Das Chaos bleibt aus

Rastatt (rjk) – Aufgrund der Arbeiten am Bahntunnel ist die Strecke der Rheintalbahn über die Osterfeiertage gesperrt. Anders als bei der Tunnelhavarie 2017 läuft aber alles in geordneten Bahnen.

Viel los: Am Rastatter Bahnhof müssen Reisende derzeit aussteigen. Weiter geht’s mit Bussen, die in der Oberwaldstraße abfahren. Foto: Hans Jürgen Collet

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Viel los: Am Rastatter Bahnhof müssen Reisende derzeit aussteigen. Weiter geht’s mit Bussen, die in der Oberwaldstraße abfahren. Foto: Hans Jürgen Collet

Rastatt – Die Bilder ähneln sich zwar. Aber anders als im Spätsommer 2017, am Tag der Tunnel-Havarie bei Niederbühl, geht es am Karfreitag 2022 auf dem Rastatter Bahnhof deutlich entspannter zu. Vor fünf Jahren wurden die Reisenden von der Sperrung der Rheintalbahn kalt erwischt. Bei Tunnelbauarbeiten waren überraschend die Gleise abgesackt. Auf dem Bahnhof herrschte das reinste Chaos (das BT berichtete). Im Nah- und Fernverkehr in Richtung Karlsruhe und Basel ging nichts mehr. Das Personal auf den Bahnsteigen war sichtlich überfordert. Diesmal läuft dem Augenschein nach alles in geordneten Bahnen.

Tausende strömen zu den Bussen

Zwar strömen auch diesmal Tausende mit Koffern und Reisetaschen schwer bepackte Fahrgäste nach ihrer Ankunft zu den Zügen oder den Bussen des Schienenersatzverkehrs. Aber anders als damals warten die Ersatzfahrzeuge nicht auf dem Bahnhofsvorplatz, sondern halten in der Niederwaldstraße. Dort geht’s zu wie in einem Taubenschlag. Ein Bus folgt auf den nächsten. In den Zeiten mit dem höchsten Passagieraufkommen sind bis zu acht Fahrzeuge pro Zug im Einsatz. Und in jedem einzelnen Bus ist genug Platz.

Es gibt kein Drängeln und kein Schubsen, keine langen Wartezeiten, kein gefährliches und ungeordnetes Losstürmen. Die Situation ist übersichtlich und aus Sicht der allermeisten Fahrgäste auch völlig entspannt. Und das, obwohl sie Zugausfälle und teils deutlich längere Reisezeiten von bis zu drei Stunden in Kauf nehmen müssen. Die meisten fühlen sich bestens betreut und schon im Vorfeld gut informiert. Viele loben, anders als vor fünf Jahren, die gute Organisation. Dazu trägt gerade in den kritischen Stoßzeiten auch eine stattliche Anzahl an Bahn-Mitarbeitern und sogenannten Reisenden-Lenkern bei, die vor Ort sind.

Lob für gute Organisation

KVV-Mitarbeiter Mario Zirafi und sein siebenköpfiges Team legen sich auf dem Bahnhofsvorplatz mächtig ins Zeug. Sie informieren die Fahrgäste, weisen ihnen den Weg zu den Bussen, tragen älteren Menschen oder jungen Frauen mit Kinderwagen das Gepäck die Treppe hoch oder runter. Was auch nötig ist, weil der marode Rastatter Bahnhof, der gerade eine Modernisierungskur erhält, nach wie vor nicht barrierefrei umgebaut ist. Damit die Situation für Ortsunkundige im Bahnhof nicht unübersichtlich wird, stehen dort Bahnhofsmanager Hans-Jürgen Vogt und ein fünfköpfiges Mitarbeiterteam der Deutschen Bahn (DB) als Ansprechpartner bereit. „Es klappt alles reibungslos. Wir können zufrieden sein“, erklärt Vogt und ist schon wieder umringt von einer Menschentraube.

Die in Freiburg studierenden Cousinen Laura und Caro möchten zu Ostern die Familie in Berlin besuchen: „Klar nervt das ein bisschen, wenn man sich auf ein schönes langes Osterwochenende freut und dann statt sechs jetzt neun Stunden Fahrzeit einrechnen muss“, sagen sie. Melli aus Freiburg erzählt, dass sie im Bus schon nette Leute kennengelernt habe und die Bahnmitarbeiter sehr hilfsbereit seien.“ Auch Stefanie Kröger, die mit ihrem kleinen Sohn, Kinderwagen und viel Gepäck nach Cuxhaven unterwegs ist, findet: „Das ist alles gut organisiert. Schlecht finde ich aber, dass es in diesem Bahnhof keinen Aufzug gibt. Ohne Helfer wäre man hier aufgeschmissen.“ Student Emil Dieterle, der von Furtwangen zu seinen Eltern nach Fulda reist, meint: „Ich bin völlig entspannt, habe genug Zeit eingeplant und war über die DB-App über alles informiert.“

Die Rheintalstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden bleibt über den Ostermontag hinaus gesperrt. Die DB nutzt das Osterwochenende, um eine rund 700 Meter lange Parallelstrecke ans Schienennetz anzuschließen. Seit dem frühen Karfreitag wird bei Niederbühl gearbeitet. Die Ersatztrasse ist nötig, um die seit 2017 in der Oströhre des Tunnels einbetonierte Tunnelvortriebsmaschine bergen und die Oströhre fertigstellen zu können. Etwa 20 Arbeiter bauten in der Nacht auf Karfreitag die Messtechnik und die Oberleitungen ab. Rund 40 Leute installierten am nächsten Morgen die neue Oberleitung. Das ursprünglich mit 700 Millionen Euro veranschlagte Tunnel-Projekt soll nach DB-Angaben Ende 2026 abgeschlossen sein, also vier Jahre später als geplant.


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