Dacia Sandero im BT-Test

Baden-Baden (fde) – Günstigster Neuwagen Deutschlands ist auch in dritter Generation der Dacia Sandero. Für ihr Geld bekommen Käufer viel geboten, wie der Test der BT-Motorredaktion zeigt.

Die neue Lichtsignatur verleiht dem Sandero ein modernes Gesicht. Foto: Dennis Schmidt

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Die neue Lichtsignatur verleiht dem Sandero ein modernes Gesicht. Foto: Dennis Schmidt

Es gilt als ungeschriebenes Gesetz: Der Golf ist quasi Monat für Monat Spitzenreiter bei den meistverkauften Neuwagen in Europa. Doch im Juli und August wurde der VW-Bestseller von Platz eins verdrängt. Thronräuber ist der Dacia Sandero – allein im August waren es laut dem Marktbeobachter Jato 14.961 Neuzulassungen des Verkaufskönigs. Dass das Modell so beliebt es, liegt sicher in erster Linie am erschwinglichen Preis. Die seit Anfang des Jahres verkaufte dritte Generation ist mit dem Einstieg bei 8.490 Euro nach wie vor der günstigste Neuwagen in Deutschland. Für ihr Geld bekommen Käufer dennoch viel geboten, wie der Test der BT-Motorredaktion zeigt.

Die knallig rote Lackierung kostet 500 Euro extra. Foto: Dennis Schmidt

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Die knallig rote Lackierung kostet 500 Euro extra. Foto: Dennis Schmidt

Rein äußerlich spricht nichts dafür, dass hier der preiswerteste unter den Kleinwagen auf dem Hof parkt – und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen. Der Sandero ist ein grundsolider, schicker Fünftürer, der sich vor der Konkurrenz nicht verstecken muss. Vor allem die neue Lichtsignatur verleiht dem Kleinwagen ein ausdrucksstarkes und zeitgemäßes Gesicht. Die knallig rote Lackierung des Testwagens kostet allerdings 500 Euro extra (Standardfarbe ist Weiß), 400 Euro beträgt der Aufpreis für die 16-Zoll-Leichtmetallräder (Basis 15 Zoll). In Details zeigt sich, dass die rumänische Renault-Tochter die Qualität im Vergleich zum Vorgänger auf ein neues Level gehoben hat: Die einfachen Tür-Klappgriffe beispielsweise wurden durch deutlich wertigere Bügelgriffe ersetzt.

Bedienelemente von Renault übernommen

Bereits zur Basisausstattung der dritten Generation zählen LED-Tagfahrlicht sowie LED-Abblendlicht inklusive Lichtautomatik oder ein aktiver Notfall-Bremsassistent. Insgesamt geht es in den Varianten Access und Essential aber doch noch recht spartanisch zu. Die höchste Ausstattungsstufe Comfort ist hier sicher die beste Wahl – zumal die Mehrkosten mit rund 1.500 Euro in einem humanen Rahmen bleiben. Die Comfort-Linie ist allein schon aus einem Grund ratsam: Eine Klimaanlage möchte wohl kaum jemand missen. Für 200 Euro Aufpreis gibt es ebenjene sogar mit Automatikfunktion. In Kombination mit dem 91-PS-Turbobenziner liegt der Einstiegspreis des BT-Testwagens bei 11.490 Euro. Dafür ist dann ab Werk schon allerhand Ausstattung an Bord, mit der nicht unbedingt zu rechnen ist: Tempopilot mir Geschwindigkeitsbegrenzer, beheizbare Außenspiegel, Acht-Zoll-Touchscreen, Regensensor, Einparkhilfe hinten, Nebelscheinwerfer – bei vielen Modellen kaum der Rede wert, mit Blick auf die Preiskategorie an dieser Stelle aber durchaus erwähnenswert.

Das Cockpit hat einen modernen Anstrich – obwohl überwiegend Hartplastik verbaut ist. Foto: Dennis Schmidt

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Das Cockpit hat einen modernen Anstrich – obwohl überwiegend Hartplastik verbaut ist. Foto: Dennis Schmidt

Wer befürchtet, die schicke Hülle sei nur Fassade, wird beim Blick in den Innenraum erstaunt sein. Natürlich kommt überwiegend Hartplastik zum Einsatz, aber Chromelemente und Stoffbezüge an den Türen und am Armaturenbrett werten die Atmosphäre auf. Alles ist fest verbaut, „billig“ wirkt hier jedenfalls nichts. Wichtig ist es an dieser Stelle, ausgehend vom Preis zu urteilen: Wer das macht, wird positiv überrascht sein.

Viele Elemente aus dem Interieur – etwa die Klimabedieneinheit, Lenkradtasten oder Licht- sowie Scheibenwischerhebel – sind exakt so bei Renault zu finden. Auch das spricht für das gesteigerte Ausstattungsniveau im Sandero.

Der bequem gepolsterte Fahrersitz ist höhenverstellbar und verfügt über eine Armlehne. Was vor allem Großgewachsenen zugutekommt, ist, dass das Lenkrad nicht nur höhen-, sondern auch tiefenverstellbar ist. Hinten ist das Raumangebot der Fahrzeugklasse entsprechend, die Kniefreiheit konnte laut Dacia sogar um vier Zentimeter erhöht werden im Vergleich zum Vorgänger.

