„Dann kommen wir eben zu Ihnen“

Gernsbach (vgk) – Der Nahkauf von Claudia Klumpp hat die Kundschaft bei Bedarf schon vor Corona beliefert: Entgegengebrachte Wertschätzung gibt es als Belohnung.

Freuen sich über die entgegengebrachte Wertschätzung ihrer Kundschaft: Nahkauf-Mitarbeiterin Heike Merkel (links) und Marktleiterin Claudia Klumpp. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Freuen sich über die entgegengebrachte Wertschätzung ihrer Kundschaft: Nahkauf-Mitarbeiterin Heike Merkel (links) und Marktleiterin Claudia Klumpp. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Wer erinnert sich in Gernsbach noch an Kaisers-Tengelmann in der Gottlieb-Klumpp-Straße neben dem Stadthotel Gernsbach? Wahrscheinlich nur noch wenige der Nahkauf-Kunden von Claudia Klumpp. Im Mai werden 40 Jahre des Wirkens an dieser Stelle hinter ihr liegen. Und noch immer bringt sie ihrer Arbeit die dafür notwendige Leidenschaft entgegen, was ihre Stammkunden auf vielfältige Weise zu honorieren wissen.

Am Anfang stand für Klumpp, wie für jeden in diesem Bereich tätigen, die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und die für eine Leitungsfunktion in dieser Branche benötigten Zusatzqualifikationen – unter anderem in Arzneimittelkunde oder der Ausbildung von Nachwuchskräften. Hinzu kamen Anbieterwechsel, die Umorientierungen herausforderten. Aus Tengelmann wurde bald darauf Edeka. Nur ein Jahr war den Mitarbeitern unter der Regie dieser Supermarktkette vergönnt. Der Grund dafür war ein von der Kette geplantes Einkaufszentrum auf dem Pfleiderer-Areal. Im Anschluss daran übernahm die Rewe-Gruppe im Juni 2005 den Markt.

Das ist schon lange her, resümiert Klumpp im BT-Gespräch und stellt fest: „Meine Kunden sind mit dem Markt alt geworden.“ Die Sorge derjenigen, im Alter nicht mehr bei ihr einkaufen zu können, zerstreut sie mit der Antwort: „Dann kommen wir eben zu Ihnen.“ So ist beim Nahkauf in der Innenstadt der Lieferservice geboren worden. Seitdem hat die Aussage bestand, auch jetzt noch in Corona-Zeiten. Den Kunden – alte, kranke oder auch junge –, die den Lieferservice in Anspruch nehmen, ist dieser zumeist mehr als die bloße Lieferung von Lebensmitteln. Das kleine Schwätzchen mit dem jeweiligen Lieferanten über die täglichen Höhen und Tiefen oder die Erörterung eines anstehenden Umzugs in eine barrierefreie Wohnung sind ebenso wichtig. Die Mitarbeiter sowie ihre Chefin haben immer ein offenes Ohr für ihre Auftraggeber.

Anfänglich kamen nur wenige Kunden in den Genuss des Services. Doch der Aufschwung auf diesem Gebiet ließ nicht lange auf sich warten. Mundpropaganda sorgte schnell für die Verbreitung. Auch aus Langenbrand flattern regelmäßig Aufträge ins Haus, erzählt Klumpp zufrieden: „Anrufen, Einkaufsliste durchgeben, die Lieferung erfolgt prompt. Unsere Lieferkapazitäten sind derzeit jedoch ausgeschöpft“, bedauert die Geschäftsführerin im BT-Gespräch. Nicht unschuldig daran ist das Covid-19-Virus. Denn neben den Stammkunden des Markts, die nicht mehr selbst einkaufen können, gehören nunmehr auch jene Personenkreise dazu, die sich in Quarantäne befinden.

Lieferservice: Team nonstop im Einsatz

In diesem Fall erfolgt die Zustellung kontaktlos, das Geld wird im Anschluss überwiesen, erläutert die Marktleiterin. Der Aufwand für das Personal des Markts und ihre Leiterin sei erheblich. Einzelne Mitarbeiter seien aktuell nahezu nonstop damit beschäftigt, die Aufträge schnellstmöglich abzuarbeiten. Eine Entschädigung für diesen Stress ist die von den Belieferten entgegengebrachte Wertschätzung – und sei es nur in Form eines Anwohnerparkplatzes, der dem Lieferdienst kurzzeitig zur Verfügung gestellt wird. „Das Schönste sind jedoch die lieben Briefe, die wir bekommen“, fügt Claudia Klumpp lächelnd hinzu.

Außerdem wünscht sie sich, irgendwann, wenn sich alles beruhigt hat und die Restaurants wieder geöffnet haben, mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemütlich Essen gehen zu können.


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