Das große Stühlerücken: Viele im Landtag hören auf

Stuttgart (bjhw) – Baden-Württembergs Volksvertretung steht vor einem Generationswechsel – ganz unabhängig vom Wahlergebnis am 14. März.

Edith Sitzmann (Bündnis 90/Die Grünen), Finanzministerin von Baden-Württemberg, spricht im Landtag von Baden-Württemberg. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archiv

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Edith Sitzmann (Bündnis 90/Die Grünen), Finanzministerin von Baden-Württemberg, spricht im Landtag von Baden-Württemberg. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archiv

Einerseits, weil viele altgediente Abgeordnete nicht mehr kandidieren. Und andererseits können Mehrheitsverschiebungen in einzelnen Wahlkreisen zu einer neuen Zusammensetzung des Parlaments führen.
Besonders aufgeschreckt ist die CDU, seit eine Prognose nur noch acht der 70 zu vergebenden Direktmandate als sicher zu gewinnen einstuft. Aber auch einzelne Grüne müssen bangen, weil sie 2016 nur mit wenigen Hundert Stimmen Vorsprung in den Landtag eingezogen waren.

Wehmütig sei er nicht, sagt Karl, genannt Jimmy, Zimmermann, denn „alles hat seine Zeit“. Der Kriminalhauptkommissar sitzt seit 2001 im Landtag. Sein Wahlkreis Kirchheim steht exemplarisch für die Veränderungen im Land, war jahrzehntelang eine der vielen uneinnehmbaren Bastionen der CDU – bis ein junger grüner Kommunalpolitiker sich aufmachte. 2016 gewann Andreas Schwarz das Direktmandat, wurde Fraktionschef und hat Ambitionen auf die Nachfolge von Winfried Kretschmann.

Andreas Schwarz (Bündnis 90/Die Grünen), Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, spricht im Plenarsaal des Landtags. Foto: Christoph Schmidt/dpa

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Andreas Schwarz (Bündnis 90/Die Grünen), Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, spricht im Plenarsaal des Landtags. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Mit Zimmermann gehen unter anderem bei der CDU drei Staatssekretäre: Friedlinde Gurr-Hirsch (Agrar), Wilfried Klenk (Innen) und Stefan Scheffold (Finanzen). Bei der SPD sind es gleich zwei frühere Minister: Reinhold Gall (Innen) und Rainer Stickelberger (Justiz). Bei der FDP sind bereits im Lauf der Legislaturperiode mehrere Neulinge nachgerückt. Jetzt hören Ex-Justizminister Ulrich Goll auf sowie – nach nur einer Legislaturperiode – die einzige Frau der Fraktion, die Stuttgarterin Gabriele Reich-Gutjahr. Die Grünen müssen mit Finanzministerin Edith Sitzmann, Umweltminister Franz Untersteller und der früheren Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch drei Schwergewichte ziehen lassen.

Noch im Herbst hatten CDU-Wahlkampfstrategen die Erwartung, vom Koalitionspartner einige der prestigeträchtigen Direktmandate zurückzuerobern, allen voran das von Verkehrsminister Winfried Hermann, den in seinem Wahlkreis Stuttgart II Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann herausfordert. Oder in Böblingen, wo die Finanzexpertin Thekla Walker mit 37 Stimmen Vorsprung gewinnen konnte. Auch in Ettlingen, Bretten oder Heidenheim lagen die Grünen vor fünf Jahren nur ganz knapp vorn.

Selbst Promis müssen um den Einzug bangen

Inzwischen hat sich laut Umfrage der Wind gedreht. Nach der neuesten Analyse der Trendforscher von www.wahlprogronose.de, die ihre Bewertungen im zweiwöchentlichen Rhythmus vorlegen, „werden die grünen Färbungen auf der aktuellen Wahlkreiskarte zunehmend mehr“. Möglich seien 48 Direktmandate, und damit sogar zwei mehr als 2016. „Auf die CDU entfallen 20“, heißt es weiter. Würde sich das nur annähernd bestätigen, müssten selbst Promis um den Einzug bangen, etwa Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut oder Fraktionsgeschäftsführerin Nicole Razavi. Auch sie hatten 2016 ihren Wahlkreise nur äußerst knapp gewonnen. Anders als in anderen Ländern gibt es im Südwesten keine Landeslisten. Die 70 Wahlkreise gewinnen die Bewerber mit den relativ meisten Stimmen direkt, alle weiteren Mandate werden per Zweitauszählung in den Regierungsbezirken vergeben.


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