Daimler arbeitet wohl noch länger kurz

Rastatt/Kuppenheim (tas) – Der Stuttgarter Autobauer drosselt die Produktion im Rastatter Werk nun bis zum 7. Februar. Auch Volkswagen macht die Knappheit bei Halbleitern zu schaffen.

Produktion der A-Klasse Plug-in-Hybrid im Mercedes-Benz Werk Rastatt: Der Daimler-Standort plant Kurzarbeit bis in den Februar hinein. Foto: Daimler

© Daimler AG

Produktion der A-Klasse Plug-in-Hybrid im Mercedes-Benz Werk Rastatt: Der Daimler-Standort plant Kurzarbeit bis in den Februar hinein. Foto: Daimler

Der Autobauer Daimler stimmt seine Mitarbeiter im Rastatter Werk auf eine Kurzarbeit bis in die erste Februarwoche ein. Das geht aus einem Schreiben des Standortverantwortlichen Thomas Geier und des dortigen Betriebsratsvorsitzenden Murat Sür an die Belegschaft hervor.
Demnach soll zwischen dem 15. Januar und 7. Februar die Arbeitszeit der meisten Beschäftigten in dem Werk heruntergefahren werden. Am 8. Februar soll die Produktion mit der Frühschicht dann im üblichen Maß wieder aufgenommen werden. In einem anderen internen Dokument, über das das BT berichtet hatte, wurde noch von einem Herunterfahren der Produktion bis Ende Januar gesprochen. Auch das Presswerk in Kuppenheim ist von der Maßnahme betroffen.

Ursache für die Produktionsdrosselung in den ersten Wochen des Jahres ist ein Mangel an elektronischen Bauteilen. „Gegenwärtig besteht weltweit ein Lieferengpass an bestimmten Halbleiterkomponenten“, bestätigte Daimler-Sprecher Tobias Brandstetter gegenüber dem BT. Der Stuttgarter Autobauer passe seine „Fahrweisen“ entsprechend an. Dazu zähle auch die Beantragung von Kurzarbeit für das Rastatter Werk.

Laut der Mitteilung von Geier und Sür sind nicht nur die Mitarbeiter in der Produktion von der Maßnahme betroffen, sondern auch die in der Verwaltung. Nur einzelne Beschäftigte und Auszubildende seien von der Regelung ausgenommen.

Im Daimler-Werk in Rastatt werden unter anderem die Mercedes A- und B-Klasse gebaut, aber auch sogenannte Kompakt-SUVs wie GLA und GLB. Dort laufen die Modelle mit klassischem Verbrenner vom selben Band wie die Fahrzeuge mit Plug-in-Hybridantrieb. Insgesamt sind dem 1992 gegründeten Werk 6.500 Beschäftigte zugeordnet.

Die Probleme mit den fehlenden Halbleiterkomponenten betreffen nicht nur Daimler, sondern die gesamte Automobilindustrie und auch weitere Branchen, die auf Chips angewiesen sind – beispielsweise die Telekommunikations- oder Haushaltswarenindustrie. Sie haben ihre Bestellungen in der Corona-Krise auf hohem Niveau gehalten oder sogar noch aufgestockt, was für zusätzliche Knappheit im Markt sorgt.

Erst in sechs bis neun Monaten

Das macht die Situation für Automobilzulieferer wie Bosch und Continental und natürlich deren Abnehmer nicht einfacher. Auf BT-Anfrage sagte dazu eine Sprecherin von Continental: „Die Coronavirus-Krise und die damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen haben im Jahr 2020 zu einer extremen Marktvolatilität in der Automobilindustrie geführt. Nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 und dem daraus resultierenden plötzlichen Nachfragerückgang erhöhten die Automobilhersteller in allen Regionen ihre Produktionsmengen viel schneller als von Marktexperten erwartet. Diese Entwicklung führte zu Engpässen in der Lieferkette. Davon besonders betroffen sind Halbleiter.“ Obwohl Halbleiterhersteller bereits reagiert hätten, würden die benötigten, zusätzlichen Volumen aufgrund der Vorlaufzeiten erst in sechs bis neun Monaten zur Verfügung stehen.

Für eine Verknappung auf dem Chipmarkt sorgt beispielsweise auch ein zerstörerischer Brand in einer Halbleiterfabrik des japanischen Konzerns Asahi Kasei Microsystems (AKM) im Oktober 2020. Das Unternehmen stellt unter anderen Audiochips für die Infotainment-Systeme im Auto und für Kopfhörer oder HiFi-Anlagen her. Aber auch in vielen anderen Bereichen werden Chips im Fahrzeug benötigt. Ohne die elektronischen Bauteile für die Motorsteuerung, zahlreiche Sensoren und Assistenzsysteme geht heute in einem modernen Fahrzeug so gut wie nichts mehr.

Laut der Conti-Sprecherin wird der Engpass in der Halbleiterindustrie in diesem Jahr andauern „und Lieferengpässe in der Continental Produktion verursachen. Trotz aller Anstrengungen konnten wir (...) nicht vermeiden, unsere Kunden zu bitten ihre Produktion oder ihren Produktmix anzupassen.“ Auch Bosch hatte gegenüber dem BT Lieferengpässe bei Chips, die das Unternehmen in seine Elektronikkomponenten verbaut, eingeräumt.

Bereits Mitte Dezember hatte der VW-Konzern über die Knappheit bei Halbleitern berichtet und ebenso wie Daimler seine Fertigung anpassen müssen. Betroffen seien nicht nur die Autos der Kernmarke Volkswagen, sondern auch die von Skoda, Seat und in begrenzten Umfang auch Audi.

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Erstellt:
13. Januar 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
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