Dank Fischinger bleibt Sand Bundesligist

Sand (mi) – Was für eine Bilanz: Vier Spiele, zehn Punkte: Dank Interimstrainer Alexander Fischinger hat Frauen-Bundesligist SC Sand den Klassenerhalt doch noch geschafft.

Alexander Fischinger hat in kurzer Zeit eine verschworene Einheit geformt. Foto: Heiko Borscheid

Alexander Fischinger hat in kurzer Zeit eine verschworene Einheit geformt. Foto: Heiko Borscheid

Seine Stimme klang am Montagmorgen um 10 Uhr nach Verschleiß. Und Alexander Fischinger machte auch gar kein Geheimnis daraus, was der naheliegende Grund dafür war. „Wir haben richtig gefeiert. Deshalb ist meine Stimme noch etwas angeschlagen. Ich habe mich sogar heimlich verabschiedet, bevor die große Welle kam.“ Der Trainer des SC Sand ließ nach dem sonntäglichen Bundesliga-Klassenerhalt keinen Zweifel daran, dass nicht wenige seiner Fußball-Ladies wahre Feierbiester sind.
„Einige sind wohl jetzt noch unterwegs“, fügte er hinzu. Also rund 18 Stunden nach dem Abpfiff der letzten Saisonpartie, die gegen Bayer Leverkusen 1:0 gewonnen wurde. Sie haben also gleich doppelt Standvermögen demonstriert. Wobei es im Bundesliga-Finale nicht halb so dramatisch und nervenaufreibend zuging wie bei den Herren der Schöpfung beim Saisonabschluss.

Denn zur Pause war die Rettung bereits klar, da der Konkurrent SV Meppen beim SC Freiburg beim Stand von 0:4 mausetot war. Es hätte also gar nicht mehr des eigenen Heimsiegs dank des einzigen Treffers von Dörthe Hoppius (40.) bedurft, um sich schon frühzeitig auf die große Sause einzurichten. Fischinger forderte aber Konzentration und Leidenschaft bis zum Happy End: „Ich bin in der Pause sogar lauter geworden. Ich sagte den Mädels: ,Wir lassen uns jetzt nicht hängen, ich wollte unbedingt, dass wir den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen und nicht auf die Freiburger Hilfe angewiesen sind.‘“

„Die Lichter wären ausgegangen“

Hinter dem Interimscoach liegen vier kurze, aber extrem intensive Wochen, in denen er sich zum zweiten Mal zum Retter des Sander Frauenfußballs aufschwang. „Bei einem Abstieg wären die Lichter hier ausgegangen“, beschreibt der Schwarzwälder drastisch, was am letzten Spieltag auf dem Spiel stand. Dass „ein Stück Geschichte“ geschrieben wurde, lag primär im Wirken des Erfolgstrainers begründet, der darauf hinwies, dass „wir in den letzten vier Spielen die 18 zuvor vergessen machten“.

In den vier Punktspielen seit seiner Amtsübernahme blieb man ungeschlagen, es wurden nicht weniger als zehn Punkte eingefahren und nur ein einziges Gegentor beim 6:1-Kantersieg gegen Werder Bremen kassiert. „Ich muss vor den Spielerinnen den Hut ziehen, dass sie dem mentalen Druck standhielten. Man spricht oft und gerne von einem verschworenen Haufen. Wenn der Zusammenhalt nicht spürbar ist, sind das aber nur Floskeln. Hier war er für mich zu spüren“, verwies der 57-jährige Fischinger auf den ausgeprägten Teamgeist in der Multi-Kulti-Schicksalsgemeinschaft.

Die „Einer für alle, alle für einen“-Einstellung wurde nochmals auf eine harte Probe gestellt, als sich die zuletzt überragende Amerikanerin Patricia George in der vergangenen Woche im Training einen Wadenbeinbruch zuzog. „Das war ein brutaler Schlag, alle waren betrübt. Alle sagten: ,Jetzt müssen wir auch für sie kämpfen und jede läuft fünf Kilometer mehr.‘“

Patricia George operiert

Alex Fischinger wird, nachdem die ausländischen Spielerinnen sich nun in heimische Gefilde aufmachten, sich persönlich um George, die am Montag operiert wurde, kümmern. „Für Patricia ist das jetzt schlimm, da alle anderen, auch in ihrer WG, schon weg sind. Ihre Mutter wird aber bald auf Besuch kommen.“ Gerade die US-Mittelfeldspielerin, die unter Vorgängerin Nora Häuptle nur ein einziges Tor erzielt hatte und selbst nicht zufrieden war mit ihren Leistungen, „explodierte“ förmlich unter dem Trainer-Rückkehrer. „Sie hat unglaubliches Potenzial.“ Und sie wird wohl beim SC Sand bleiben.

Das gilt für den Erfolgstrainer wohl eher nicht. „Ich hatte noch nie einen Vertrag, bei mir zählt das mündliche Wort. Diese Woche werden wir Gespräche führen, wir müssen gemeinsam nach Lösungen suchen.“ Das Problem für den Frauen-Bundesligisten ist Fischingers Versprechen für seinen Männer-Heimatverein, der in der Landesliga in Schonach kickt. „Ich gab meinem guten Freund, der Vorstand ist, ein Versprechen.“ Zudem betreibt er mit einem Partner eine Fußballschule in der Heimat.

Abschied nehmen tut weh. Im Falle des wahrscheinlichen Abgangs werden seine Löwinnen nach den Freudentränen am Sonntag garantiert wieder einige Tränen vergießen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Michael Ihringer

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Erstellt:
9. Juni 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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