Dem Martha-Jäger-Haus droht die Abrissbirne

Rastatt (dm) - Die Tage des Martha-Jäger-Hauses sind gezählt. Nicht nur als Pflegeheim. Auch das Gebäude selbst ist nach Ansicht der Stadt nicht zu retten.

Ausgedient: Die Geschichte des Martha-Jäger-Hauses als Pflegeheim ist bald vorbei. Pläne für das Areal sehen einen Abbruch der Gebäudesubstanz vor. Foto: Frank Vetter/Archiv

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Ausgedient: Die Geschichte des Martha-Jäger-Hauses als Pflegeheim ist bald vorbei. Pläne für das Areal sehen einen Abbruch der Gebäudesubstanz vor. Foto: Frank Vetter/Archiv

Dies ist das Ergebnis von Untersuchungen zur Frage der weiteren Nutzung des Komplexes. Am Montagabend soll der Technische Ausschuss grünes Licht dafür geben, die Pläne für das Areal auf der Grundlage eines Abrisses weiter zu verfolgen.
Wie berichtet, gibt das Klinikum Mittelbaden, das das Pflegeheim betreibt, den Standort auf und zieht stattdessen in die neu entstehende Einrichtung auf dem Hatz-Areal ein. Eigentlich wollte man längst dort angekommen sein, doch es kam zu Verzögerungen bei der Fertigstellung. „Spätestens ab dem 1. April“, so die Stadtverwaltung, soll der Bezug nun erfolgt sein, sodass ab diesem Datum mit einem Leerstand der Gebäude in der Herrenstraße zu rechnen sei.

Der Gebäudekomplex ist nach wie vor im Eigentum der Stadt. Einst hatte sie das 1954 gegründete Martha-Jäger-Haus, an das 1985 ein Neubau angedockt wurde, selbst geführt. Doch als sich abzeichnete, dass ein wirtschaftlicher Betrieb durch die Stadt kaum zu stemmen sei – insbesondere vor dem Hintergrund verschärfter gesetzlicher Regelungen, die eine umfängliche Sanierung des Hauses erforderlich gemacht hätten –, übergab man die Betriebsträgerschaft zum 1. Januar 2019 ans Klinikum Mittelbaden.

Machbarkeitsstudie geplant

Das hatte große Pläne – und zog schon im Herbst 2020 für die Öffentlichkeit überraschend die Reißleine. Zu groß seien die baulichen Mängel, wie sich bei der Erstellung eines neuen Konzepts herausgestellt habe – vom Brandschutz über die Gipsdecken bis hin zur Trinkwasserinstallation.

Nicht nur das: Wie sich inzwischen gezeigt habe, sei die vorhandene Gebäudestruktur auch für eine andere Nutzung nicht geeignet, wie es jetzt in den Unterlagen der Verwaltung heißt. Eine Sanierung wäre daher nicht nur aufwendig und teuer, sondern würde von vorneherein Einschränkungen mit sich bringen, argumentiert das Rathaus. Teilweise niedrige Deckenhöhen, auf Pflege zugeschnittene Grundrisse, Defizite bei der technischen Infrastruktur, geringe statische Flexibilität und zu wenig Nutzfläche stehen auf der Nachteile-Liste. Mit Erhalt des Gebäudes, so die Schlussfolgerung, wäre also weder eine nachhaltige noch wirtschaftliche Entwicklung auf dem Areal möglich.

Dabei hat man bereits mehrere Möglichkeiten dort in Betracht gezogen: Als Stadtteilzentrum mit Mensa für Ludwig-Wilhelm-Gymnasium und Hansjakobschule, Kindertageseinrichtung, für schulische Nutzung, Gemeinwesenarbeit und Jugendcafé – und nicht zuletzt für „Wohnen in verschiedenen Formen“.

Was nach einem Abbruch auf dem Areal geht, das soll eine Machbarkeitsstudie aufzeigen. Die genannten Möglichkeiten sind dabei nicht aus dem Spiel.

Möglicherweise, so die Verwaltung, ergeben sich in der Studie aber noch weitere Potenziale. Die Ergebnisse sollen, falls der Ausschuss grünes Licht gibt, im kommenden Jahr vorliegen.


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