau von Swimmingpools. 67 Fälle von privaten Bauherrn listet die Statistik auf – gegenüber 20 im Vorjahr.

Eines der Sorgenkinder beim AWB bleibt die grüne Tonne. Zwar stieg die Menge an Altpapier um 1,4 Prozent. Doch der Preisverfall macht dem Landkreis weiter zu schaffen, was großen Anteil am Gesamtminus von 615.000 Euro des AWB hat. Die schlechten Perspektiven sowie Corona haben auch viele Vereine vor Sammlungen zurückschrecken lassen. Dem Landratsamt waren im vergangenen Jahr gerade mal noch 60 Aktionen gemeldet worden – um die Hälfte weniger als im Jahr 2019.

Problem bei der gelben Tonne bleibt der Abfall, der dort gar nicht hineingehört. 11.892 Tonnen kamen im vergangenen Jahr zusammen; ein Viertel davon waren Störstoffe. Konsequenz: In 379 Fällen ließ die beauftragte Firma MERB die gelben Tonnen stehen – überwiegend Container bei Wohnanlagen, die dann gegen Kostenerstattung als Restmüll geleert werden mussten.

Insgesamt lag das Abfallaufkommen im Landkreis im vergangenen Jahr bei 184.681 Tonnen (plus 15,1 Prozent). 54 Prozent davon wurden wiederverwertet.

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Erstellt:
7. Juli 2021, 18:00 Uhr
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