Das Ruder bald herumreißen

Baden-Baden (tt) – Hans-Peter Behrens kandidiert für die Grünen – er sorgt sich um das gesellschaftliche wie um das globale Klima.

„Beim Klimaschutz um den Faktor drei bis fünf schneller werden“: Hans-Peter Behrens. Foto: Thomas Trittmann

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„Beim Klimaschutz um den Faktor drei bis fünf schneller werden“: Hans-Peter Behrens. Foto: Thomas Trittmann

Kommunalpolitisch alter Hase, landespolitisch noch Frischling – so könnte man wohl Hans-Peter Behrens beschreiben. Der Weitenunger sitzt seit dem 1. November 2019 für die Grünen im Landtag – das Mandat im Wahlkreis Baden-Baden hat er von Beate Böhlen übernommen, die Bürgerbeauftragte des Landes wurde.
Nun muss Behrens am 14. März erstmals sein Mandat bei einer Wahl verteidigen. „Die Spannung ist eine ganz andere“, sagt er. Wenn man selbst vorn stehe, statt andere zu unterstützen, „da wird man schon ein bisschen nervöser“.

Ein Thema, das Behrens umtreibt, ist die Spaltung der Gesellschaft. Schon in einem BT-Interview im Herbst 2019, vor der Übernahme seines Landtagsmandats, hatte er diese thematisiert – und heute lautet sein ernüchterndes Fazit: Besser ist es nicht geworden. „Das Klima heizt sich auf“, sagt er und fügt mit Blick auf so manches Transparent, das in den letzten Wochen durch Ottersweier getragen wurde, hinzu: „Wenn man das so sieht, fühlt man sich als gewählter Volksvertreter schon seltsam.“

Die Trumpsche Methodik

„Manche Menschen greifen auf Quellen zurück, die sehr einseitig oder einfach falsch sind“, sagt er mit Blick auf Corona-Leugner oder Verschwörungstheoretiker. „Das Schema ist immer dasselbe, und es ist die Trumpsche Methodik: Falsches wird so lange behauptet, bis es geglaubt wird.“ Doch auch wenn Behrens befürchtet, dass mancher Zeitgenosse einer sachlichen Auseinandersetzung kaum mehr zugänglich sei, findet er, dass man es versuchen muss. „In Einzelfällen ist das sicher möglich.“

Sein zweites Herzensthema neben dem gesellschaftlichen Klima ist der Kampf gegen die Erwärmung des Erdklimas. „Wir brauchen Klimaneutralität in einem möglichst kurzen Zeitraum.“ Für den 59-jährigen Elektrotechnik-Ingenieur heißt das: Schon vor dem Jahr 2050, das derzeit die EU-weite Zielmarke ist. Und die richtigen Entscheidungen, die müssen bald getroffen werden, nicht erst in zwei Jahrzehnten oder irgendwann, sagt er. „Wir haben höchstens noch zehn Jahre, um Klima-Kipppunkte zu vermeiden. In den nächsten fünf Jahren muss das Ruder herumgerissen werden. Wir müssen beim Klimaschutz um den Faktor drei bis fünf schneller werden.“

Gesetzliche Regeln müssen mit technischer Entwicklung Schritt halten

Die Landesregierung habe beim Klimaschutz manches erreicht; manches sei aber auch ausgebremst worden, sagt er mit Blick auf den Koalitionspartner CDU. Ein Beispiel: die von den Grünen gewünschte Fotovoltaik-Pflicht auch für private Neubauten. Ein anderes: die Windkraft. Dass es mit deren Ausbau im Land nicht recht vorangeht, hat nach Behrens’ Auffassung drei Ursachen: Die verschlechterten Rahmenbedingungen, die der Bund gesetzt hat; zunehmender Widerstand vor Ort, „den oft die CDU mitorganisiert“ und die nicht gerade idealen Rahmenbedingungen des Landes. Behrens wünscht sich, dass der Bau eines neuen Windrades nicht mehr bis zu sieben Jahre Vorlauf braucht – und dass die gesetzlichen Regeln mit der technischen Entwicklung Schritt halten.

Und welche Koalition würde er gern nach dem 14. März in der Regierung sehen? Behrens antwortet diplomatisch: Manche Themen seien einfach, andere schwierig, das sei bei allen potenziellen Partnern so. Und potenzielle Partner seien alle demokratischen Parteien. Die AfD zählt Behrens nicht dazu, allein schon aufgrund des Verhaltens der AfD-Fraktion im Landtag: „Wie die die demokratischen Prozesse stören, das ist einfach unglaublich.“


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