David gegen Goliath

Stuttgart/Washington D.C. (fk) – Anlässlich der US-Wahl vergleichen Stuttgarter Statistiker Baden-Württemberg mit den USA – das liefert einige interessante Ergebnisse. Das BT gibt einen Überblick.

Bei den CO2-Emissionen sind die Unterschiede seit Langem gravierend. In Baden-Württemberg, das auch deutlich über dem deutschen Schnitt liegt, betrugen sie im Jahr 2018 rund 6,3 Tonnen je Einwohner, in den USA 16,4 Tonnen. Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg / Grafik: Jasmin Vogt/BT

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Bei den CO2-Emissionen sind die Unterschiede seit Langem gravierend. In Baden-Württemberg, das auch deutlich über dem deutschen Schnitt liegt, betrugen sie im Jahr 2018 rund 6,3 Tonnen je Einwohner, in den USA 16,4 Tonnen. Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg / Grafik: Jasmin Vogt/BT

Rund 6.630 Kilometer, ein Ozean, fünf Zeitzonen und ziemlich sicher Lichtjahre in der Weltanschauung liegen zwischen der Stuttgarter Villa Reitzenstein, wo Winfried Kretschmann das Zepter in der Hand hält, und dem Weißen Haus in Washington D.C. Trotzdem sind Baden-Württemberg und die USA miteinander verknüpft wie David und Goliath. Denn obwohl Welten zwischen der Supermacht und unserem südwestdeutschen Bundesland liegen, kann sich der Kleine in manchen Dingen durchaus mit dem Großen messen und vergleichen. Das Statistische Landesamt in Stuttgart hat genau das anlässlich der bevorstehenden US-Wahl am kommenden Dienstag getan. Ein Überblick:

Bevölkerung und Lebenserwartung:

In Baden-Württemberg leben mit 11,1 Millionen Menschen deutlich weniger als in den USA mit 331 Millionen. Umgekehrt verhält es sich dem Statistischen Landesamt zufolge allerdings mit der Bevölkerungsdichte. 2018 lebten in den Vereinigten Staaten 36 Personen pro Quadratkilometer, während es in Baden-Württemberg 310 Personen waren.

Nicht ganz so deutlich fällt der Unterschied bei der Lebenserwartung aus. Stand 2018 haben in Baden-Württemberg geborene Mädchen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84,2 Jahren und Jungen von 79,8 Jahren. In den USA sind es mit 81,1 Jahren bei Frauen und mit 76,1 Jahren bei Männern jeweils knapp drei Jahre weniger.

Wirtschaft:

Um keine durch Corona verfälschten Werte zu bekommen, wird das Jahr 2019 zum Vergleich herangezogen. Damals betrug das reale Wirtschaftswachstum in den USA 2,2 Prozent. Damit entwickelte sich die US-Wirtschaft deutlich dynamischer als in Deutschland (plus 0,6 Prozent) oder in Baden-Württemberg (plus 0,1 Prozent). Allerdings ist das für die USA kein unüblicher Wert – bei den Vorgängern Trumps war das Wachstum teils deutlich größer. Bill Clinton verzeichnete 4,0 Prozent, John F. Kennedy sogar 5,5 Prozent, Obama 2,3 Prozent. Außerdem beruht das Wirtschaftswachstum in der Trump-Administration auf teils kurzfristigen Effekten.

2018 investierten die baden-württembergischen Unternehmen 26,4 Prozent ihrer gesamten Direktinvestitionen in den USA. Dies entsprach einem Gegenwert von 79,8 Milliarden Euro, so das Statistische Landesamt. Im Gegenzug stehen US-Unternehmen ihrerseits für 8,2 Prozent oder 4,4 Milliarden Euro der getätigten Direktinvestitionen im Südwesten.

Umwelt und Natur:

Bei den CO2-Emissionen sind die Unterschiede seit Langem gravierend. In Baden-Württemberg, das auch deutlich über dem deutschen Schnitt liegt (siehe Grafik), betrugen sie im Jahr 2018 rund 6,3 Tonnen je Einwohner, in den USA 16,4 Tonnen.

Ähnlichkeiten gibt es indes in Sachen Wald und Landwirtschaft. Denn während laut Statistischem Landesamt Stuttgart die bewaldete Fläche in den USA 33,9 Prozent beträgt (Stand 2017), sind es in Baden-Württemberg gerade mal knapp vier Prozent mehr (37,8 Prozent 2017). Ein noch ähnlicheres Verhältnis zeigt sich bei der Landwirtschaftsfläche. In den USA wurden im gleichen Jahr 44,3 Prozent landwirtschaftlich genutzt; in Baden-Württemberg waren es 45,1 Prozent.

Forschung und Entwicklung:

Nach den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2017 investierte Baden-Württemberg 5,6 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Forschung und Entwicklung (FuE) und weist damit laut den Stuttgarter Statistikern in der EU die höchste FuE-Intensität auf. In den USA liegt diese indes nur bei 2,8 Prozent, in Deutschland bei rund 3,1 Prozent. Allerdings: Im Vergleich zu Baden-Württemberg weisen die Bundesstaaten New Mexico (7,0 Prozent) und Massachusetts (5,8) eine noch höhere FuE-Intensität auf. In welchen Bereichen geforscht wird, wird bei den Zahlen allerdings nicht unterschieden – ob nun für Medizin, Militär et cetera. In absoluten Zahlen sieht es naturgemäß etwas anders aus: Kalifornien beispielsweise investiert 5,4 Prozent des BIP in FuE – 150,9 Milliarden US-Dollar. In Baden-Württemberg sind es nur 37,7 Milliarden US-Dollar.


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