„Das Kino wurde schmerzlich vermisst“

Rastatt (ema) – Das Rastatter Kino Forum öffnet wieder am 8. Juli. Unternehmenschef Jan Marc Maier zeigt sich sehr zuversichtlich.

Das Rastatter Kino steht vor der Wiedereröffnung; derweil nimmt das künftige Restaurant auf der gegenüberliegenden Seite langsam Gestalt an. Foto: Frank Vetter

© fuv

Das Rastatter Kino steht vor der Wiedereröffnung; derweil nimmt das künftige Restaurant auf der gegenüberliegenden Seite langsam Gestalt an. Foto: Frank Vetter

Bei allem, was den Cineasten-Unternehmer Jan Marc Maier in den vergangenen Monaten wegen der Schließung seiner drei Forum-Häuser in Rastatt, Lahr und Offenburg belastete: Den Glauben an die Leinwand hat er nicht verloren. „Das Kino wurde schmerzlich vermisst“, hat Maier viele Rückmeldungen von Menschen bekommen, die die Leidenschaft für den Film mit ihm teilen. Jetzt ist die Durststrecke erst mal beendet. Maier wird das Forum an der Karlsruher Straße am 8. Juli wieder eröffnen.
Dass er damit eine Woche später als viele Anbieter in Deutschland an den Start geht, begründet der Geschäftsführer mit der laufenden Fußball-EM. So eine Konkurrenz sei für die Kinos „immer schwierig“, urteilt Maier. Die Verzögerung dürfte verkraftbar sein, weil im jetzigen Stadium mit dem Kino ohnehin noch nicht richtig Geld zu verdienen sei. Aufgrund der aktuellen Corona-Regeln kann das Forum in Rastatt nur Tickets für rund 30 Prozent der insgesamt 1.100 Plätze in sieben Sälen verkaufen. Im Prinzip gelten die Bedingungen wie für die kurze Saison von Ende August bis Ende Oktober 2020. Die Gäste müssen Abstands- und Hygieneregeln einhalten, die Maske darf am Platz jedoch abgenommen werden. Das bedeutet aber erleichternd auch: Kein Besucher muss einen Coronatest nachweisen.

„Vieles läuft weiter im Hintergrund“

Maier hat die Zwangspause vom 1. November bis jetzt ganz gut überstanden. Eigene Reserven, Überbrückungshilfen, Kurzarbeit – damit habe man das Unternehmen „stabilisieren“ können, sagt er. Obwohl Säle und Leinwände dunkel blieben, drehten die in Lohn und Brot gebliebenen Mitarbeiter nicht Däumchen. „Vieles läuft weiter im Hintergrund“, weiß Maier. Neben der Unterhaltung der Gebäude arbeitete man daran, die Infrastruktur im Zeichen der Pandemie möglichst auf „kontaktlos“ umzustellen – etwa bei Wasserhähnen. Eine Pflege ungeahnten Ausmaßes mussten die Forum-Mitarbeiter bei der Technik an den Tag legen. „Die ist überhaupt nicht auf Stillstand ausgerichtet“, erfuhr Maier – seien es Durchlüftungsanlage, Server oder Projektionstechnik. Bis 8. Juli gilt es im Schlussspurt, die Technik, die überwiegend digital ausgelegt ist, hochzufahren.

Gleich 20 Filme wird das Forum in der ersten Woche laufen lassen. Besucher können übrigens die überarbeitete App nutzen, mit der sich jetzt auch Essen und Getränke bestellen lassen. Ob so was auch künftig beim derzeit entstehenden Restaurant auf der anderen Seite der Karlsruher Straße möglich ist? „Das wär schon eine coole Geschichte“, lacht Maier. Er freue sich sehr, dass Kino-Investorin Gertraud Hurrle dieses Projekt anpackt. „Das wird ein weiterer Anziehungspunkt und kann dem Standort nur guttun“, sagt der Kino-Unternehmer.

Dass die Pandemie das Interesse vieler Menschen am Kino erstickt haben könnte, glaubt Maier nicht. Aus Ländern, die bereits früher wieder die Leinwände freigegeben hätten, habe man positive Besucherzahlen zur Kenntnis genommen. Eher muss sich der Kino-Unternehmer noch dahinter klemmen, dass er bis 8. Juli genug Mitarbeiter an Bord hat. Rund 30 Kräfte sind im Rastatter Forum überwiegend auf 450-Euro-Basis aktiv – den einen oder die andere muss das Management noch finden.

Alles in allem blickt Maier „sehr zuversichtlich“ in die Zukunft, auch wenn er ahnt, dass die härtere Zeit erst noch bevorstehen könnte, falls die Delta-Variante das öffentliche Leben und damit auch die Kinos noch mal in die Knie zwingt.

Immerhin steht jetzt, im Gegensatz zur Kurzsaison im Jahr 2020, als die Branche in den USA viele Filme stoppte oder verlegte, genügend Material bereit. Maier verspricht eine „schöne Mischung“, die vor allem Familien und junge Leute ansprechen soll. Hoffnung setzt er auf Blockbuster wie „Fast & Furious Teil 9“, „Black Widow“ und ab 30. September natürlich den neuen „James Bond.“ Maier: „Es sind tolle Filme, die darauf warten, in die Kinos zu kommen.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.