Das Rastatter Cavalier I – Von der schützenden Festung zum dunklen Gefängnis

Rastatt (naf) – Das Cavalier I war im 19. Jahrhundert ein Teil der Rastatter Bundesfestung und spielte eine große Rolle in Badner Revolution. Ab Anfang 2021 werden hier wieder Führungen angeboten.

Karl Schweizer (links) und Dieter Wolf vom Historischen Verein Rastatt sorgen für den „Feinschliff“ im Cavalier I. Foto: Frank Vetter

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Karl Schweizer (links) und Dieter Wolf vom Historischen Verein Rastatt sorgen für den „Feinschliff“ im Cavalier I. Foto: Frank Vetter

Eine Wendeltreppe führt sechs Meter in die Tiefe, die Luft ist kühl in den Räumen zwischen den dicken Sandsteinwänden, das Licht gedimmt. 1849 wurden hier hunderte Männer auf engstem Raum eingesperrt. Im 19. Jahrhundert waren die unterirdischen Räume des Cavalier I unter der heutigen Militärstraße ein Bestandteil der Bundesfestung in Rastatt. Mittlerweile scheint das, was von dem Festungsgebäude noch überirdisch übrig ist, eher unscheinbar. Doch unter der Erde warten Kammern, die einiges zu erzählen haben.

Als erstes von insgesamt 47 Festungswerken wurde das Cavalier I zwischen 1843 und 1846 erbaut. Mit einer Länge von 52 Metern erstrecken sich die teils schmalen Gänge, teils breiten Räume im Untergrund.

1849 führten die Schießscharten in der Außenwand (rechts) noch zum Graben. Mittlerweile ist dieser zugeschüttet und die dahinterliegenden Räume sind unterirdisch. Foto: Frank Vetter

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1849 führten die Schießscharten in der Außenwand (rechts) noch zum Graben. Mittlerweile ist dieser zugeschüttet und die dahinterliegenden Räume sind unterirdisch. Foto: Frank Vetter

Schießscharten, die mittlerweile ins Erdreich führen, befinden sich in den Wänden. Im 19. Jahrhundert gab es dahinter noch einen Graben, durch den sich gegnerische Soldaten hätten kämpfen müssen, heute ist er zugeschüttet. Das komplette Festungsgebäude ist auf den Kampfeinsatz ausgelegt, erklärt Dieter Wolf, Vorsitzender des Historischen Vereins. In den zwei oberirdischen Räumen standen Kanonen, unten an den Schießscharten Soldaten mit ihren Vorderladern.

Unmittelbar unter der Decke befinden sich kleine Öffnungen, durch die ein wenig Tageslicht eindringt. Dort konnte auch der Rauch, den das damalige Pulvergeschoss verursachte, abziehen. Die gegenüberliegende Wand ist leicht nach außen gewölbt, „um den Erddruck abzufangen“, erklärt Wolf. Auch das Baumaterial sei vom österreichischen Baumeister der Festung bedacht ausgewählt worden: Der Sandstein zerbröselt, wenn er unter Beschuss steht, während andere Baustoffe, wie Granit, splittern würden.

Der schmale Gang führt durch die leicht feuchten Räume bis hin zu einem schräg nach oben verlaufenden langen Gang mit Gewölbe. Die sogenannte Poterne diente als direkter Straßenzugang, durch den eigene Soldaten in die Kasematten gelangten. Ihr gegenüber – mittlerweile zugemauert – befand sich ein Tor zum Graben, an dem eindringende Feinde leicht abgefangen werden konnten.

Von Revolutionären besetzt

Erbaut wurde die Bundesfestung als Schutz gegen die Franzosen, zum Einsatz kam sie jedoch in ganz anderer Form. Im Laufe der Badischen Revolution 1849 meuterten die Bürgerwehr und das badische Militär der Rastatter Garnison und übernahmen das Kommando in der Festung. Unter der Führung Preußens wurde der Aufstand mit militärischer Gewalt niedergeschlagen und die Revolutionäre wurden festgenommen. Die dunklen Räume der Kasematten dienten daraufhin als Gefangenenlager. 5.600 Aufständische haben zwischen den Sandsteinwänden unter Rastatt auf ihr Strafgericht gewartet – einige davon im Cavalier I. 1890 wurde die Festung aufgegeben. Die Erdwälle wurden abgetragen, dreiviertel der Bausteine wurden verkauft und landeten laut Wolf an den verschiedensten Orten, wie dem Turmberg in Karlsruhe.

In der Militärstraße ist heute nur noch ein kleiner Abschnitt der Festung zu sehen. Ein Teil der unterirdischen Gänge ist zugeschüttet, der andere leer – aber betretbar. Nicht zuletzt dank des Historischen Vereins in Rastatt. 2009 erhielten seine Mitglieder die Erlaubnis, das Cavalier I wieder herzurichten. In den 1980er Jahren habe man zwar bereits angefangen, Erde aus den Räumen abzutragen, nachdem sie damals für Festivitäten genutzt und verschmutzt wurden, sei die Benutzung allerdings wieder untersagt worden.

Der Historische Verein kümmere sich nun um den „Feinschliff“, erklärt Karl Schweizer, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Scheinwerfer sollen die dunklen Räume zukünftig erstrahlen lassen. Auch Bildausstellungen und Vorträge in den großen Kammern kann sich Schweizer vorstellen, aber „bisher sind das alles noch Ideen“. In den zwei oberirdischen Bereichen stehen bereits bestückte Schauvitrinen, eine von den Volksschauspielen Ötigheim nachgebaute Kanone samt originalen Kugeln und eine Zellentür aus dem Zuchthaus in Bruchsal. Anfang 2021 soll es wieder Führungen durch die unterirdischen Gänge geben.


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