„Das fröhliche, menschliche Gesicht von Kirche“

Rastatt (stn) – Draußen bei den Menschen zu sein, das ist die Aufgabe und der Wunsch von Engelbert Baader. Seit dem 1. April ist er der neue Diakon in der Seelsorgeeinheit Rastatt.

„Ein Diakon ist draußen bei den Menschen“, sagt Engelbert Baader, aber auch Taufen, Trauungen und Beerdigungen gehören zu seinen Aufgaben. Foto: Nora Strupp

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„Ein Diakon ist draußen bei den Menschen“, sagt Engelbert Baader, aber auch Taufen, Trauungen und Beerdigungen gehören zu seinen Aufgaben. Foto: Nora Strupp

Aufgewachsen ist der 53-Jährige in Ettlingen. In der dortigen Herz-Jesu-Gemeinde begann damals sein kirchlicher Weg. Nach dem Abitur hat er seinen Zivildienst in einem Ettlinger Alten- und Pflegeheim geleistet. Diese Zeit hat ihn besonders geprägt, wie er sagt. „Dort erlebt man existenzielle Situationen. Situationen von Krankheit, Tod und Sterben“, blickt er zurück. „Etwas, das ich nie vergessen werde: Ein völlig dementer Mann hat seine eigene Frau nicht erkannt, aber an Weihnachten konnte er die drei Strophen von ,Stille Nacht, Heilige Nacht‘ singen.“

Für ihn war dies ein Schlüsselmoment, der ihm zeigte, welche positive Wirkung die Kirche auf den Menschen haben kann.

Nach seinem Zivildienst folgte das Studium der Sozialarbeit in Freiburg, anschließend war Baader Jugendreferent im katholischen Dekanat Baden-Baden. 2005 begann er seine Mitarbeit in der diözesanen Arbeitsgemeinschaft für Kirchenentwicklung. In diesem Kontext war er in den vergangenen Jahren auch immer wieder als Berater in der Seelsorgeeinheit Rastatt tätig gewesen.

Persönlicher Bezug zu Rastatt

Die Stadt war ihm deshalb nicht unbekannt. „Mein ältester Sohn ist außerdem hier zur Welt gekommen. Ich hatte also persönliche Bezüge zu Rastatt und schon einen Eindruck davon, wie die Seelsorgeeinheit aufgestellt ist“, erzählt der verheiratete Familienvater, der 2016 zum Diakon geweiht wurde.

Als er mitbekam, dass die Diakonstelle in Rastatt ausgeschrieben war, zögerte er nicht. „Die Ausrichtung der Seelsorgeeinheit gefällt mir gut. Hier wird den Menschen zugewandt gearbeitet. Hier wird die Frage gestellt ,Was brauchen die Menschen heute?‘. Ich finde es wohltuend, dass eine Kirche nicht nur auf sich selbst guckt. Sie ist lebensnah und nicht abgehoben.“

Bevor er vor rund zwei Wochen hauptberuflicher Diakon in der Seelsorgeeinheit Rastatt wurde, war er nebenberuflich Diakon in der Seelsorgeeinheit Baden-Baden-Rebland.

Seelsorgearbeit als zentrale Aufgabe

Seine Tätigkeit als Diakon ist vor allem geprägt durch Seelsorgearbeit und die Begleitung bei der Liturgie, aber auch Taufen, Trauungen und Beerdigungen gehören zu seinen Aufgaben. „Ein Diakon ist dafür da, auf arme, benachteiligte Menschen zuzugehen, die am Rand der Kirche oder der Gesellschaft stehen, und das, was sie bewegt, ihre Ängste, Sorgen und Nöte in die Kirche zurückzubringen. Die Anzahl der Kirchenmitglieder sinkt. Aber ich bin mir sicher, dass es trotzdem viele Menschen gibt, die nach Gott fragen und auf der Suche nach Antworten sind.“

Diese Menschen abzuholen und zu erreichen, ist ihm wichtig. „Traditionelle Angebote sind gut und schön, aber sie sind nicht für alle ansprechend.“ Stattdessen brauche es niederschwelligere Angebote, etwa im karitativen Bereich. „Wie kann es klappen, dort mit der Kirche zusammenzukommen? Das ist eine Frage, die in der Seelsorgeeinheit diskutiert wird“, erklärt er.

Als Diakon möchte er vor allem eines sein: „Das fröhliche, menschliche Gesicht von Kirche. Ich lache gerne mit anderen Menschen. Die Freude am Leben und der Glaube hängen für mich zusammen. Doch das spart die dunkle Seite und Trauergespräche nicht aus. Auch das gehört dazu.“

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
13. April 2021, 11:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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