Das „Wissen der Vielen“ einbringen

Rastatt (ab) – Die Basisdemokratische Partei Deutschland will bei der nächsten Bundestagswahl punkten. Kürzlich wurde der Kreisverband Rastatt/Baden-Baden gegründet.

Für „dieBasis“ in der Region aktiv: Hubert Frank (von links), Marion Hofmann, Thomas Lorenz und Ralf Baßler. Foto: Armin Broß

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Für „dieBasis“ in der Region aktiv: Hubert Frank (von links), Marion Hofmann, Thomas Lorenz und Ralf Baßler. Foto: Armin Broß

Das Ziel ist ehrgeizig formuliert für eine Partei, die es gerade mal ein Jahr gibt: Bei der nächsten Bundestagswahl will die Basisdemokratische Partei Deutschland (dieBasis) die Fünf-Prozent-Hürde überwinden – so die Ansage von Ralf Baßler. Der 59-Jährige aus Ottersweier ist einer der Mitgründer der Partei, die bei der jüngsten Landtagswahl aus dem Stand ein Prozent (48.497 Stimmen) erreichte. Nun hat sich auch ein Kreisverband Rastatt/Baden-Baden gebildet, an dessen Spitze Thomas Lorenz aus Iffezheim und Hubert Frank aus Ottersweier stehen.
Wofür steht die neue Partei, die die Begriffe „Freiheit“, „Machtbegrenzung“, „Achtsamkeit“ und „Schwarmintelligenz“ als ihre Säulen bezeichnet? Wo ist sie politisch verortet? Die Ursprünge liegen in der Initiative „Widerstand 2020“, die im vergangenen Jahr aus Protest gegen die staatlichen Anti-Corona-Maßnahmen entstanden war, dann aber auseinanderbrach. Im Juli 2020 wurde von 45 Gründern „dieBasis“ ins Leben gerufen, die mittlerweile in allen Bundesländern Landesverbände hat. Und auch, wenn man die staatlichen Maßnahmen nach wie vor kritisch sehe, betont Baßler zugleich: „Wir sind keine Corona-Partei.“ Der Fokus bei der Gründung habe auf Basisdemokratie und Mitbestimmung der Menschen gelegen.

Gegen Rechts-Links-Schema

„Die Politik hat sich viel zu sehr von der Bevölkerung entfernt“, kritisiert Baßler, der bei der kommenden Bundestagswahl kandidieren will. Die Menschen an der Basis fragen, das „Wissen der Vielen“ einbringen, gerade auch in die Parlamente – so skizziert der Mitgründer die „Schwarmintelligenz“. In ein Rechts-Links-Schema will Baßler „dieBasis“ nicht einordnen. „Wir sind ein Wind, der aus allen Richtungen kommt.“ Nur von Extremisten distanziert er sich ausdrücklich.

Rund 14.000 Mitglieder zählt die Partei nach eigenen Angaben derzeit bundesweit, davon etwa 3.000 in Baden-Württemberg und aktuell 69 im Kreisverband Rastatt/Baden-Baden, der räumlich den Stadt- und den Landkreis umfasst. In der Region schnitt „dieBasis“ bei der Landtagswahl übrigens überdurchschnittlich ab: im Wahlkreis Rastatt mit 1,3 Prozent und im Wahlkreis Baden-Baden sogar mit 2,2 Prozent.

„Basisdemokratie für mich das Ausschlaggebende“

Dass „dieBasis“ Menschen aus verschiedenen Gründen anzieht, spiegelt sich auch in den beiden Kreisverbandsvorsitzenden wider: Da ist zum einen Hubert Frank, 60 Jahre alt, von Beruf Polizist. Er war in der Vergangenheit nach eigenen Angaben „politisch nicht so interessiert“, habe „eher so Richtung Grün“ tendiert. Eine Nichte habe ihm dann aus der Schweiz vom dortigen System mit Volksabstimmungen berichtet. Schließlich sei er mit der „Basis“ in Kontakt gekommen, habe das Programm gelesen. „Die vier Säulen haben mich angesprochen, insbesondere Machtbegrenzung, Basisdemokratie – das war für mich das Ausschlaggebende.“

Jetzt engagiert er sich politisch zum ersten Mal, eben wegen der Basisdemokratie. Denn, so formuliert Frank aus seiner Sicht das Problem: „Man wählt, ist dann aber aus der politischen Mitbestimmung draußen.“

Auch der andere Kreisverbandsvorsitzende ist erst seit Kurzem parteipolitisch aktiv – genau genommen seit rund zwei Monaten: Thomas Lorenz, 56 Jahre alt – 30 Jahre war er in der IT bei einem Automobilbauer tätig und ist seit Anfang des Jahres Privatier, wie er erzählt. Ihn sprechen besonders die Themen Achtsamkeit und Machtbegrenzung an. Das bedeutet für Lorenz konkret: „Nicht zuviel Macht einem einzelnen Menschen, sondern jeden Menschen hören und respektieren und dann erst die Handlungsfelder daraus ableiten.“

Als Projektmanager sei er weltweit in vielen Ländern unterwegs gewesen, erzählt der 56-Jährige. „Andere Menschen, andere Kulturen sind für mich interessant.“ Seit vielen Jahren engagiert er sich nach eigenen Angaben ehrenamtlich, zuletzt in der Flüchtlingshilfe. „Mein Hauptthema ist: Hoffnung geben“, erklärt Lorenz. Und weiter: „Bei der ,Basis‘ gefällt mir sehr, dass es eine Wertegemeinschaft ist.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Armin Broß

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Erstellt:
20. April 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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