Defekter Gebläsemotor legt Heizung lahm

Gaggenau (tom) – Sie ist die größte Sporthalle im Stadtgebiet – und ein Sanierungsfall. Nun ist in der Traischbachhalle auch die Heizung für die Umkleidebereiche defekt.

Ortsbildprägend: Die Sanierung der Traischbachhalle wird um mindestens ein weiteres Jahr verschoben. Foto: Thomas Senger/Archiv

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Ortsbildprägend: Die Sanierung der Traischbachhalle wird um mindestens ein weiteres Jahr verschoben. Foto: Thomas Senger/Archiv

Während diese Störung Anfang Februar behoben werden könnte, wird sich die Generalsanierung des Gebäudes um mindestens ein weiteres Jahr verschieben. Eigentlich war für Ende 2022 die Vergabe der ersten Planungsrate vorgesehen.

Selten werden sich selbst unsportliche Schüler so gefreut haben, den eigentlichen Hallenbereich mit Spielfeld und Sportgeräten zu betreten: Denn dort ist es wenigstens angenehm warm. Die Umkleiden hingegen laden wegen ihrer kühlen Temperaturen nicht zum Verweilen ein.

Grund für die Störung ist ein defekter Motor für die Belüftungsanlage, erläutert die Stadtverwaltung auf BT-Anfrage. Der Schaden sei bereits am 23. Dezember aufgetreten. In der ersten Januarwoche hat eine Heizungsfirma die Anlage in Augenschein genommen; der Reparaturauftrag wurde am 10. Januar erteilt.

Somit gab es für die ersten Sportler nach den Weihnachtsferien eine unterkühlte Begrüßung beim Betreten der Umkleiden. In etwa zehn bis 15 Tagen, also wohl in der ersten Februarwoche, soll der neue Motor eingebaut werden.

Die Kosten beziffert das Rathaus auf ungefähr 2.200 Euro.

Es gebe aber derzeit keinen Anlass, Schul- und Vereinssport nicht stattfinden zu lassen, betont die Stadtverwaltung. „Schließlich ist nur der Umkleidebereich betroffen“, betont Sprecherin Judith Feuerer.

Seit Jahrzehnten Energievergeudung

Bis vor kurzem war für die notwendige große Sanierung der Traischbachhalle im Doppelhaushalt für das Jahr 2022 eine erste Planungsrate vorgesehen. Doch das Geld wurde quasi umgewidmet: Denn die Stadt schafft für alle Schulen Raumluftanlagen an – dafür soll das Geld verwendet werden.

Meistens überhitzt, derzeit eher kalt: Einer der Umkleideräume in der Traischbach-Halle. Foto: Thomas Senger

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Meistens überhitzt, derzeit eher kalt: Einer der Umkleideräume in der Traischbach-Halle. Foto: Thomas Senger

Wie es nun mit der Sanierung der Halle weitergeht – beziehungsweise, wann sie denn überhaupt einmal beginnen soll, das wird sich in den Beratungen zum nächsten Doppelhaushalt 2023/24 weisen.

Frühestens also könnte 2023 die erste Planungsrate vergeben werden, frühestens sei dann im Jahr 2024 mit der Vergabe der ersten Aufträge zu rechnen.

Der defekte Lüftungsmotor ist demgegenüber nur eine Kleinigkeit – doch auch ein Fingerzeig auf den Zustand des Gebäudes und auch der Heizanlage. Denn oft herrscht in den Umkleideräumen eine tropische Hitze und läuft das Gebläse anscheinend unter Volllast. Die Energieeffizienz des Gebäudes gilt als katastrophal: Überhitzte Räume einerseits, großflächige Uralt-Fenster, schlechte Dachisolierung, veraltete Heizungs- und- Lüftungsanlage andererseits, durch die die Luft im Traischbachtal geheizt wird. Jahr für Jahr wird seit Jahrzehnten in dieser Halle städtisches Geld sprichwörtlich zum Fenster hinausgeworfen.

Gigantischer Sanierungsfall

„Die Stadt Gaggenau lässt derzeit ein Gutachten zum energetischen Sanierungsbedarf der Traischbachhalle erarbeiten, um danach die weiteren Schritte für eine Generalsanierung der Halle festzulegen“, erklärte das Rathaus im Dezember 2020: „Wesentliche Bestandteile werden die Dach- und Fassadensanierung sein, aber auch im Innern stehen verschiedene Maßnahmen an.“

Die Traischbachhalle aus den früher 70er Jahren – ein gigantischer Sanierungsfall: Aber der Kommunalpolitik waren in den vergangenen Jahren andere Projekte wichtiger. So auch nun, wegen der Raumluftanlagen für städtische Schulen.

In den letzten Jahren wurden lediglich Einzelmaßnahmen umgesetzt, zum Beispiel neue Fenster für die Gaststätte (die seit 2014 nach dem Weggang der Pächterfamilie Kaldma ins Unimog-Museum viele Monate des Leerstands hatte) oder im VFB-Kabinentrakt – wo es dringendst notwendig war. Auch der Sportausschuss hatte sich des Themas Hallensanierungen angenommen. Auch dieses Gremium wies darauf hin, dass die Traischbachhalle die städtische Anlage ist mit dem längsten Sanierungsstau.

Doch bislang fehlte es am politischen Willen, das nötige Geld in der Kernstadt auszugeben. Dabei würde eine Sanierung auch gigantische Kosten wieder einsparen. Denn die Halle ist eine Energieschleuder.

Das weiß man auch im Rathaus: „Die Sanierung der Halle steht vor allem auch aus energetischen Gründen auf der städtischen Agenda“, betonte man bereits Ende 2020 dort. Aber: „Seriöse Aussagen zu den Kosten können wir erst nach Vorliegen des Energiegutachtens und einer ersten Vorplanung machen.“

Bis dahin wird noch viel heiße Luft aus den Umkleiden in die Umgebung entweichen, wird man sich beim Duschen entweder schier verbrühen oder Frostbeulen holen. Dabei ist die energetische Sanierung nur ein Anfang. Wer die Halle betritt, den empfängt nicht nur der Muff der 70er Jahre, sondern ab und zu auch ein übler Gestank aus der Kanalisation. Vom äußeren Erscheinungsbild des trostlosen Klotzes einmal ganz zu schweigen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
20. Januar 2022, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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