Corona prägt Alltag im Bühler Frauengefängnis

Baden-Baden (sre) – Die Pandemie beeinflusst auch den Alltag hinter Gittern: Im Bühler Frauengefängnis sind Besuche und Freizeitprogramm seit Monaten beschränkt.

Hinter hohen Mauern: Damit im Gefängnis niemand erkrankt, wurde einiges neu geregelt. Foto: Sarah Reith

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Hinter hohen Mauern: Damit im Gefängnis niemand erkrankt, wurde einiges neu geregelt. Foto: Sarah Reith

Es liegt in der Natur eines Gefängnisses, dass der Ort abgeschirmt ist und man drinnen von der Welt dort draußen wenig mitbekommt. Corona macht aber auch vor dieser Hürde nicht halt und hat den Alltag im Bühler Frauengefängnis in den vergangenen Monaten deutlich verändert. Von den Besuchen bis hin zum Freizeitprogramm musste vieles an die neuen Bedingungen angepasst werden.

Dabei ist manches anders als in der Außenwelt. In den engen Zellen, die in Bühl in der Regel von zwei Gefangenen bewohnt werden, ist zum Beispiel ans Abstandhalten nicht zu denken. Auch deshalb habe es bei der ersten Corona-Welle einen Vollstreckungsstopp für kurze Freiheitsstrafen und Ersatzfreiheitsstrafen gegeben, berichtet Thomas Müller, der die Justizvollzugsanstalt (JVA) Karlsruhe mit der Außenstelle Bühl leitet. Das heißt: Menschen, die eine sogenannte Ersatzfreiheitsstrafe abzuleisten haben, weil sie eine Geldstrafe nicht bezahlen können, oder aber eine kurze Freiheitsstrafe, mussten vorerst nicht in Haft. „Man musste in den Gefängnissen Platz schaffen“, erläutert Müller.

Vier Quarantäne-Zellen geschaffen

So wurden zum Beispiel im Bühler Frauengefängnis vier Quarantäne-Zellen geschaffen, in die neue Gefangene erst einmal 14 Tage lang kommen. In dieser Zeit haben sie keinerlei Kontakt zu den anderen. Danach werden sie als Corona-frei eingestuft und müssen auch untereinander keine Abstandsregeln beachten.

Inzwischen müssen kurze Freiheitsstrafen allerdings wieder vollstreckt werden – und die Zahl an Gefangenen ist wieder gestiegen. 30 Frauen waren laut Dienstleiter Egon Schmelzle in der vergangenen Woche in der Bühler Einrichtung untergebracht. Zum Vergleich: Im Sommer war die Zahl auf 19 gesunken.

Das eigene Kind seit Monaten nicht gesehen

Nachdem im Frühjahr zunächst überhaupt keine Besuche mehr zugelassen wurden, dürfen nun seit Mai Einzelpersonen kommen, die aber hinter einer Trennwand bleiben müssen. Vor allem für die Frauen mit zum Teil kleineren Kindern sei das schwer, berichtet Müller: Da die Kinder ja nur in Begleitung eines Erwachsenen kommen könnten, bedeutet die Regelung mit nur einer Person als Besuch, dass die Frauen ihre Kinder bereits seit Monaten überhaupt nicht sehen durften. Die neu geschaffene Möglichkeit von Videotelefonaten übers Internet habe da nur einen unzureichenden Ersatz geschaffen.

•„Besuchertermine nach Vereinbarung“ steht neben dem Tor der JVA. Derzeit sind Besuche aber schwierig. Foto: Sarah Reith

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•„Besuchertermine nach Vereinbarung“ steht neben dem Tor der JVA. Derzeit sind Besuche aber schwierig. Foto: Sarah Reith

Viele Mütter würden laut Schmelzle gern eine zweiwöchige Isolationshaft in Quarantäne in Kauf nehmen, nur um ihre Babys oder Kleinkinder ein paar Minuten auf den Arm zu nehmen. Aber das könne man nicht ermöglichen, weil die Quarantäne-Zellen ja für Neuzugänge frei bleiben müssen. Laut Müller war man gerade dabei, die Besuchsmöglichkeiten zu erweitern. Doch die steigenden Corona-Zahlen dürften dies nun erneut für längere Zeit unmöglich machen.

Ähnliches gilt beim Freizeitprogramm. Hofgang und Sport wurden zwar angepasst und weiter durchgeführt, auch eine Ernährungsberatung konnte wieder stattfinden. Doch die zehn Ehrenamtlichen vom Arbeitskreis Gefangenenfürsorge, die mit ihrem Bastel- und Gesprächsangebot einen wichtigen Ausgleich zum tristen Alltag hinter Gittern schaffen, mussten ihr Angebot seit Beginn der Krise ruhen lassen: Sie könnten die Abstände zu den Gefangenen nicht einhalten. Alternativ überlegen die Ehrenamtlichen, vielleicht Lesungen anzubieten: Gerade zur Adventszeit hin sei der Bedarf an einem solchen besinnlichen Angebot hoch, ist Vollzugsabteilungsleiterin Nathalie Hurle überzeugt. Ob dies in Anbetracht der Entwicklung möglich ist und ob zumindest eine Weihnachtsfeier stattfinden kann, wird sich zeigen.

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Erstellt:
20. Oktober 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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