Cupra Formentor: Auf Knopfdruck angriffslustiger

Baden-Baden (fde) – Der Formentor ist das erste eigenständige Modell der Seat-Tochter Cupra. Die BT-Motorredaktion hat das Kompakt-SUV in der Topmotorisierung mit 310 PS getestet.

Naheliegende Kulisse: Der Cupra Formentor posiert auf der namensgebenden spanischen Halbinsel für Pressefotos. Foto: Cupra

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Naheliegende Kulisse: Der Cupra Formentor posiert auf der namensgebenden spanischen Halbinsel für Pressefotos. Foto: Cupra

Am Ende der Halbinsel Cap Formentor auf Mallorca steht ein Leuchtturm, der bei Touristen ein beliebtes Ausflugsziel ist. Die Sehenswürdigkeit, zugleich am nördlichsten Punkt Mallorcas, ist nur über eine mehrere Kilometer lange, schmale und kurvenreiche Strecke erreichbar. Genau dort posierte das erste eigenständige Modell der Seat-Tochter Cupra für Pressefotos. Das bietet sich an, schließlich ist die Region Namensgeber des Kompakt-SUV.

Die Antriebspalette des seit Ende 2020 erhältlichen Cupra Formentor umfasst derzeit neun verschiedene Varianten: Vom Einstiegsbenziner mit 150 PS (ab 31.490 Euro) über einen ebenso starken Diesel (ab 34.200 Euro) bis zum Plug-in-Hybrid mit wahlweise 204 oder 245 PS Systemleistung (ab 39.890 Euro). An der Spitze thront ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 310 PS, Allrad-Antrieb und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Genau den hat die BT-Motorredaktion getestet.

Der erste Eindruck: Die Designer haben ganze Arbeit geleistet. Charakterstark, elegant und dynamisch: Der Wagen verkörpert exakt die Attribute, mit denen die sportliche Marke wirbt. Zentral im markanten Kühlergrill glänzt das kupferne Cupra-Logo. Unterhalb der serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfer sitzen Lufteinlässe, die für eine verbesserte Aerodynamik sorgen. Hinten lässt das durchgängige Leuchtenband den Wagen breiter wirken. Heckspoiler, 19-Zoll-Leichtmetallräder und die Auspuffanlage mit vier Endrohren unterstreichen die sportlichen Ambitionen des Formentor. Die Verwandtschaft zur Seat-Familie kann der erste eigenständige Cupra-Spross aber trotzdem nicht leugnen.

Schön ist, dass Cupra kupferne Akzente auch gezielt im Innenraum setzt: Ziernähte an den Sitzen und Türverkleidungen, die Rahmen der Lüftungsdüsen sowie Elemente am Lenkrad sind in der Markenfarbe gestaltet. Das passt perfekt zum blauen Lederpaket. Letzteres harmoniert allerdings weniger gut mit dem ansonsten in Schwarz gehaltenen Innenraum. Das ist aber letztlich Geschmackssache.

Das riesige, freistehende 12-Zoll-Infotainmentdisplay lässt es schon vermuten: Beim Bedienkonzept verzichtet Cupra – ähnlich wie VW beim neuen Golf – auf viele Schalter und setzt stattdessen etwa auf Slider-Flächen zur Temperatur- und Lautstärkeregelung. Die Bedienung per Touch über das Zentraldisplay lenkt definitiv mehr ab, als es bei eigenen Direktwahltasten der Fall wäre. Das 10,25 Zoll große digitale Cockpit, das sich sehr fein individualisieren lässt, gehört ebenfalls zu Serienausstattung.

Der Start-Knopf des Wagens sitzt übrigens rechts am Lenkrad. Über das Pendant auf der linken Seite kann der Fahrmodus gewählt werden, was den Rennsportler-Anspruch des Formentor stets mit den Daumen greifbar macht. Der Namenszusatz „VZ“ des topmotorisierten Modells ist die Abkürzung des spanischen „veloz“, was übersetzt schlicht und einfach „schnell“ bedeutet. Und das ist der Cupra: In 4,9 Sekunden sind 100 Stundenkilometer erreicht, gefühlt vergehen bis zur 200er-Marke auch nicht mehr als fünf Sekunden. Bei Tempo 250 ist der Wagen abgeregelt.

