Corona senkt Zahl der Straftaten im Murgtal

Gaggenau (tom) – Das Polizeirevier Gaggenau verzeichnet für 2020 einen Rückgang bei der Kriminalität.

Eine Kennziffer zur Bemessung der Kriminalität ist die Häufigkeitszahl. Darin werden die bekannten Straftaten auf 100.000 Einwohner hochgerechnet. Grafik: BT

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Eine Kennziffer zur Bemessung der Kriminalität ist die Häufigkeitszahl. Darin werden die bekannten Straftaten auf 100.000 Einwohner hochgerechnet. Grafik: BT

Wer im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Gaggenau lebt, der hat ein relativ geringes Risiko, Opfer von Straftaten zu werden. Für das vergangene Jahr weist die Statistik zusätzlich einen Rückgang auf. „Der Corona-Effekt ist spürbar“, bestätigt Polizeioberkommissar Sebastian Haas im BT-Gespräch. Er ist Leiter der Führungsgruppe im Revier.

Die Beamten in der Gaggenauer Unimogstraße sind zuständig für Kuppenheim, Muggensturm, Bischweier, Gaggenau, Gernsbach, Loffenau, Weisenbach und Forbach – also von der Rheinebene bis hoch zur Talsperre. Am Freitag wurde die Kriminalstatistik für 2020 offiziell vorgestellt.

Traditionell ist man im Revierbereich bei den sogenannten Häufigkeitszahlen unter dem Landes- und dem Landkreisdurchschnitt, so war es auch 2020 (siehe Grafik).

Einige wenige Schlaglichter sind kennzeichnend für die Entwicklung im vergangenen Jahr:

Diebstähle: Niedrigster Wert der vergangenen fünf Jahre.

2016: 952

2017: 732

2018: 816

2019: 797

2020: 610

Wohnungseinbrüche:

2016: 73

2017: 53

2018: 33

2019: 39

2020: 25

Ähnlich sei es bei den Ladendiebstählen. „Wenn weniger Geschäfte offen sind, gibt es weniger Ladendiebstahl“, konstatiert Haas.

Corona-Effekt auch bei den Wohnungseinbrüchen: Durch die Grenzschließungen gab es weniger Einreise von internationalen Tätergruppen aus dem Ausland. Dazu gab es weniger Einbruchsgelegenheiten, da viele Menschen nicht in Urlaub fuhren oder zu Hause arbeiteten.

Gleichwohl betont die Polizei, dass man zu dieser positiven Entwicklung aktiv beigetragen habe: „Verstärkte Präsenz zur Reduzierung von Straftaten im öffentlichen Raum und Stärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls“, heißt das im Polizeijargon.

Sexualdelikte: Ein besonderes Augenmerk gilt in der 2020er-Statistik den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Hier sind 50 Fälle bilanziert, das ist ein Anstieg um 43 Prozent. Dies hängt nicht nur damit zusammen, dass mehr angezeigt wird, erläutert Sebastian Haas. Er verweist auf internationale Zusammenarbeit und insbesondere die gemeinnützige NCMEC aus USA. Die Abkürzung steht für National Center for Missing & Exploited Children (Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder). Sie verfolgt und dokumentiert international Straftaten gegen Kinder. Ihre Kenntnisse teilt sie auch dem Bundeskriminalamt mit – und so erfahren auch die Polizeireviere von Straftätern in ihrem Zuständigkeitsbereich. Im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg wurde ein gesteigertes Hinweisaufkommen registriert. Seit 2020 kümmert sich dort eine Ermittlungsgruppe Kinderpornographie um diese Fälle. „Einzelne Tatverdächtige gibt es auch bei uns im Revierbereich“, bestätigt Sebastian Haas, dies wiederum schlage sich in der Statistik nieder: „Das ist wie bei Drogendelikten: Je tiefer man wühlt, umso mehr kommt ans Tageslicht.“

Betrugsdelikte:

2016: 545

2017: 493

2018: 390

2019: 619

2020: 306

Die Halbierung im letzten Jahr hat eine Ursache in der Änderung der Erfassungsrichtlinien. So werden beispielsweise seit Januar 2020 Enkel- oder Bankentricksereien nicht mehr der Murgtal-Kriminalität zugeordnet, sondern in einer eigenen Statistik erfasst, wenn die Täter aus dem Ausland agieren. Und Seriendelikte werden täterbezogen erfasst, also nicht mehr einzeln.

Corona-Regeln: Akzeptanz bröckelt

Bereits im vergangenen Jahr bröckelte die Akzeptanz von Corona-Bestimmungen. Gleichwohl ist die Polizei gehalten, die Einhaltung der Verordnungen einzufordern, wenn sie von deren Missachtung Kenntnis hat. Eine oftmals schwierige Situation für die Beamten, wie Sebastian Haas bestätigt. Ab und an sind Anzeigen aus der Bevölkerung auf Verstöße auch Hinweise auf lange schwelende schwere Nachbarschaftskonflikte. Vorfälle wie in Ottenau, wo es im vergangenen Jahr nach Anzeigen von Corona-Verstößen zu Bedrohungen von Leib und Leben gekommen sei, seien aber bei Weitem die Ausnahme. Doch Haas betont: Wenn derlei Beleidigungs- oder gar Bedrohungstatbestände gegen Personen vorliegen, werde dies zur Anzeige gebracht; ebenso erfolge eine sogenannte „Gefährderansprache“, in der auf die strafrechtlichen Konsequenzen hingewiesen werde.

Generell könne man konstatieren: Die Akzeptanz von Corona-Bestimmungen in der Bevölkerung sei mittlerweile geringer als die Akzeptanz der Straßenverkehrsordnung.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
12. März 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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