Daniela Fromme aus Bühl unterwegs auf dem Jakobsweg

Bühl (urs) – DieTanzlehrerin Daniela Fromme hat sich dieses Jahr auf den Jakobsweg gemacht. Der „Camino“ war für sie ein eindrückliches Erlebnis, das ihr Leben veränderte.

Über den Jakobsweg zu sich selbst laufen: So empfand Tanzlehrerin Daniela Fromme ihre Pilgerreise. Foto: Daniela Fromme

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Über den Jakobsweg zu sich selbst laufen: So empfand Tanzlehrerin Daniela Fromme ihre Pilgerreise. Foto: Daniela Fromme

Viele Pilger nennen ihn einfach nur liebevoll den „Camino“. Dabei ist der Jakobsweg viel mehr als nur ein Wanderpfad mit dem Ziel Santiago de Compostela und dem Besuch der Grabstätte des Heiligen Jakobs. Heute ist das Erlebnis der Weg selbst und die Suche nach Antworten. Auch die Tanzlehrerin Daniela Fromme hat sich in diesem Jahr auf den Weg gemacht – auf ihren Camino. Für sie war es ein so eindrückliches Erlebnis, das es ihr Leben veränderte.

„Den Jakobsweg zu laufen, war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt die Bühlerin ernst. In 42 Tagen pilgerte sie auf dem „Camino del Norte“ ganze 940 Kilometer, der von Irun an der Grenze zu Frankreich nach Santiago führt. Dabei war gelebte Spiritualität der Bühlerin bisher fremd. „Ich folgte einem Weg, den meines Wissens in der Regel nur Gläubige gehen und traf mehr Seelenpartner als in meinem 53-jährigen Leben zuvor. Dabei bin ich auf einen Menschen gestoßen, der mein Leben plötzlich in einem völlig neuen Licht erscheinen ließ: nämlich auf mich selbst.“ Auch heute noch ist sie von der nachhaltigen Inspiration und Lebensfreude, die ihre (Pilger)Reise mit sich brachte, positiv überrascht. „In dieser hektischen und von Erfolg angetriebenen Welt habe ich, wie viele andere auch, verlernt auf mein Innerstes zu hören“, gibt sie offen zu. Jetzt hat Daniela Fromme ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle in einem Buch zusammengefasst: „Wir sind nicht immer auf unserem Weg.“

„Es kam der Punkt, das musste eine Veränderung her.“

Der Titel spricht für sich. Wie er erahnen lässt, hat das Leben für Daniela Fromme auch nicht nur Sonnenseiten bereitgehalten: der Leistungsdruck als Tanzlehrerin mit eigener Tanzschule, Kindererziehung sowie auch Corona haben Spuren hinterlassen. Wir treffen die Tanzlehrerin in ihrer gemütlichen Wohnung zum Gespräch. Um es hier schon mal vorwegzunehmen, wird es eine sehr offene und auch emotionale Unterhaltung werden. „Es kam der Punkt, das musste eine Veränderung her. Ich war erschöpft und der Alltag erdrückte mich geradezu. Keiner in meinem Umfeld, am wenigsten ich selbst, hätte jemals vermutet, dass mein Leben zu einer Illusion und mein Traumjob zu einer Belastung werden würde. Auf das Drängen meiner Hausärztin hin, nahm ich schließlich sogar therapeutische Hilfe an, in der Hoffnung, wieder meine gewohnte Stabilität zu finden.“ Der Jakobsweg brachte die gewünschte Veränderung. „Je länger ich unterwegs war, desto freier wurde ich und habe mich mit jedem Tag und jedem Schritt und jeder Begegnung ein Stück weit mehr meine innere Freiheit zurückbekommen.“

Zur Visualisierung hat sich die Tanzlehrerin ihre Pilgerreise an die Wand gehängt: Dazu gehört eine Landkarte des Jakobsweges und die unzähligen abgestempelten Seiten ihres Pilgerpasses – alles liebevoll arrangiert. Eine Frage drängt sich auf: Was genau war an dieser Reise so bedeutend? „Ich hab in mir mir mein Zuhause gefunden“, sagt Daniela Fromme gedankenvoll. Eine Tatsache, die viele andere Menschen wohl so oder ähnlich empfinden müssen. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich jedes Jahr unzählige Menschen (im Jahr 2020 waren es 50.000 Pilger) auf eine so beschwerliche Wanderung begeben, im Rucksack nur das Nötigste, um ihre eigenen Komfortzone für mehrere Wochen zu verlassen. Auch körperlich verlangt der Jakobsweg den Pilgern einiges ab. Das musste sogar die durchtrainierte Daniela Fromme erfahren. „Einmal landete ich mit fürchterlichen Schmerzen im Bein im Krankenhaus. Der Arzt gab mir den Rat, die Pilgerreise abzubrechen.“

„Der Jakobsweg ist kein Urlaub“

Auch menschliche Begegnungen, die entlang des Weges entstanden, bereichern jetzt ihr Leben. „Wenn du mehrere Tage mit einem Menschen auf dem Jakobsweg unterwegs bis, lernst du diese Person oftmals viel authentischer und ehrlicher kennen, als es bei einem Dutzend Treffen zuhause im Café der Fall ist“, fasst Daniela Fromme zusammen. „Ich durfte echte Seelenpartnerinnen kennenlernen“, sagt sie dankbar. Schließlich das Ziel: die Kathedrale in Santiago de Compostela gegenüber dem Portal der Herrlichkeit. Statt sich zu freuen, brach Fromme allerdings in Tränen aus. „Ich wollte einfach nicht ankommen. Meine Reise sollte noch nicht zu Ende sein“, erinnert sie sich. Daher schloss sich noch eine Reise zum Kap Finisterre. an. „Für viele Jakobspilger gilt das Kap als das eigentliche Ende des Jakobsweges. Übersetzt bedeutet Finisterre beziehungsweise Fisterra „Ende der Erde“.

Und heute? Was ist geblieben? Ist der Urlaub zu Ende? Da schmunzelt Daniela Fromme nur. „ Der Jakobsweg ist kein Urlaub, sondern eine Reise zu sich selbst. Jetzt geht es erst richtig los. Nach meiner Heimkehr sprachen und schrieben mich Menschen an, ich sollte doch meine Erfahrungen in einem Buch veröffentlichen, denn ich hatte jeden Tag zwei bis drei Stunden lang einen Blog im Internet veröffentlicht. Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen.“

Doch letztlich sind es wohl nicht die Buchstaben, die eine regelrechte Transformation in Gang gesetzt haben. „Der Camino begleitet mich bis heute weiter“, sagt Fromme ernst. „Manch einer sagt sogar: Der eigentliche Weg, die eigentliche Reise beginnt erst, wenn Du wieder zurück bist, und anfängst das Erlebte in dein tägliches Leben zu integrieren. Das versuche ich nun jeden Tag aufs Neue.“ Das Buch ist erhältlich unter: danielafromme.de/buch.


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