Daimler stellt neuen eActros vor

Wörth/Gaggenau/Stuttgart (tas) – Der Übergang zur E-Mobilität bei Lkw soll möglichst sanft verlaufen. Das ist das Ziel von Daimler. Deswegen fährt der Konzern noch mit angezogener Handbremse.

Der Mercedes-Benz eActros läuft ab Oktober im Wörther Werk vom Band: Die Produktion soll langsam anlaufen.Foto: Daimler

© Daimler AG

Der Mercedes-Benz eActros läuft ab Oktober im Wörther Werk vom Band: Die Produktion soll langsam anlaufen.Foto: Daimler

Er ist ungefähr dreimal so teuer wie ein konventioneller Lkw, und trotzdem setzt der Daimler-Konzern große Hoffnungen darauf, dass der neue elektrisch angetriebene eActros gut bei den Kunden ankommen wird. Die Produktion im Nutzfahrzeugwerk Wörth soll ab dem 1. Oktober behutsam hochgefahren werden, sagt Andreas von Wallfeld, der Vertriebsleiter von Mercedes-Benz Lkw.
Gestern stellte er zusammen mit Karin Rådström, Vorständin der Daimler Truck AG, das neue „Baby“ des Stuttgarter Autobauers vor. 400 Kilometer Reichweite sollen möglich sein, der E-Lkw wird als Zwei- und als Dreiachser mit 19 beziehungsweise 27 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht vom Band laufen.

Den Machern des neuen Nutzfahrzeugs ist durchaus bewusst, dass das Produkt erklärungsbedürftig ist. Denn um die 400 Kilometer Reichweite in der Praxis auch tatsächlich zu erreichen, müssen nicht nur die Fahrer geschult werden. Das Fahrzeug muss sich für den gewerblichen Kunden am Ende natürlich auch rechnen. Deswegen steht den potenziellen Abnehmern aus der Logistikbranche zum Serienstart auch ein sogenanntes eConsulting-Team mit 30 Experten zur Seite. Sie sollen den Abnehmern dabei helfen, die Nutzung des Elektro-Lkw so wirtschaftlich wie möglich zu gestalten.

Dabei geht es nicht nur darum, den Spediteur beim Thema Infrastruktur und öffentlichen Fördermitteln zu beraten und ihm ein Lade-Angebot zusammen mit Kooperationspartnern zu machen, sondern auch um die Erstellung eines möglichst realistischen Nutzungsprofils für den Laster oder die sinnvolle Integration in den gesamten Fuhrpark. „Der Übergang vom Diesel zum E-Lkw soll so reibungslos wie möglich ablaufen“, sagt von Wallfeld.

Daimler hat sich auf die Fahnen geschrieben, die angebotene Fahrzeugpalette bis spätestens 2039 CO2-neutral zu gestalten. Ab 2027 will der Stuttgarter Konzern dazu auch Lkw mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb verkaufen. Dass mit dem marktreifen batterieelektrischen E-Lkw nun eine Konkurrenz im eigenen Haus entstehen könnte, sieht Rådström aber nicht. „Beide werden sich ergänzen“, sagt sie.

Intensive Vorbereitungen


Auch das Thema Oberleitungen für Lkw – wie sie derzeit auf der B462 zwischen Kuppenheim und Gernsbach-Obertsrot getestet werden – spielt für Daimler keine Rolle. Der eActros sei als unabhängiges Fahrzeug konzipiert und solle es auch bleiben, wie der Leiter der Produktentwicklung bei Daimler Trucks, Uwe Baake, sagt. „Wir sind flexibler damit. Der Trucker kann dorthin, wo er will.“ Baake ist überzeugt davon, dass elektrische Oberleitungen für Nutzfahrzeuge in Europa einen Engpassfaktor darstellen und die Infrastruktur erst noch aufgebaut werden müsse. Mit dem eActros sei man aber schon jetzt am Markt.

Auf der eWayBW-Pilotstrecke im Murgtal beispielsweise sollen in den kommenden drei Jahren Oberleitungs-Hybrid-Lkw getestet werden. Auf der etwa 18 Kilometer langen Route können die von Scania bereitgestellten Fahrzeuge auf aktuell vier Kilometern Strom tanken und die Batterie aufladen. Parallel dazu nehmen Daimler mit seinem eActros und Iveco mit einem Brennstoffzellen-Lkw am Feldversuch teil, um Vergleichswerte zu liefern.

Herzstück der eActros-Serienfertigung ist das Werk in Wörth. Für die neuen Produktionsprozesse seien dort in den letzten Monaten intensive Vorbereitungen getroffen worden. Hierzu gehörte unter anderem das Errichten einer neuen Montagelinie. Vom Standort Gaggenau kommen Komponenten für die e-Achse, aus Mannheim stammen die Batteriepakete. Schritt für Schritt und mit gedrosseltem Tempo sollen die Stückzahlen der E-Lkw in den kommenden Monaten hochgefahren werden, auch um keine Qualitätsprobleme mit dem neuen Produkt zu bekommen.

Auch der Vertrieb läuft erst einmal mit angezogener Handbremse. Zum Marktstart wird der eActros in nur zwölf europäischen Ländern verfügbar sein. Viel vom Wachstum des E-Lkw-Marktes hänge auch von der Entwicklung der Preise von Diesel und Strom in den unterschiedlichen Ländern ab, sagt Vertriebschef von Wallfeld. Seinen Aussagen zufolge liege der elektrische Daimler-Laster bei den Gesamtkosten (Anschaffung, Treibstoff, Wartung und Verschleiß) in einigen Märkten bereits beinahe gleichauf mit konventionellen Fahrzeugen, beispielsweise in Deutschland.


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