Dank Hygienelotse ohne Umwege zum Sitzplatz

Ötigheim (manu) – Ein ausgefeiltes Konzept begleitet am Samstag die Premiere der Volksschauspiele unter Pandemie-Bedingungen. Nur wenig muss nachjustiert werden.

Halbleere Ränge sind auf der Freilichtbühne Ötigheim ein ungewohntes Bild. Die ausgehungerten Fans tragen die auferlegten Maßnahmen aber gerne mit. Foto: Manuela Behrendt

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Halbleere Ränge sind auf der Freilichtbühne Ötigheim ein ungewohntes Bild. Die ausgehungerten Fans tragen die auferlegten Maßnahmen aber gerne mit. Foto: Manuela Behrendt

„Das ist wie ein Sechser im Lotto“, skizziert Lissi Tüg-Hatz, Darstellerin der Madame de la Rocco, am Samstag vor der Premiere der Komödie „Das Haus in Montevideo“ die kulturelle Wiedergeburt und das neue Lebensgefühl der Volksschauspiele Ötigheim. Mit dem peniblen administrativen und organisatorischen Aufwand, den die „Tellplätzler“ für den Slogan „Theater. Sicher. Erleben“ auf sich nehmen, schreibt die Durchführbarkeit der Corona-Spielzeit 2021 Geschichte. Tüg-Hatz ist seit 56 Jahren im Theaterverein aktiv, gibt sich „aus meinem tiefsten Innern heraus der uns aufgetragenen Mission hin, unseren Besuchern schöne Stunden der Leichtigkeit zu bieten“. Für die Zuschauerwellness präsentieren sich Freilichtfoyer und Auditorium wie vor der Pandemie in einer offenen, einladenden Atmosphäre. Es gibt keine Absperrbänder, keine Bauzaunbarrieren. Optisch vermitteln die Volksschauspiele Vertrautheit und ein warmes Willkommensgefühl. Dazu gehören ebenso die Hütten und Bistrotische für den Check-in auf dem Parkplatz. Lediglich die Eingangsschleusen vor den Tellplatzportalen haben noch den Charakter eines Science-Fiction-Films. Unaufdringlich stehen im Foyer in hellblauen Westen Hygienelotsen bereit, um die ankommenden Gäste bei Bedarf zu erinnern, direkt zu den gebuchten Plätzen im Zuschauerraum zu gehen. Nachfragestichproben bei den kulturell ausgehungerten Tellplatzfans ergeben, dass man die auferlegten Maßnahmen gern mitträgt, um wieder in den Genuss von Live-Veranstaltungen zu kommen.

Bewirtungsteams kommen an den Sitzplatz

Derweil nehmen die Bewirtungsteams ihre Arbeit auf. Mit Trolleys und Bäckerkisten transportiert das Ötigheimer Mandolinen- und Gitarrenorchester Flaschengetränke und einzeln verpackte belegte Brötchen zu den Zuschauern an deren Plätze. „Voller Elan“ ist das Café der Pfarrgemeinde St. Michael am Start. Kaffee zum Mitnehmen, Blaubeer- und Schokomuffins hat man dort im Servierangebot. Probleme gibt es gegen 14 Uhr, als die Vorstellung beginnen soll, mit dem Publikumsrückstau vor dem „Kassenbuckel“. Im Wissen, dass Geselligkeit im Foyer tabu ist, kommen viele Gäste erst kurz vor knapp auf dem Tellplatz an. „Es fehlt uns jetzt die personelle Kapazität, um diesen unerwartet geballten Andrang beim Check-in zu stemmen. Wir justieren bis morgen nach“, sagt Michael Lerner, technischer Leiter der Volksschauspiele. Die auf den Plätzen wartenden Besucher werden derweil mit Gitarrenmusik unterhalten. An Unterstützern mangelt es dem Theaterverein nicht. Wer nicht auf der Bühne steht, ist als helfende Hand abrufbar. Rund 300 Besucher sind am Samstag bei der Theater-Renaissance dabei. Die Ticketbuchung hatte man gemäß der Corona-Verordnung bei Erreichen von 250 Zuschauern gesperrt. Als kurzfristig der Modellprojektzuschlag für 875 Besucher kam, war absehbar, dass man diesen Spielraum zum Neustartwochenende auf die Schnelle nicht würde ausfüllen können. Im Backstage-Bereich herrscht neben verhaltenem Lampenfieber aufgekratzte Vorfreude, die vorher derart ausgeprägt nie spürbar war. Endlich vor Publikum stehen! In aktuellen Zeiten ein unwiederbringliches Glücksgefühl. Regisseur und Hauptdarsteller Matthias Götz ist „einfach nur froh, dass es jetzt raus darf“. „Es“ ist seine Inszenierung, auf die er mit seinen Teams monatelang unter pandemiekonformen Auflagen hinarbeitete. Jetzt wartet die Ernte der Früchte aller Mühen.

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Erstellt:
14. Juni 2021, 06:30 Uhr
Lesedauer:
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