Dehoga: Lockdown falscher Weg, aber zunächst keine Klage

Stuttgart/Baden-Baden (fk/bjhw) – Der Dehoga sieht ein Drittel der Gastronomiebetriebe im Land in Gefahr. Klagen will man vorerst trotzdem nicht, das sehen auch mittelbadische Dehoga-Vertreter so.

Viele Betriebe stehen wirtschaftlich schon mit dem Rücken zur Wand, sagt der Dehoga. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

© dpa-avis

Viele Betriebe stehen wirtschaftlich schon mit dem Rücken zur Wand, sagt der Dehoga. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Hans Schindler, Gastwirt und Baden-Badener Dehoga-Vorsitzender, versteht die Welt nicht mehr – zumindest die politische. Von einer „Katastrophe“ spricht er, vom „Todesstoß für den Intensivpatienten“. Gemeint ist die Gastronomie, die angesichts der neuen Beschlüsse ganz besonders an Corona leidet. Heilungschancen sieht Schindler kaum: Der Lockdown jedenfalls sei die völlig falsche Maßnahme. Auch wenn es für die Wirte 75 Prozent der Umsätze im November 2019 vom Staat als Kompensation gibt.

„Lockdown light“ aus Sicht des Gastgewerbes „ein harter Lockdown“

Der Dehoga Baden-Württemberg hat eine Argumentationshilfe vorgelegt und will damit untermauern, dass der „Lockdown light“ aus Sicht des Gastgewerbes „ein harter Lockdown mit dramatischen Auswirkungen auf Betriebe und Beschäftigte ist“. Entsprechend bitter und zornig sei die Stimmung, sagt Daniel Ohl, der Pressesprecher. Gerade die Wirte hätten ausgeklügelte und weitreichende Hygienekonzepte entwerfen müssen, die ein gefahrloses Öffnen der Betriebe ermöglichten, erläutert Schindler. Jetzt würden aber alle Gastwirte anstatt der „zwei, drei schwarzen Schafe bestraft, die sich nicht an die Regeln halten“. Es sei von den Behörden versäumt worden, stärker zu kontrollieren.

Vor einer endgültigen Bewertung der Ausgleichszahlungen will sich der Landesverband indes noch im Detail befassen. „Bis zu 75 Prozent klingt wuchtig“, so Ohl. Viele Fragen seien aber unbeantwortet, etwa, wie mit Betrieben umgegangen werde, die Lieferservice anböten. Oder, wie und in welchem Umfang bisher laufende Hilfen auf die Nothilfe angerechnet werden müssten. Auch sei unklar wie sichergestellt werde, „dass Betriebe aller Größenklassen die Nothilfe im angekündigten Umfang erhalten, also auch größere mit über 249 Beschäftigte“. Das Angebot reiche nicht, ist sich Schindler dagegen sicher: „Und wer weiß, was bis Ende November passiert.“ Vor allem sei noch nicht klar, welche Einnahmen aus 2019 und welche Kostenabzüge in den 75 Prozent wirklich berücksichtigt würden.

„Viele Betriebe stehen wirtschaftlich schon mit dem Rücken zur Wand“

„Wer jetzt schon etwas schwächer auf der Brust ist, der kommt in ernsthafte Schwierigkeiten“, sagt der Baden-Badener, „auch, weil der Lockdown in eine Zeit fällt, in der Wirte normalerweise viel Umsatz machen. „Viele Betriebe stehen wirtschaftlich schon mit dem Rücken zur Wand“, heißt es auch in dem Dehoga- Papier, „wir schätzen, dass rund ein Drittel der Unternehmen im Gastgewerbe durch die Corona-Krise in ihrer Existenz gefährdet sind.“

Für das Personal, so Schindler, sei die Situation erst recht eine Katastrophe, egal ob im Gastraum, beim Zimmerservice oder in der Küche. Die Beschäftigten müssten teilweise wieder in Kurzarbeit gehen, entsprechend fehle der Verdienst. Bei den Kellnern und Kellnerinnen falle zudem das Trinkgeld weg, das einen erheblichen Anteil des Verdiensts ausmache.

Jetzt gelte es erst einmal, die Verordnung genau zu prüfen, wenn sie schriftlich vorliege. „Besonnen“, so der Landesverband in seinem Papier, werde dann entschieden, ob Klagen zu unterstützen sind. „Wir halten an unserer Auffassung fest, dass der Lockdown unverhältnismäßig ist und Gastronomie wie Hotellerie nachweislich keine Pandemie-Treiber sind“, so Ohl. Der Dehoga könne also auch nicht selbst klagen, „da nur direkt Betroffene klageberechtigt sind“. Auch Schindler hält aktuell wenig vom voreiligen Ruf nach Klagen gegen die neue Verordnung.

Zum Artikel

Erstellt:
29. Oktober 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.