Currentzis-Festspiele: Fauré mit visuellen Effekten

Baden-Baden (cl) – Visuelle Effekte zum Fauré-Requiem unter Teodor Currentzis: Der englische Videokünstler Mat Collishaw zeigt im Festspielhaus seine bewegliche Vogel-Installation und einen Film.

Sucht das Transzendente: Dirigent Teodor Currentzis hat sich für sein Fauré-Requiem die effektvolle Videokunst von Mat Collishaw ausgesucht. Foto: Alexandra Muravyeva/SWR

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Sucht das Transzendente: Dirigent Teodor Currentzis hat sich für sein Fauré-Requiem die effektvolle Videokunst von Mat Collishaw ausgesucht. Foto: Alexandra Muravyeva/SWR

Soundkultur und Bildkunst gehen am Wochenende Hand in Hand beim zweiten Teil der Baden-Badener Herbstfestspiele mit Teodor Currentzis, seinen „musicAeterna“-Ensembles und dem Karlsruher Kinderchor Cantus Juvenum. Das Fauré-Requiem wird am Samstagabend begleitet von einem flügelschlagenden Elektronik-Geier, der rund um Allerheiligen als eine Art Todesvogel die Besucher im Foyer des Festspielhauses zum Konzert empfängt. Bereits an der Außenfassade werden am Abend farbige Projektionen des englischen Videokünstlers gezeigt.

Mat Collishaw, vor allem im angloamerikanischen Raum mit großen Ausstellungen bekannt, eröffnet der aktuellen Kunst mit seinen teils unheimlichen Rauminstallationen aus Videotechnik und Lichteffekten ganz eigenständige Möglichkeiten – mit Tiefgang und auch Eventcharakter. Collishaws Werk vermischt, auch im religiösen und philosophischen Sinne, das Erhabene mit dem Schrecklichen. Bereits in seinem Kunstwerk „All Things Fall“ (2014), einer filigranen Rotunde zum Bethlehemitischen Kindermord aus dem Neuen Testament, schuf er Mithilfe von Stroboskopbeleuchtung immer schneller rotierende optische Täuschungen. Die „Nerve Rack“-Figur aus Aluminium mit einem Elektronik-Gehirn erscheint wie eine Fortentwicklung der alten Theatermaschinerie mit den Mitteln der modernen Chip-Technik. 2019 platzierte Collishaw die lebenshoch aufgestellte Installation „The Nerve Rack“ im Ushaw College in der englischen Grafschaft Durham; dort wurde sie mit einem Pendant aus der Kunstgeschichte konfrontiert.

Installation „The Nerve Rack“ beim Transport beschädigt

Teodor Currentzis, der in der Musik das Transzendente sucht, wollte dem subtilen Fauré-Requiem mit Collishaws Gestaltungswillen eine fesselnde, verführerische Optik in Baden-Baden verleihen; neu entstanden ist ein Film, der auch mit dem düsteren Vogelmotiv spielen wird und während des Konzerts im Hintergrund läuft.

Der feinfühlige musikalische Lyriker Fauré sieht den Tod als eine freudvolle Erlösung, als eine Erwartung von Glückseligkeit jenseits des Grabes – im Requiem konfrontiert der französische Komponist den Zuhörer nicht mit dem Schrecken des Jüngsten Gerichts, vielmehr stellt er Verzeihen und Vergebung in den Mittelpunkt. Collishaws Film wird sich Fauré korrespondierend nähern.

Am Freitagmittag allerdings erlebte der frisch angereiste Künstler Mat Collishaw beim Auspacken seines glänzend gestalteten Vogels einen Schreckmoment: Der Kopf des auf einem Riesengestänge platzierten „Nerve Rack“ war beim Transport beschädigt worden. Obwohl das Kunstwerk stehend und in Gänze in einer soliden Kunsttransportkiste in Baden-Baden ankam und erst im Beisein des Künstlers ausgepackt worden ist. Bevor „Nerve Rack“ am Samstagabend im Foyer zum Flügelschlag ausholen kann, musste sein Kopf am Freitagnachmittag noch restauriert werden.

Die Herbstfestspiele enden am Montag, 1. November, mit der zweiten Aufführung des Fauré-Requiems unter Currentzis/Collishaw. Übers Wochenende gilt die 3G-Regel im Festspielhaus.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
30. Oktober 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 16sec

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