Dauerton: Die Quelle sitzt im Benz-Werk

Rastatt (sie) – Seit Monaten liegt ein Geräusch über dem Rastatter Stadtteil Rheinau, jetzt hat Daimler Truck bestätigt, dass der Dauerton es aus dem Werk kommt. Man will Abhilfe schaffen.

Geringe Entfernung: Das Benz-Werk grenzt im Norden an die Rheinau. Die Anwohner sind seit Monaten genervt von einem Dauerton. Foto: Hans-Jürgen Collet

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Geringe Entfernung: Das Benz-Werk grenzt im Norden an die Rheinau. Die Anwohner sind seit Monaten genervt von einem Dauerton. Foto: Hans-Jürgen Collet

Es piept noch immer in der Rheinau. Doch wenigstens haben die genervten Anwohner jetzt in einem Punkt Sicherheit. Was sie und Behörden bereits vermuteten, ist nun bestätigt: Die Quelle des Geräuschs sitzt im benachbarten Benz-Werk.
Seit Monaten liegt ein Dauerton über dem Stadtteil, das manche als Piepen, andere als Brummen beschreiben. Sybille Kirchner, die in der Ernst-von-Biedenfeld-Straße wohnt, zieht den Vergleich mit einer Lüftungsanlage heran. Das Geräusch scheint zwar in der Rheinau besonders präsent zu sein, aber auch Bewohner anderer Viertel schildern ähnliche Beobachtungen.

Auch bei Jutta Eckert-Schirmer, die im Dichterviertel in der Goethestraße wohnt, brummt es: „Insbesondere am Wochenende und nachts sind die Geräusche vor allem bei Westwind deutlich vernehmbar.“ Ihr Mann habe mit seinem Handy am offenen Fenster 43 bis hin zu Spitzenwerten von 60 Dezibel gemessen. Die Schlafqualität leide.

Weitere Untersuchungen stehen an

Kirchner vermutet seit Langem, dass der Ton, der die Stadt beschallt, seinen Ursprung im Benz-Werk hat: „Auf dem Parkplatz von Tor 1 hört man das Geräusch sehr gut.“ Das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe bestätigte in der vergangenen Woche den Verdacht. Nachdem sich Kirchner telefonisch ans RP gewandt hatte, hakte die Behörde im Werk nach. Pressesprecherin Irene Feilhauer sagte: „Der Immissionsschutzbeauftragte hat uns bestätigt, dass die Lärmproblematik beim Getriebewerk liege.“

Eine Stellungnahme des Konzerns stand bislang allerdings aus. Ein Sprecher der Daimler Truck AG bestätigte aber jetzt: „Wir konnten bei Messungen ein Geräusch ausfindig machen, das wahrscheinlich zu dem beschriebenen Ton passt.“ Eine abschließende Bewertung sei aber noch nicht möglich, da weitere Untersuchungen ausstünden.

Die Frage, welches Gerät den Ton verursacht, lässt der Sprecher unbeantwortet. Er teilt nur allgemein mit: „Wir haben erste Maßnahmen unternommen, um das Geräusch abzuschwächen. Derzeit prüfen wir die Wirksamkeit dieser Maßnahmen, entsprechend ist es aktuell für weitere Details noch zu früh.“

Nach dieser Ankündigung hat Kirchner die Ohren noch einmal besonders gespitzt – und zeigt sich ernüchtert. „Leider bemerke ich noch keine Besserung“, sagt sie.

Umweltamt und Unternehmen in „engem Austausch“

Die Gewerbeaufsicht über den betroffenen Werksteil führt nicht das Regierungspräsidium Karlsruhe, sondern das Landratsamt Rastatt. Der Standort ist aufgeteilt in das Pkw-Fertigungswerk, das heute zur Mercedes-Benz Group AG gehört, und das Getriebefertigungswerk, zugehörig zur Daimler Truck AG.

Das RP ist zuständig für das Pkw-Werk, das Landratsamt für das Getriebewerk. Auch von dort gibt es bislang allerdings keine Auskunft zur konkreten Quelle des Geräuschs. Das Umweltamt steht laut einer schriftlichen Stellungnahme zwar „im engen Austausch mit der Daimler Truck AG“, aber „da die Geräuschquelle bisher noch nicht ausfindig gemacht werden konnte, kann auch noch keine abschließende Aussage getroffen werden“.

Ob die aktuellen Nachforschungen in- und außerhalb der Werksgrenzen am Ende tatsächlich dazu führen, dass Ruhe einkehrt, ist nicht gesichert. Das Landratsamt schreibt weiter: „Sobald die Quelle der Geräusche gefunden ist, wird von Seiten des Umweltamts ermittelt, ob diese die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich des Immissionsschutzes erfüllt.“

Insbesondere werde geprüft, ob von der Quelle schädliche Umweltauswirkungen in Form von Lärm ausgehen. „Sollte dies der Fall sein, werden entsprechende Maßnahmen ergriffen.“ Umgekehrt bedeutet das allerdings auch: Lässt sich das subjektive Empfinden der Anwohner, die das Geräusch stört, nicht in harten Messwerten belegen, könnten sie Pech gehabt haben.

Zum Thema: Daimler Truck

Im vergangenen Jahr gliederte Daimler seine Nutzfahrzeugsparte in die Daimler Truck AG aus. Seit dem 1. Februar firmiert die übrig gebliebene Pkw-Sparte unter dem Namen Mercedes-Benz Group AG.

Das Werk in Rastatt ist in zwei Bereiche gegliedert, die mit der Aufspaltung des ehemaligen Daimler-Konzerns nun zu zwei verschiedenen Unternehmen gehören. Das Pkw-Werk, in dem die Mitarbeiter unter anderem die A- und B-Klasse fertigen, gehört zur Mercedes-Benz Group. Das Getriebewerk ist Teil von Daimler Truck.

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Ihr Autor

Holger Siebnich

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Erstellt:
16. Februar 2022, 16:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

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