Das Abfischen „hat man leider versäumt“

Gernsbach (stj) – Eine Mauersicherungsmaßnahme am Milbigbach sorgt in Reichental für Unverständnis, auch Fischpächter kritisieren das Vorgehen.

Die eingebrachten Granitsteine zum Schutz einer privaten Mauer prägen das Bild des Milbigbachs in Reichental. Foto: Sportfischerverein Petri Heil

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Die eingebrachten Granitsteine zum Schutz einer privaten Mauer prägen das Bild des Milbigbachs in Reichental. Foto: Sportfischerverein Petri Heil

Eine Maßnahme im Milbigbach sorgt in Teilen Reichentals für Unmut. Im Auftrag der Stadt Gernsbach sind dort im Oktober vergangenen Jahres auf circa 50 Meter Länge tonnenweise Granitsteine eingebracht worden, um eine private Mauer im Alten Postweg zu sichern. Schon nach dem ersten kleineren Hochwasser-Ereignis ist ein Großteil des eingebrachten Materials jedoch abgeschwemmt worden und liegt nun unter dem Straßengewölbe der Kaltenbronner Straße und im Keltergumpen – wo es wieder rausgeholt werden muss.

„Jetzt hat man die Kosten zweimal“, wundert sich Martin Sprenger vom Gernsbacher Sportfischerverein Petri Heil. Er gehört zur Fischpachtgemeinschaft am Reichenbach und verfolgt mit seiner ehrenamtlichen Arbeit das Projekt, die heimische Bachforelle zu erhalten. Dieses hehre Ziel zu erreichen, sei durch die Maßnahme der Stadt erschwert worden, meint Sprenger und erinnert an den Bau der Fischtreppe unterhalb der Kelter im Jahr 2006. Die sorge seither dafür, dass die Fische zu ihrem Laichgewässer im Milbigbach kommen – und den habe man jetzt zugeschüttet, sodass für die Fische der Weg vom Keltergumpen zum Laichen versperrt werde. Zudem verweist der Angler darauf, dass sich „jeder, der damals für die Fischtreppe gespendet hat, jetzt veräppelt vorkommt“.

Ökosystem Fließgewässer funktioniert dank Fischtreppe bestens

Das Ökosystem Fließgewässer habe in Reichental dank der Fischtreppe bestens funktioniert, betont Sprenger im Blick auf die circa 200 Fische – vom kleinen Setzling bis hin zur laichfähigen Forelle –, die sich in dem Bereich getummelt hätten, bis der Bagger kam. „Eigentlich hätte man vorher abfischen müssen“, erklärt der Experte und verweist auf die Murg, wo dies bei ähnlichen Maßnahmen regelmäßig gemacht werde. In Reichental aber sei man während der Laichzeit einfach zur Tat geschritten und habe mit den Granitsteinen den Bach und damit Lebensräume verfüllt.

Die Stadt Gernsbach betont hingegen auf BT-Anfrage, die Vorgehensweise sei mit der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union und den Vorgaben zum Gewässerschutz vereinbar: „Da Granitsteine verwendet wurden, sind negative Auswirkungen auf die Gewässerökologie ausgeschlossen. Somit ist eine solche Maßnahme grundsätzlich zulässig. Die Granitsteine wurden aus einem nahe gelegenen Steinbruch angeliefert. Das Material ist typisch für den Ortsteil Reichental.“ Gleichwohl räumt die Stadt das Versäumnis ein, den Milbigbach vor der Einbringung des Materials abgefischt zu haben. Allerdings: „Da die Steine mit dem Bagger eingebracht wurden und nicht als komplette Lkw-Ladung in den Bach geschüttet wurden, hatten die Forellen ausreichend Zeit zu flüchten.“

Durch das kleinere Hochwasser jüngst sei eine – für den Fischaufstieg voll funktionsfähige – raue Rampe entstanden, erläutert die Stadtverwaltung weiter und versichert: „Die Mauer ist aber weiterhin geschützt. Überschüssiges Material wurde weggespült. Dies wird nach Abstimmung mit dem Landratsamt und den Fischpächtern im Zuge der Unterhaltung wieder aus dem Gewässer entfernt.“

Stadt investiert rund 4.200 Euro – umsonst?

Warum muss überhaupt die Stadt eine private Mauer schützen? Das ist dann der Fall, wenn der Bachverlauf ursächlich dafür ist, dass die Mauer unterhöhlt wird. In Reichental stand das Thema Milbigbach / Grundstück am Alten Postweg schon lange auf der Agenda, deshalb sei Ortsvorsteher Guido Wieland auch froh darüber gewesen, dass es nun endlich angegangen wurde. Ob das technisch so in Ordnung war, was die von der Stadt beauftragte Firma gemacht hat, könne er nicht beurteilen, so Wieland. Dass ein Teil des Materials nun schon wieder abgeschwemmt wurde, sei ihm bekannt, es hätten sich auch schon einige Bürger beim Ortsvorsteher darüber beschwert. Darunter einer der ansässigen Fischpächter, die im Vorfeld der etwas mehr als 4.200 Euro teuren Aktion von der Stadt nicht in Kenntnis gesetzt worden waren, wie Martin Sprenger auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
17. Februar 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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