Das leicht zum Fahrer gewandte acht Zoll große Media Display ist gut erreichbar und bietet eine ordentliche Auflösung. Die Menüführung ist selbsterklärend. Links neben dem Bildschirm gibt es eine Handy-Klemmhalterung inklusive USB-Anschluss. Via Apple Carplay und Android Auto lässt sich das Auto im Nu mit einem Smartphone verbinden, um sich beispielsweise von A nach B lotsen zu lassen. Optional gibt es für moderate 200 Euro Aufpreis auch ein integriertes Navi.

Rückfahrkamera und Toter-Winkel-Warner

Um die Lautstärke zu ändern oder den Radiosender zu wechseln, ist etwas versteckt hinter dem Lenkrad unterhalb des Scheibenwischerhebels noch ein entsprechendes Bedienelement.

Vor sich hat der Fahrer zwei analoge Rundinstrumente, dazwischen sitzt ein kleines TFT-Display, das neben Schaltempfehlungen auch Verbrauchswerte oder die verbleibende Reichweite anzeigt.

Ablageflächen sind in der Mittelkonsole, an den Türen sowie im riesigen Handschuhfach ausreichend vorhanden.

Der Kofferraum bietet ausreichend Platz, die Öffnung ist aber recht schmal. Foto: Dennis Schmidt

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Der Kofferraum bietet ausreichend Platz, die Öffnung ist aber recht schmal. Foto: Dennis Schmidt

Das Kofferraumvolumen ist mit 328 Litern angemessen. Das Be- und Entladen wird allerdings durch eine recht schmale Kofferraumöffnung beeinträchtigt, da die Hutablage nicht wirklich weit nach oben schwingt. Dass der Boden recht tief sitzt, macht die Angelegenheit nicht gerade einfacher – der Transport von Getränkekisten ist alles andere als komfortabel. Frei von Kratzern dürfte die Ladekante jedenfalls nicht lange bleiben. Die zweigeteilte Rückbank lässt sich über Schleifen an den äußeren Sitzen schnell umlegen, so steht rund das Dreifache an Volumen zur Verfügung.

Teil der Testwagenkonfiguration ist das Sicherheitspaket (700 Euro). Es umfasst Einparkhilfen vorne und hinten, eine Rückfahrkamera und einen Toter-Winkel-Warner. Trotz der guten Rundumsicht sind die Parkpiepser beim Rangieren nützliche Helfer. Auch die Rückfahrkamera erfüllt ihren Dienst, von der Auflösung darf man aber nicht zu viel erwarten. Der Toter-Winkel-Warner an den Außenspiegeln leuchtet gerade auf der Autobahn bei hohen Geschwindigkeiten nicht immer zeitig genug auf. Außerdem arbeitetet das System nur bis 140 km/h, was zusätzliche Risiken birgt. Dass ein solches Fahrassistenzsystem in dieser Preisklasse überhaupt an Bord ist, ist jedoch aller Ehren wert.

Und wie fährt sich der 91-PS-Benziner? Grundsätzlich angenehm und sofern gewollt auch durchaus flott. Der Fahrkomfort wird durch Straßenunebenheiten nur minimal gemindert. Auf der Autobahn wird es bei höheren Geschwindigkeiten aber schnell laut im Innenraum. Das Sechsgang-Getriebe lässt sich einwandfrei und geschmeidig schalten, die Lenkung ist leichtgängig. Optional gibt es auch ein stufenloses Automatikgetriebe.

An der Zapfsäule bietet auch der günstigste Neuwagen kein zusätzliches Sparpotenzial. Bei 6,8 Litern liegt der durchschnittliche Verbrauch im BT-Test. Der von Dacia beworbene Wert von fünf Litern wird lediglich auf der Sparrunde exakt erreicht.

Fazit

Selbstredend sind durch den Preis Grenzen gesetzt, trotzdem ist der Sandero ein moderner Kleinwagen mit aktueller Technik und schicken Design. Vor allem in der Testwagen-Konfiguration – 91-PS-Benziner, Comfort-Linie und mit einigen Extras – bietet der Sandero für letztlich 13.640 Euro ein richtig gutes Paket zu einem unschlagbaren Preis – das schätzen wohl auch die Kunden, wie die Verkaufszahlen bestätigen.

Dacia Sandero Comfort

Motor: 1,0-Liter-Reihendreizylinder-Turbobenziner

Leistung: 91 PS

Max. Drehmoment: 160 Nm

Getriebe: Sechsgang-Schaltung

0 - 100 km/h: 11,7 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 178 km/h

Verbrauch: 5,0 l / 100 km

CO2-Ausstoß: 110 g/km

Leergewicht: 1.147 kg

Maße (L/B/H): 4,09 m/1,76 m/1,49 m

Basispreis: 11.490 Euro

Ihr Autor

BT-Redakteur Dennis Schmidt

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Erstellt:
30. Oktober 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 13sec

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