Schon im Comfort-Modus spürt der Fahrer beim Fußdruck aufs Gaspedal eine gehörige Portion des spanischen Temperaments, das unter der Motorhaube schlummert. Wem die dazugehörige kultivierte Lautstärke nicht ausreicht, wechselt in den Sportmodus. Der künstlich erzeugte Motorensound macht das Crossover auf Knopfdruck angriffslustiger und sorgt für die passende akustische Untermalung des rasanten Auftritts. Getoppt wird das noch vom Cupra-Modus, bei dem selbst in der 30er-Zone viele Fußgänger den Blick heben und schauen, was für eine PS-Schleuder da angerollt kommt. Die Bandbreite der Gesichter reicht dabei von Faszination bis hin zu Naserümpfen. Aber das bringt so ein Vehikel wohl mit sich. Im Comfort-Modus ist man in dieser Hinsicht jedenfalls weitgehend inkognito unterwegs.

So viel Leistung hat natürlich nicht nur in der Anschaffung ihren Preis (ab 45.090 Euro), sondern auch an der Tankstelle muss öfters ein Stopp eingeplant werden. Bei rund elf Litern pendelt sich der Verbrauch im BT-Test ein. Ein einstelliger Wert ist in der Praxis kaum zu schaffen, hält der Fahrer den Wagen nicht allzu streng im Zaum.

Platzmäßig bietet der Cupra klassenstandard-typische Dimensionen. In beiden Reihen haben Passagiere ausreichend Platz – lediglich die Kopffreiheit kann im Fond für Personen ab 1,95 Meter zum Problem werden. Der Kofferraum fasst zwischen 420 und 1.475 Liter und ist damit groß genug für einen Wocheneinkauf.

Im Serienumfang enthalten sind unter anderem ein Navi, alle gängigen Fahrassistenzsysteme, eine Dreizonen-Klimaanlage, ein schlüsselloses Zugangssystem sowie Sportfahrwerk. Aufpreispflichtig sind beispielsweise Extras wie das Panorama-Glasdach, die elektrische Heckklappe oder das Beats-Audiosystem. Da der Testwagen in diese Hinsicht üppig bestückt ist, erhöht sich der Kaufpreis auf 53.619 Euro – eine stolze Summe für ein Kompakt-SUV. Das ist dafür aber potent motorisiert, vollumfänglich ausgestattet und sieht richtig edel aus.

Technische Daten

Cupra Formentor VZ 2.0 TSI

Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner

Leistung: 310 PS

Max. Drehmoment: 400 Nm

Getriebe: Siebengang-Doppelkupplung

0 - 100 km/h: 4,9 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Verbrauch: 8,7 l / 100 km

CO2-Ausstoß: 197 g/km

Leergewicht: 1.644 kg

Maße (L/B/H): 4,45 m/1,84 m/1,51 m

Basispreis: 45.090 Euro

Das durchgängige Leuchtenband lässt das Heck breiter wirken. Foto: Cupra

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Das durchgängige Leuchtenband lässt das Heck breiter wirken. Foto: Cupra

Kommandozentrale im Großformat: Das serienmäßige Infotainmentdisplay im Innenraum misst zwölf Zoll. Foto: Fettig

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Kommandozentrale im Großformat: Das serienmäßige Infotainmentdisplay im Innenraum misst zwölf Zoll. Foto: Fettig

Der Kofferraum hat klassentypische Dimensionen. Foto: Cupra

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Der Kofferraum hat klassentypische Dimensionen. Foto: Cupra

Ihr Autor

BT-Redakteur Dennis Fettig

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Erstellt:
5. Juni 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 21sec

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