SC Freiburg: Demirovic hinterlässt erste Spuren

Freiburg(mi) – Im bisherigen Bundesliga-Saisonverlauf ist Neuzugang Ermedin Demirovic noch kein Faktor beim SC Freiburg gewesen. Das könnte sich nach seinem Auftritt gegen Mönchengladbach ändern.

Freiburgs Ermedin Demirovic (links) hat bei seinem erst zweiten Startelf-Einsatz überzeugt.Foto: Tom Weller/dpa

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Freiburgs Ermedin Demirovic (links) hat bei seinem erst zweiten Startelf-Einsatz überzeugt.Foto: Tom Weller/dpa

Die Anfeuerung hat jeder im fast leeren Schwarzwaldstadion mitbekommen. „Super Junge, mach so weiter“: Christian Streichs Stimme ist auch zu Ermedin Demirovic auf dem Platz durchgedrungen. Gerade war der Stürmer des SC Freiburg beim 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach einer von denen gewesen, die „wie die Blöden angelaufen sind“, wie Streich nachher zum Besten gab.
Und ein durchs Stadion hallendes „Super, super, super“ folgte von Streich, nachdem der Bosnier, mit dem Rücken zum Borussen-Gegenspieler stehend, den Ball perfekt Lucas Höler in den Lauf spielte, Letzter aber frei vor Torwart Yann Sommer erst den rechten Pfosten traf, und den Abpraller übers Tor lupfte. Wäre Demirovic frei zum Abschluss gekommen, wäre es vielleicht sein erstes Tor im SC-Trikot geworden.

Auch bei zwei weiteren kernigen Schüssen verhinderte nur der am Samstag überragend haltende Schweizer Schlussmann seinen ersten Glücksmoment im Schwarzwald. Doch der Stürmer ist angekommen in Freiburgs Truppe, es war erst sein zweiter Startelf-Einsatz, nachdem er zuvor wochenlang nur mal einige Minuten mittun durfte. „Er ist jetzt auf einem guten Weg“, hatte Streich schon in Augsburg die Fortschritte des Neuzugangs lobend erwähnt.

Er ist nicht der erste Neue im Breisgau, der eine gewisse Eingewöhnungszeit für die Laufwege und die Abstimmung mit den im System erfahrenen Kollegen benötigt. Einige hatten vielleicht schon gezweifelt, ob der 22-Jährige, der immerhin knapp vier Millionen Euro kostete und zuletzt 14 Mal in 28 Spielen für den FC St. Gallen geknipst hatte, wirklich eine Verstärkung oder gar eine Kompensation für den abgewanderten Luca Waldschmidt darstelle.

Vergleichen kann man die Beiden mitnichten, was schon die bullige Statur des 1,85 Meter großen Modellathleten verbietet. Obgleich er schnell und technisch beschlagen ist, ist er mit seiner Wucht eher der Typ Stoßstürmer, der auch physisch hart zu arbeiten versteht. In der Schweiz setzte er mehr als eine Duftmarke, zuvor war er über Jahre eher ignoriert worden.

„Ich war am Boden zerstört“

Wie Waldschmidt war er bei seinem Ausbildungsverein HSV, dessen Kürzel in Liga zwei mittlerweile für „Hilfloser Sport-Verein“ steht, ohne Bedauern fortgeschickt worden. „Das war hart, ich war am Boden zerstört“, erinnerte sich Demirovic im SC-Trainingslager. Viel besser erging es ihm auch nicht in der Akademie von RB Leipzig und später mit dem ersten Profivertrag ausgestattet in Spanien und Frankreich. In Alaves und Sochaux wurde er ebenso wenig glücklich, die Karriere schien früh in der Sackgasse zu enden.

Dass es als Profi bisweilen Sinn machen kann, auf die Lebensgefährtin zu hören, rettete womöglich Demirovics Laufbahn. Herzdame Sandra riet dem zweifelnden Bosnier zum Wechsel. Im Nachhinein war es genau die richtige Entscheidung, wohl auch, weil in St. Gallens Peter Zeidler erstmals ein Trainer auf ihn baute. Danach machte es reihenweise bumm, bumm.

„Was für mich zählt, ist die Meinung des Trainers. Und das Gespräch mit Christian Streich hat mich überzeugt“, erkannte er Parallelen zu Zeidler. Fußball-Lehrer Streich hat ihn nach und nach behutsam an die erste Elf herangeführt. Auf sein erstes Saisontor wartet Ermedin Demirovic so sehnsüchtig wie Streich auf den ersten Saison-Heimsieg. Das richtungsweisende Heimspiel gegen Arminia Bielefeld ist der perfekte Zeitpunkt, um den Bann doppelt zu brechen.

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Erstellt:
7. Dezember 2020, 16:20 Uhr
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