DFB-Pokal: KSC schlägt Bayer Leverkusen

Leverkusen (rap) – Faustdicke Überraschung in der zweiten Runde des DFB-Pokals: Der KSC hat am Mittwochabend den Bundesligisten Bayer Leverkusen mit 2:1 niedergerungen und steht im Achtelfinale.

Rein damit: Kyoung-Rok Choi (am Ball) nutzt den Patzer von Lukas Hradecky aus und trifft zum 2:1. Foto: Marvin Güngör/GES

© GES/Marvin Ibo Güngör

Rein damit: Kyoung-Rok Choi (am Ball) nutzt den Patzer von Lukas Hradecky aus und trifft zum 2:1. Foto: Marvin Güngör/GES

Zumindest für ein verschmitztes Lächeln hatte Daniel Gordon noch Kraft. Und auch für die eine oder andere Umarmung mit seinen Teamkollegen. Für eine ausgelassene Feier noch direkt in der Leverkusener BayArena war der KSC-Innenverteidiger aber am Mittwochabend schlicht zu ausgepowert. Kein Wunder, kosteten die 90 Minuten in der zweiten Runde des DFB-Pokals den 36-Jährigen gegen den Bundesligisten doch jede Menge Nerven, Konzentration und Körner.

Doch Gordon war der (benötigte) Turm in der Karlsruher Abwehrschlacht. Er köpfte den Ball aus der Gefahrenzone, wann immer es nötig war, grätschte in den Zweikämpfen um sein Leben und trieb die Bayer-Angreifer mit all seiner Routine zur Verzweiflung. Am Ende war der Oldie – neben Kapitän Jerôme Gondorf – der Garant für die faustdicke Überraschung: Der KSC rang mit ganz viel Leidenschaft und etwas Glück Bayer Leverkusen mit 2:1 nieder und steht im Achtelfinale. „Ein sensationeller Sieg, die Mannschaft hat sich nach dem Ausgleich herausragend gewehrt“, sagte KSC-Trainer Christian Eichner.

Drei Wechsel in KSC-Startelf

Im Vergleich zur 1:3-Niederlage im Ligabetrieb bei Fortuna Düsseldorf wechselte Eichner seine Startformation auf drei Positionen: Ins Tor kehrte der zuletzt gesperrte Marius Gersbeck zurück (statt Markus Kuster), im Mittelfeld durften Tim Breithaupt und Lucas Cueto statt Fabio Kaufmann und Marc Lorenz ran. Und keine fünf Minuten waren gespielt, da machte sich Eichners Personalrochade bereits bezahlt – und zwar in Form der frühen Führung: Marvin Wanitzek zirkelte eine Flanke auf Philipp Hofmanns Kopf, dessen Versuch Bayer-Keeper Lukas Hradecky noch glänzend parierte, doch Cueto stand goldrichtig und staubte ab.

Die Werkself zeigte sich aber nur kurz geschockt, legte den Vorwärtsgang ein, schnürte den KSC tief in dessen Hälfte ein und hätte – nach feiner Kombination – durch Moussa Diaby ausgleichen müssen. Der Franzose aber verzog knapp (10.). Der Bundesligist machte weiter Druck, keine zwei Minuten später zielte Amine Adli freistehend vor Gersbeck hauchzart am langen Pfosten vorbei.

In der Folge versuchte der KSC, das Zentrum konsequenter zu schließen, das eigene Tor „mit dem Leben zu verteidigen“, wie es Eichner im Vorfeld gefordert hatte. Mit Erfolg: Der Druck der Hausherren nahm trotz aller spielerischen Vorteile etwas ab, da die Abstände im KSC-Mittelfeld nun besser stimmten und sich die Eichner-Elf auch griffiger in den Zweikämpfen präsentierte – und gar für einen Hauch Entlastung sorgte: Einen Hofmann-Seitfallzieher blockte Edmond Tapsoba noch zur Ecke (29.).

Bis zur Halbzeit sollte sich das Bild nicht mehr ändern, Bayer ließ den Ball laufen, jedoch in Zonen, in denen der KSC gut damit leben konnte. Mit zunehmender Spieldauer wirkte das Bayer-Offensivspiel ideenlos, KSC-Keeper Gersbeck musste jedenfalls in Hälfte eins nicht einmal eingreifen.

Hradecky-Patzer sorgt für Sensation

Auch in Hälfte zwei gehörte die erste Chance den Gästen: Einen Freistoß aus halblinker Position zog Wanitzek schlitzohrig direkt auf den Bayer-Kasten – Hradecky faustete zur Ecke. Nach selbiger brachte sich der KSC aber selbst in die Bredouille: Heise verlor den Ball, die Seoane-Elf konterte in Überzahl, aber Gondorf, der im Mittelfeld omnipräsent war, verhinderte in letzter Sekunde den Querpass auf den freistehenden Nadiem Amiri (52.).

Gerade als der KSC auf Augenhöhe agierte, auch mal mutiger den Vorwärtsgang suchte – Gordon prüfte Hradecky per Flachschuss nach einer Ecke –, schlug der Bundesligist eiskalt zu: Der wuselige Jeremie Frimpong spielte einen blitzsauberen Doppelpass mit Adli, schüttelte Verfolger Cueto ab, zog in den Strafraum rein und traf mit links aus zehn Metern ins linke obere Eck (54.).

Bayer drängte nun auf die Führung – war plötzlich aber wieder im Rückstand, weil sich Leverkusens Schlussmann einen ganz dicken Bock leistete: Hradecky – bedrängt von Cueto – wollte per Flachpass Linksverteidiger Bakker anspielen, passte aber direkt in die Füße von Kyoung-Rok Choi, der sich nicht zweimal bitten ließ und entschlossen ins kurze Eck einnetzte (64.). Nun musste Bayer wieder anrennen, 04-Trainer Seoane wechselte prompt Jung-Nationalspieler Florian Wirtz und Kerem Demirbay ein. Gefährlich wurde es zunächst nur durch eine verunglückte Abwehraktion von Gordon, die Gersbeck per Flugparade gerade noch bereinigen konnte (72.).

Solanilla lässt Ausgleich liegen

Leidenschaftlich verteidigte der KSC die knappe Führung, spulte ein immenses Laufpensum ab, denn immer wieder drang die Werkself über die Außenbahnen in den Strafraum ein – ging aber äußerst fahrlässig mit ihren Chancen um. So hämmerte der 16-jährige Bravo Solanilla nach feinem Diaby-Pass aus acht Metern den Ball übers leere KSC-Tor (78.). Es entwickelte sich in den Schlussminuten eine packende Abwehrschlacht, der Underdog hielt dem Druck der Bayer-Elf stand – mit ganz viel Leidenschaft und etwas Glück.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
27. Oktober 2021, 21:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 22sec

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