Demo in Baden-Baden verläuft friedlich

Baden-Baden (BNN) – An diesem Sonntag demonstrierten mehr als 1.000 Menschen in Baden-Baden gegen die Corona-Maßnahmen. Dabei blieb es friedlich.

Demonstrationszug: Nach der Kundgebung ziehen die Teilnehmer durch Baden-Baden.Fotos: Dominik Schneider

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Demonstrationszug: Nach der Kundgebung ziehen die Teilnehmer durch Baden-Baden.Fotos: Dominik Schneider

Sonntag, Reinhard-Fieser-Brücke, kurz vor 14 Uhr: Auf der Brücke sind die leichten Klänge von Marius Müller-Westernhagens Rockballade „Freiheit“ über die Lautsprecher zu hören. Die Demonstrationsteilnehmer versammeln sich nach und nach. Die „Regenschirm-Demo“ nach dem Vorbild Hongkongs wurde von der Bürgerinitiative „Aufrecht:Freidenken“ und der Partei „Die Basis“ organisiert.

Hank nennt Corona-Impfungen ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

Auf der Kundgebung spricht auch Peter Hank, der in Baden-Baden Oberbürgermeister werden und für die Partei „Die Basis“ antreten will. Der 67-jährige ehemalige Leiter der städtischen Galerie Fruchthalle in Rastatt ist zudem Mitorganisator der wöchentlichen Demonstrationen. An diesem Sonntag bezeichnet er die Corona-Impfungen als „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und als „genozidales Experiment, in das nun auch noch unsere Kinder mit einbezogen werden sollen“. Im Völkerrecht ist das „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ ein Straftatbestand, der durch einen systematischen Angriff gegen eine Zivilbevölkerung gekennzeichnet ist.

Ihm liege es fern, Geimpfte auszuschließen, sagt Hank. „Die Geimpften brauchen unsere Fürsorge“, so der 67-Jährige, der die „Geimpften“ in drei Arten einteilt: den gleichgültigen, den heroischen und den reuigen Typ. Insbesondere auf den Letzteren sollte man zugehen und in Gesprächen dafür sorgen, dass keine Folgeimpfung geschehe. „Wir wollen für Freiheit und Menschlichkeit zusammenstehen“, so der mögliche Bewerber um das Baden-Badener Oberbürgermeisteramt.

Vergangene Woche sorgten Filmaufnahmen von Stern TV für Wirbel, die Hank bei einer Demonstration in Berlin im November 2020 zeigen. Er ruft darin mit geballter Faust lautstark zur Besetzung eines Wasserwerfers auf.

Flaggen, Aufkleber und Räucherstäbchen

Viele der Demonstrationsteilnehmer am Sonntag tragen einen gelben Aufkleber mit einem roten Herzen und der Aufschrift „Impf-Pflicht? Nein Danke!“ an der rechten Brust. Ein Pärchen zündet Räucherstäbchen an. Andere Teilnehmer wiederum sind mit der deutschen Flagge zur Kundgebung gekommen. Bei einer Teilnehmerin steht auf einem Pappschild „Demokratieverfall stoppen.“ Auf einem roten T-Shirt eines Teilnehmers steht in weißer Schrift: „Ungeimpft, gesund, geächtet, genötigt, erpresst“.

Die behördlichen Auflagen für die Kundgebung sind unter anderem anderthalb Meter Mindestabstand zwischen den Teilnehmern. Zudem sollen beim anschließenden Demonstrationszug Dreier- und Vierer-Reihen gebildet werden, damit der Zug nicht so breit wird. Die Polizei kontrolliert die Mindestabstände bei der Kundgebung regelmäßig und macht die Organisatoren auf Verstöße aufmerksam, die darauf sofort reagieren. Die Teilnehmer tragen keinen Mund- und Nasenschutz. Nach dem Demonstrationszug durch die Stadt gibt es ein offenes Mikrofon und Dialog. Die Organisatoren betonen, dass jede Meinung willkommen sei.

Kommentar von Ulrich Coenen:

Irrsinnige Vorwürfe
Soll man entsetzt sein oder ratlos? Peter Hank blickt als ehemaliger Leiter der städtischen Galerie Fruchthalle in Rastatt auf ein erfolgreiches Berufsleben zurück. Der 67-Jährige hat ein wissenschaftliches Studium an der Freien Universität Berlin abgeschlossen. Was er am Sonntag in Baden-Baden auf der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen erzählt hat, lässt an seiner wissenschaftlichen Qualifikation zweifeln.

Hank, der für die „Basis“ bei der Baden-Badener OB-Wahl antreten will, verbreitet vor mehr als 1.000 Teilnehmern schlicht und ergreifend Unsinn. Er spricht im Hinblick auf die Corona-Impfungen von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und nennt sie ein „genozidales Experiment“. Aus der rechten Ecke sind irrsinnige Vorwürfe gegen Demokraten bekannt. Der unsinnige Vergleich scheint mit Absicht gewählt: Beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess gegen die führenden Nazis mussten sich Hermann Göring und seine Bande unter anderem wegen dieses Verbrechens verantworten.

Völlig unwissenschaftlich ist der Vorwurf des Impf-Experiments. Führende Fach-Wissenschaftler betonen das immer wieder, ohne die Querdenker zu erreichen. Die haben ihre eigenen „Experten“ gefunden. Es sind einige sehr wenige verwirrte Hausärzte. Ab und zu gesellt sich ein längst pensionierter Professor dazu, der lange aus dem Geschäft ist. Diese Parallelwelt ohne Impfstoff und ohne jeden Schutz vor dem Virus ist für die Betroffenen längst lebensbedrohlich geworden.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Dominik Schneider

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Erstellt:
17. Januar 2022, 09:53 Uhr
Lesedauer:
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