Daimler: Mehr Elektro – weniger Mitarbeiter

Stuttgart (tom) – Die Nutzfahrzeugsparte von Daimler sieht sich für die Transformation zu emissionsfreien Antriebsformen gerüstet.

Ein schwerer Actros-Lkw. Die Serienproduktion des batterieelektrischen eActros soll 2021 in Wörth anlaufen – zusätzlich zur Fertigung von Lkw mit Verbrennungsmotor. Foto: Daimler

© Daimler AG

Ein schwerer Actros-Lkw. Die Serienproduktion des batterieelektrischen eActros soll 2021 in Wörth anlaufen – zusätzlich zur Fertigung von Lkw mit Verbrennungsmotor. Foto: Daimler

Demonstrativ verbreitete Martin Daum Optimismus. Die künftige Daimler Truck AG werde sich nach der Abspaltung von der Pkw-Sparte als starkes Unternehmen nicht nur auf dem europäischen Markt behaupten. Die Transformation zu emissionsfreien Antriebsformen werde allerdings Stellenabbau mit sich bringen. Dessen Umfang ist unklar.

So sprach der Vorsitzende der Truck-Sparte beim Jahrespressegespräch am Donnerstag davon, dass die Zukunft nicht vorhersagbar sei, aber durch die Transformation zum CO2-neutralen Transport 20 bis 50 Prozent der heutigen Stellen in der Aggregate-Produktion bis 2033 wegfallen könnten.

Damit würden in den Aggregatewerken Gaggenau, Mannheim und Kassel in den nächsten Jahren mehrere tausend Stellen gestrichen werden. In Kassel (Achsenproduktion) arbeiten derzeit rund 2.800 Menschen, im Motorenwerk Mannheim rund 5.100 und am Standort Gaggenau rund 6.300. Nach der noch für dieses Jahr geplanten Abspaltung der Daimler Truck AG werden es in Gaggenau 1.500 Beschäftigte im Pkw-Bereich der künftigen Mercedes-Benz AG sein sowie 4.800 im Truck-Bereich. Man werde den Belegschaftsabbau ohne Entlassungen schaffen, versicherte Daum.

Partnerschaften mit anderen Firmen

Die Herausforderungen für das Unternehmen und die anstehenden Investitionen in neue Technologien seien gewaltig. Die von der EU geforderte Reduktion des CO2-Ausstoßes von Fahrzeugen könne man nur zu einem Teil über Effizienzsteigerungen erreichen.

Noch in diesem Jahr soll im Werk Wörth der batterieelektrische eActros für den schweren Verteilerverkehr in Serie gehen. Er sei zuversichtlich, dass es bei den Batterien in den nächsten Jahren keine Lieferengpässe geben werde.

Bei der Pressekonferenz machte Daum deutlich, dass Partnerschaften mit Wettbewerbern sinnvoll seien – zum Beispiel mit Volvo. „Jeder könnte es eventuell alleine machen“, aber besser und effizienter sei es gemeinsam. Ziel ist die serienreife Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Brennstoffzellensystemen vor allem für schwere Lkw. Mit voller Kraft werde Daimler die Brennstoffzelle vorantreiben.

Die Unternehmen blieben aber in allen anderen Geschäftsfeldern Wettbewerber, zum Beispiel in Fahrzeugtechnologie oder der Fahrzeugintegration von Brennstoffzellen.

Eine weitere „strategische Partnerschaft“ betrifft Proterra, ein Elektrobus-Hersteller und Batterieproduzent für Nutzfahrzeuge in den USA.

Ab 2025 will Daimler in Mannheim keine mittelschweren Motoren mehr in Eigenregie produzieren. Der US-Hersteller Cummins soll auf dem Werksgelände die Aggregat-Fertigung für den Stuttgarter Konzern und die eigene Vermarktung aufbauen. Daimler seinerseits will sich auf die Weiterentwicklung von alternativen Antriebstechnologien sowie Komponenten für den schweren Nutzfahrzeug-Antriebsstrang konzentrieren.

Auf dem Feld des autonomen Fahrens will Daimler Trucks mit seinem Tochterunternehmen Torc Robotics die Straßenerprobung autonomer Lkw intensivieren. Ein zusätzliches Kontroll- und Testzentrum soll in New Mexico eröffnen. Für die Erprobung autonomer SAE-Level-4-Trucks setzt Torc auf Cloud-Lösungen von Amazon Web Services. Eine weitere Kooperation sind Daimler Trucks und Torc mit Luminar Technologies eingegangen, einem führenden Anbieter von Lidar-Hardware- und -Softwaretechnologie.

Auf dem Weg aus der Krise

Für die Daimler Truck AG war 2020 vor allem in den ersten beiden Quartalen geprägt von starkem Absatzrückgang in wichtigen Märkten. Für das Gesamtjahr bedeutete dies einen Rückgang in Nordamerika und in Europa von rund 30 Prozent. In April und Mai waren es mehr als 50 Prozent. Mit rund 378.500 ausgelieferten Lkw und Bussen lag der Absatz von Daimler Trucks & Buses 2020 rund ein Drittel unter dem Vorjahresniveau von rund 521.000. Somit verzeichnete man einen Umsatzrückgang auf rund 35 Milliarden Euro (2019 44 Milliarden): Die bereinigte Umsatzrendite lag mit zwei Prozent unter dem Vorjahreswert von sechs Prozent. Im vierten Quartal hatte Daimler Truck insgesamt rund 121.000 Einheiten abgesetzt – gegenüber 61.000 Einheiten im von der Pandemie am stärksten betroffenen zweiten Quartal. Bezogen aufs Gesamtjahr waren die Auftragseingänge fast wieder auf Vorjahresniveau. Mit einem Auftragseingang von rund 175.000 Einheiten war das vierte Quartal 2020 eines der stärksten in der Geschichte des Unternehmens. Bei der bereinigten Umsatzrendite strebt Daimler Trucks 2021 eine Steigerung auf sechs bis sieben Prozent an.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
25. Februar 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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