Das Hilfswerk Unicef wird 75

Karlsruhe (kli) – Vor 75 Jahren, am 11. Dezember 1946, wurde Unicef gegründet. Das UN-Hilfswerk setzt sich seitdem für Kinder und deren Rechte ein – weltweit und auch in der Region.

Ursula Grass. Foto: Redaktion

© Grass

Ursula Grass. Foto: Redaktion

Ursula Grass leitet die Karlsruher Arbeitsgruppe, die von Bruchsal bis Calw reicht. „Ich finde es wichtig, sich für Kinder zu engagieren, denn es ist doch ungerecht, dass die Chancen so ungleich verteilt sind. Nur weil manche Kinder in Ländern geboren sind, in denen Krieg, Klimakrise und Armut herrschen, haben sie keine Chance, sich selbst zu entwickeln“, erzählt die Sonderschulrektorin in Malsch von ihrer Motivation.

Ihre Tochter hatte sich im Alter von elf Jahren an einem Wettbewerb für Unicef-Botschafter beteiligt. Etwa zeitgleich wollten sich auch Schüler ihrer Schule für das Hilfswerk engagieren, und Grass machte einfach fortan selber mit. Seit 13 Jahren leitet sie nun die Gruppe, der ungefähr 20 bis 30 Aktive angehören.

Verkauf der Grußkarten geht zurück

Man trage auch dazu bei, Kinder in Deutschland für die Situation auf der Welt zu sensibilisieren. „Es ist doch toll, wenn so viele dazu bereit sind, nicht nur an sich selbst zu denken“, meint sie.

Unicef arbeite in den Ländern eng mit Netzwerken und anderen Nichtregierungsorganisationen zusammen, erzählt die 61-Jährige. Einmal habe sie das persönlich bei einer Projektreise für Ehrenamtliche nach Kambodscha erlebt. „Die Reise hat mich zutiefst bewegt, denn danach weiß man genau, warum man sich engagiert“, berichtet sie.

Natürlich gehört zum Unicef-Engagement auch der Verkauf der berühmten Grußkarten, vor allem zu Weihnachten, allerdings entwickle sich das Geschäft rückläufig. Im Büro in der Karlsruher Kriegsstraße werden Kartenbestellungen von Buchhandlungen, Apotheken und Privatleuten bearbeitet. Aber den traditionellen jährlichen Stand im Advent in der Karlsruher Postgalerie musste Grass neulich absagen, weil zu viele Helfer abgesprungen seien – auch wegen Corona.

Hochschulgruppe am KIT

Neben dem harten Kern der Aktiven gebe es auch ein aus sechs Frauen bestehendes Juniorteam: „Die machen Aktionen etwa zum Weltmädchentag oder zur Wiedereingliederung von Kindersoldaten“, erzählt Grass. Inzwischen gebe es auch wieder eine Hochschulgruppe am KIT – mit einer interessanten Vorgeschichte: Gegründet hat sie nämlich ein junger Student, der vor zehn Jahren einen Workshop von Grass in einer Malscher Schule besucht hat. Man wünsche sich auch weitere lokale Gruppen, etwa in Baden-Baden, bislang sei es dazu aber leider nicht gekommen.

Grass berichtet gerne von diversen Unicef-Aktionen in der Region, etwa vom 20. November, dem internationalen Tag für Kinderrechte. Überall auf der Welt erstrahlen da Gebäude in Blau, so auch das Theater Baden-Baden. In Malsch habe sie zu dem Anlass alle Schulen besucht und Bürgermeister Markus Bechler ein Banner mit blauen Farbabdrücken von Kinderhänden übergeben. Und am Karlsruher Marktplatz werde am Weltkindertag immer die blaue Fahne gehisst.

„Unicef ist mein blaues Herz“

„Unicef ist mein blaues Herz“, schwärmt Grass. Die Hilfe für Kinder sei kein Tropfen auf dem heißen Stein. „Von einem Euro kann man drei Päckchen Erdnussbutter kaufen, davon kann ein mangelernährtes Kind einen Tag lang überleben“, berichtet sie. Die Mitarbeiter des Hilfswerks gingen auch in die vergessenen Länder wie Nordkorea, denn: „Es gibt kein feindliches Kind“.

Grass kennt die Vorwürfe, das Hilfswerk sei ein großer Tanker, in dem viel Geld versickere. Das streitet sie ab. Man könne die Tätigkeiten allesamt in den Geschäftsberichten nachlesen, zudem werde klar überprüft, wie die Mittel verwendet werden.

Was Grass dem Jubilar wünscht? „Ich wünsche mir mit Unicef, dass Kinder weltweit ein Minimum an Rechten erfahren: Dass sie gesund aufwachsen, frei von Gewalt, und mit der Chance auf Bildung, denn das ist die einzige Chance, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen.“

In Blau getaucht: Aktion für und mit Unicef am Tag der Kinderrechte 2021 vor dem Theater in Baden-Baden mit Oberbürgermeisterin Margret Mergen (rechts). Foto: Ursula Grass

© Ursula Grass

In Blau getaucht: Aktion für und mit Unicef am Tag der Kinderrechte 2021 vor dem Theater in Baden-Baden mit Oberbürgermeisterin Margret Mergen (rechts). Foto: Ursula Grass


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