„Da blutet mir das Herz“

Baden-Baden (kie) – Nachdem die Landesregierung beschlossen hat, dass Grundschulen und Kitas nun doch geschlossen bleiben, sehen sich Schulen, Eltern und Kommunen vor Probleme gestellt.

Schulen und Kindergärten bleiben weiter zu. Darunter leiden laut Pädagogen besonders die Jüngsten. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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Schulen und Kindergärten bleiben weiter zu. Darunter leiden laut Pädagogen besonders die Jüngsten. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

„Die Maßnahmen sind verständlich, aber alles andere als erfreulich“, sagt Werner Schlindwein, Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule in Baden-Baden. Er hofft darauf, dass es bald ein individualisiertes Vorgehen geben wird, beispielsweise indem Kinder in kleineren Gruppen unterrichtet werden können, wie es bereits nach dem ersten Lockdown der Fall gewesen war. Vorstellbar und wünschenswert sei etwa ein sukzessiver Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht beginnend mit den Klassenstufen 1 und 2. „Es müsste eine Möglichkeit geben, jüngere Kinder stundenweise in Präsenz zu unterrichten“, sagt auch Alexander Ziola, Leiter der Vincenti-Grundschule. In den unteren Klassenstufen ließe sich der Unterrichtsausfall kaum aufholen. „Da blutet mir das Herz als Schulleiter“, so Ziola.

Kommunen sind vorbereitet

Wolfgang Held, Leiter des Rastatter Schulamts, das unter anderem für die Grundschulen im Land- und Stadtkreis zuständig ist, stellt die Entscheidung aus Stuttgart zwar nicht in Frage, sieht aber die Auswirkungen besonders für Grundschüler kritisch: Mit „ganz großer Mehrheit“ würden sie den Präsenzunterricht vorziehen, aus pädagogischen und entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten wäre eine zeitnahe Schulöffnung „sinnvoll und notwendig“.

Die anhaltenden Schließungen kommen indes für die Verwaltungen nicht überraschend: „Wir sind vollauf darauf vorbereitet, wir haben mit einer Verlängerung gerechnet“, sagt Klaus Dürk, Fachbereichsleiter Bildung, Kultur, Generationen bei der Stadt Bühl. Auch für Roland Kaiser, Baden-Badens Bürgermeister und Schuldezernent, kam die Entscheidung „nicht überraschend“.

Doch für die Eltern bedeutet sie eine logistische Herausforderung. Kinder in Kindertageseinrichtungen sowie Einrichtungen der Kindertagespflege und Schüler der Klassen 1 bis 7 können eine Notbetreuung aufsuchen, wenn die Eltern zwingend auf eine Betreuung angewiesen sind. „Mit jeder Woche wird für die Eltern die Betreuungssituation schwieriger“, sagt Held. Er beziffert den Anteil von Grundschülern in der Notbetreuung in Stadt- und Landkreis auf etwa sieben Prozent. Es sei gut möglich, dass nun mehr Anträge gestellt würden, aber der „grundsätzliche Trend wird sich nicht mehr ändern“, vermutet er. Die Schulleiter Schlindwein und Ziola erwarten hingegen eine steigende Nachfrage.

Doppelt so viele Kinder wie im Dezember

In Baden-Baden liegt der Anteil von Kindergartenkindern in der Notbetreuung laut Kaiser bei 24 Prozent; das seien doppelt so viele wie noch im Dezember. Auch bei den Schülern habe sich der Anteil seit Dezember verdoppelt. „Je länger es dauert, desto mehr werden die Zahlen nach oben gehen“ vermutet Kaiser. Im ersten Lockdown waren bis zu 70 Prozent der Kinder in der Notbetreuung. Bei dieser Größenordnung zweifelt Kaiser an der Möglichkeit, den Infektionsschutz sicherzustellen.

Im Vergleich zum ersten Lockdown sei der Antrag für Eltern laut Kaiser „niedrigschwellig“. Interessant sei die Frage, wann die Landespolitik hier nachsteuere. Bisher sei auch nicht festgelegt, wie hoch der Anteil von Kindern in der Notbetreuung sein darf. Generell hält er aber das bisherige Vorgehen für richtig, dass an die Eigenverantwortung der Eltern appelliert wird und diese derzeit ihren Betreuungsbedarf nicht explizit belegen müssen. Noch ließe sich die Notbetreuung „problemlos herstellen“. Dürk bestätigt das.


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