DLRG in Sorge: „Der Spaß hört bald auf“

Rastatt (galu) – Die DLRG Rastatt ist in Sorge, weil bei kälteren Temperaturen das Freibad nicht mehr nutzbar ist und das Alohra weiter geschlossen bleibt. Die Retter warnen vor Folgen.

Das „Kleiderschwimmen“ ist elementarer Bestandteil der Rettungsschwimmerausbildung. Im Bild Kursteilnehmer für das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber. Foto: Lukas Gangl

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Das „Kleiderschwimmen“ ist elementarer Bestandteil der Rettungsschwimmerausbildung. Im Bild Kursteilnehmer für das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber. Foto: Lukas Gangl

„Die Temperatur jetzt spricht für das Freibad, aber wenn es regnet oder kühler wird, hört der Spaß halt auf“: Für Horst Müller und Klaus-Dieter Just von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Rastatt, sieht die Zukunft derzeit düster aus. Denn: Es fehlt eine geeignete Wasserfläche für Schwimm- und Rettungskurse, da das städtische Hallenbad Alohra nicht nutzbar ist.
Die große Frage, die sich Vorsitzender Müller, Ausbildungsleiter Just und DLRG-Arzt Dr. Wolfhart Fischer derzeit stellen, beschäftigt sie schon seit einigen Wochen: Wo soll ab September die Schwimmausbildung stattfinden? Aktuell finden die Kurse im Freibad statt. Aber bei einem vollen Bad sei dies schon jetzt nur schwer umsetzbar, so Müller im Gespräch mit dem BT.

Doch auch das Alohra sei nie groß genug für den Rastatter Bedarf gewesen, findet er. „Da ist man stellenweise schon Kopf an Kopf geschwommen. Trotzdem wären wir über Zustände wie vor der Pandemie mittlerweile froh“, fügt Just an. Denn durchschnittlich 200 Schwimm- und Rettungsschwimmerschüler sowie 40 Aus- und Hilfsausbilder haben sich laut Angaben der beiden regelmäßig montags im Hallenbad zur Aus- und Fortbildung getroffen – derzeit unvorstellbare Zahlen.

Gesamtsituation problematisch

Seit 28. Juni finden wieder Kurse der DLRG statt, jedoch im Freibad. Durch die geltenden Pandemieeinschränkungen mussten die Schüler auf drei Tage verteilt werden – was laut Müller und Just die Ortsgruppe personell an die Grenzen bringt: „Wir sind alle ehrenamtlich unterwegs.“ Dennoch gebe es derzeit keine andere Lösung, da rund zehn Kursabende nötig seien für eine erfolgreiche Schwimmausbildung.

Als besonders problematisch sieht Müller jedoch die Gesamtsituation auf lange Sicht: Pandemiebedingt gebe es einerseits bereits jetzt deutschlandweit rund eine Million Nichtschwimmer, Tendenz steigend. Auch fehle besonders den Kindern durch den Lockdown die Übung nach der Schwimmausbildung und die Sicherheit im Wasser. Zusätzlich dazu seien durch den Lockdown mehr Menschen auf Seen zum Schwimmen ausgewichen, ein für Müller, Just und Fischer deutlich gefährlicheres Umfeld, wie Zahlen des DLRG-Bundesverbandes belegen: Allein im Jahr 2020 sind 156 Menschen in Seen als ertrunken gemeldet worden. Im Vergleich dazu: In Schwimmbädern sind im selben Zeitraum sechs Menschen ertrunken.

Andererseits entstehen auch Nachwuchsprobleme bei der DLRG. Denn weniger Schwimmer bedeuten im Umkehrschluss auch weniger potenzielle Rettungsschwimmer – nur etwa zehn Prozent der ausgebildeten Jugendlichen würden im späteren Verlauf zu Einsatzkräften werden. Dementsprechend müsse man jetzt schon gegensteuern. „Rettungsschwimmer, die heute nicht ausgebildet werden, fehlen dann besonders in zehn Jahren“, merkt der Ausbildungsleiter an und legt konkrete Zahlen vor: Deutschlandweit verzeichnete die DLRG 70 Prozent weniger vorbereitende Schwimmprüfungen, 75 Prozent weniger abgenommene Schwimmabzeichen und rund zwei Drittel weniger Rettungsschwimmerausbildungen. „Wenn ich jetzt noch vier bis fünf Jahre nicht ausbilde, dann verringert sich diese Zahl immer weiter“, erklärt Müller.

Die alleinige Schuld wolle man der Stadt Rastatt nicht zuschieben, merken die drei Verantwortlichen an. Man habe Verständnis für die Situation, jedoch sei vieles schlichtweg schiefgelaufen oder verschlafen worden. So beispielsweise der Zeitpunkt für die Ausschreibung des Kombibads: Bereits vor zwei Jahren hätte man das angehen müssen, da bereits ausreichende Gutachten vorlagen, finden die DLRGler. Zusätzlich dazu fehle es immer noch an Perspektiven und Informationen für die nahe Zukunft. „Die Bevölkerung und insbesondere die Jugend profitieren massiv von einem Schwimmbad“, findet Müller. Dementsprechend müsse dringend eine Lösung her – bevor eine ganze Generation Rastatter Kinder als Nichtschwimmer heranwächst.


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