Gaggenau: „Das Waldseebad ist meine Familie“

Gaggenau (uj) – Sie ist die gute Seele des Restaurants Waldseebad in Gaggenau, „Mama“ Ada Mutti. Am Freitag feiert die langjährige Chefin des Restaurants ihren 80. Geburtstag in kleinem Rahmen.

Feiert am Freitag ihren 80. Geburtstag: Ada Mutti, viele Jahre Chefin des Gaggenauer Restaurants „Waldseebad“. Foto: Ulrich Jahn

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Feiert am Freitag ihren 80. Geburtstag: Ada Mutti, viele Jahre Chefin des Gaggenauer Restaurants „Waldseebad“. Foto: Ulrich Jahn

„Immer gewesen da“, sagt Ada Mutti. Mit „da“ meint sie das Waldseebad. Nicht das Freibad, sondern das gleichnamige Restaurant, oberhalb der Freizeiteinrichtung gelegen. Viele Jahre war die Italienerin Chefin in dem beliebten Lokal und wohnt immer noch in dem Gebäude – in der zum Restaurant gehörenden Wohnung, auch wenn sie nur noch selten in der Gaststube anzutreffen ist. Am Freitag feiert die erfolgreiche Gastronomin ihren 80. Geburtstag. Anlass, auf das Leben von „Mama Mutti“ zurückzublicken.

Geboren wurde sie vor 80 Jahren in Südtirol in dem Ort Cavalese. Dort ist sie auch aufgewachsen. Im Jahr 1970 kam Mutti nach Deutschland. Sie hatte von Bekannten in Italien gehört, dass es in Deutschland Arbeit gibt. Ihre erste Station war Karlsruhe. Sie arbeitete im Restaurant „Goldene Krone“ und wohnte auch dort. Über dem Restaurant befanden sich Personalwohnungen.

Rund vier Jahre später zog es die Italienerin nach Gaggenau. Sie hatte von Bekannten gehört, dass für das Restaurant „Waldseebad“ ein neuer Pächter gesucht werde. Der bisherige Betreiber, der Vater des in Gaggenau bekannten Gastronomen Angelo „Nino“ Gianesi, hörte aus Altersgründen auf.

Groß renoviert wurde das Lokal zu diesem Anlass nicht. „Es wurde etwas gestrichen. Auf der Terrasse, die sich damals noch etwas tiefer befand, lag Splitt“, erinnert sich Mutti. Aber schon recht bald wurde die Terrasse etwas hochgesetzt und war dann ebenerdig zum Lokal. Nicht nur für die Bedienungen war das eine große Erleichterung.

Als sie im März 1974 das Lokal übernahm, herrschte strenger Winter. „Alles war vereist“, erinnert sich Mutti. Auf dem Glatteis rutschte sie aus und fiel auf den Kopf. Die Folge: Die Glasüberdachung wurde angebaut, die auch heute noch Teil des Dachs ist und Schutz bietet – nicht nur vor Glatteis.

Mutti gibt aus Altersgründen ihr „Paradies“ auf

Nach mehr als 30 Jahren gab Mutti 2005 ihr „Paradies“ auf – aus Altersgründen. Damals war die Lage nicht so gut. Das Schwimmbad blieb wegen eines undichten Beckens geschlossen, der Baulärm für das Naturbad tat ein Übriges – es kamen weniger Gäste als gewohnt.

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger dauerte recht lange. Das Anfang 2006 ausgewählte Gastronomen-Ehepaar gab allerdings nur ein kurzes Gastspiel. Ein erneuter Wechsel folgte 2008 – Kasimir Narloch übernahm das Lokal. Und führt es heute noch mit Erfolg.

Was geblieben ist, das ist Ada Mutti. „Immer gewesen da“ – das trifft für sie auch heute noch zu. Zwar ist sie in der Gaststube selbst nicht mehr aktiv, ist aber nach wie vor die gute Seele des Hauses. Sie hilft etwas aus, kümmert sich um den Garten. Mutti ist „die gute Seele des Hauses“. Aus diesem Grund darf sie in der Wohnung ihren Ruhestand genießen und wird von Narloch verköstigt.

Eine große Feier wird es heute nicht geben. Der Grund: Ada Mutti hat im Murgtal keine Verwandtschaft. „Das Waldseebad ist meine Familie“, betont die Jubilarin. Die Tochter von Pächter Kasimir Narloch lädt sie zum Essen ein. Und dann ist da noch eine große Baumscheibe mit der Zahl „80“, von einem Bekannten geschnitzt. Das Motiv, wie kann es anders sein – das Waldseebad. Der Ort, an dem die Jubilarin die meiste Zeit ihres Lebens verbracht hat.

„Unten“ in Gaggenau ist sie all die Jahre nur selten gewesen. Mutti fühlt sich im Restaurant und in dem angrenzenden Wald am wohlsten. „Immer gewesen da“, die drei Worte sind auch heute noch für die Jubilarin aktuell. Sie spricht nach wie vor Italienisch deutlich besser als Deutsch. Man kann sich zwar mit ihr unterhalten, für eine längere Konversation ist die Unterstützung eines Dolmetschers aber empfehlenswert.

Erlebt hat sie auch die beiden großen Überschwemmungen, unter anderem jene am 12. Juni 2016, die gleichbedeutend war mit dem Aus für das Naturbad. Die Arbeiten für das neue Waldseebad – Naturbad und technisches Bad – laufen auf Hochtouren, Eröffnung soll im Frühjahr 2021 sein.

Die Geschäfte liefen in der Badesaison natürlich besser als im Winter. Und auch an etliche Familienfeiern wie Hochzeiten und Geburtstage erinnert sich Mutti gerne. Nur die Wespen waren schon immer eine Plage – damals wie heute.

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Erstellt:
27. August 2020, 22:00 Uhr
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