„Das Herz Europas schlägt für mich am Rhein“

Rastatt (ar) – Claus Haberecht setzt sich seit Jahrzehnten für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ein – und hat immer noch viele neue Ideen. Im BT-Interview schildert er sie.

Claus Haberecht (Mitte) ist in seinem Element: Mit Eurodistrict-Präsident Remi Bertrand (links) und Landrat Fritz Brechtel aus Germersheim hat er im September den Rundradweg „Pamina-Rheinpark Nord“ eröffnet. Foto: Anne-Rose Gangl/Archiv

Claus Haberecht (Mitte) ist in seinem Element: Mit Eurodistrict-Präsident Remi Bertrand (links) und Landrat Fritz Brechtel aus Germersheim hat er im September den Rundradweg „Pamina-Rheinpark Nord“ eröffnet. Foto: Anne-Rose Gangl/Archiv

Vor neun Jahren wurde Claus Haberecht für seine Verdienste um die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland mit der Europamedaille ausgezeichnet. 2019 wurde er als Dezernent beim Landratsamt Rastatt verabschiedet, doch Ruhestand gibt es für den 67-Jährigen nicht. Im Gespräch mit BT-Mitarbeiterin Anne-Rose Gangl sprach er über noch engere Verbindungen über den Rhein hinweg.

BT: Herr Haberecht, seit vier Jahrzehnten setzen Sie sich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit am Oberrhein ein. Woher kamen die ersten Impulse, diese badisch-elsässische Region als einen Raum mit gemeinsamer Kultur und Geschichte zu betrachten?

Claus Haberecht: Ich bin in Kehl, unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze, aufgewachsen, und erfuhr die damals sehr restriktiven, aufgrund der Kriegsereignisse auch nachvollziehbaren Verhaltensweisen beider Seiten konkret. Dies hat mich in meiner Jugend sehr berührt und geprägt – und später zum Nachdenken angeregt. Für mich waren Strasbourg und Kehl zwei Städte, die zwar durch den Rhein getrennt waren, aber wie zwei Geschwister eng zusammengehören.

BT: Welche grenzüberschreitenden Projekte waren für Sie in den Jahren ihres Wirkens die wichtigsten?

Haberecht: Hier stehen zwei Projekte für mich ganz vorne: Zum einen die 1995 eingerichtete grenzüberschreitende Jugendkulturwerkstatt Zig Zack auf dem ehemaligen Kehler Zollhof, da dieses Projekt Jugendlichen beiderseits des Rheins eine breite Betätigungsplattform bot. Zum anderen ist es der seit den 90er Jahren bestehende Pamina-Rheinpark, der seit 1996 als Verein eingetragen ist. Mit inzwischen über 1.000 Quadratkilometern ist er nicht nur das größte Projekt, sondern aufgrund seiner Nachhaltigkeit auch ein Leuchtturm im Bereich Naherholung, Naturtourismus und lebendiger Geschichte der Rheinregion zwischen Gambsheim im Elsass und Germersheim in der Südpfalz sowie zwischen Lichtenau und Eggenstein-Leopoldshafen in Baden.

BT: Es fehlt aber immer noch an Rheinübergängen, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer. Und es fehlt ein öffentlicher Nahverkehr zwischen den Nachbarn Elsass und Baden, oder?

Haberecht: Ja, richtig, Übergänge sind für die Begegnungen, für die Pendler und das Alltagsleben das A und O. Hier haben wir tatsächlich zu wenig Brücken und Angebote. Und der sogenannte öffentliche Nahverkehr, ob Schiene oder Bus, besteht zwischen Strasbourg und Karlsruhe nur in Nord-Süd Richtung. Insofern hoffe ich auf die baldige Realisierung der von mir bereits vor drei Jahren initiierten Regionalbuslinie Rastatt-Haguenau.

Neue Radfahrerbrücke über die Staustufe Iffezheim?

BT: Wie sieht es mit der Rheinbrücke Wintersdorf aus? Welche Rolle ist ihr zugedacht?

Haberecht: Im Rahmen der Pamina-Mobilitätsstrategie wird eine Machbarkeitsstudie eine Schienenverbindung von Rastatt nach Haguenau und weiter nach Saarbrücken über die Wintersdorfer Brücke untersuchen. Diese Brücke kann – auch aufgrund der Beschränkung von maximal 7,5 Tonnen – derzeit nur für den Pkw-Verkehr, insbesondere für die zahlreichen Pendler vom Nordelsass in den Landkreis Rastatt genutzt werden. Ohne diese Begrenzung wäre eine Mischnutzung, ein Kombiverkehr – also ein regionaler Schienenverkehr im Stundentakt zusammen mit dem Pkw-Verkehr – ein durchaus möglicher Ansatz, um mittelfristig Bewegung in diese grenzüberschreitende Infrastruktur zu bringen.

BT: Kommen wir zu den Radfahrern. Wie ist der aktuelle Stand im Bereich der Staustufe Iffezheim, wo eine neue Brücke für Radfahrer errichtet werden könnte?

Haberecht: Natürlich benötigen wir im Pamina-Rheinpark aufgrund des steigenden Radverkehrs neben den vier Fähren und der neuen Radwegbrücke bei der Staustufe Gambsheim noch eine weitere Überquerung im Korridor zwischen der Staustufe Iffezheim und der Wintersdorfer Brücke. Sie muss allerdings beidseits an die bestehenden Radwegenetze angebunden werden. Das Département Bas-Rhin hat zusammen mit weiteren Akteuren wie dem Landkreis Rastatt eine konkrete Planung in Auftrag gegeben, mit dessen Ergebnissen wohl Ende 2021 zu rechnen ist.

BT: Was ist Ihr größter Wunsch für die badisch-elsässisch-pfälzische Grenzregion?

Haberecht: Pamina und mithin der Pamina-Rheinpark haben die Kraft, für den gesamten Oberrhein als impulsgebender Katalysator zu wirken, für ein Europa der Regionen. Denn das Herz Europas schlägt für mich am Rhein. Und die Stadt Rastatt, die in der Pamina-Region am nächsten zu unserem französischen Nachbarn liegt, könnte dabei eine richtungsweisende Rolle spielen.

Mehr zum Thema:

Claus Haberecht: Ein leidenschaftlicher Un-Ruheständler

Ihr Autor

Anne-Rose Gangl

Zum Artikel

Erstellt:
8. Oktober 2020, 07:17 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 02sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.