Demografische Entwicklung in Ottersweier

Von Joachim Eiermann

Ottersweier (jo) – Kein Grund zur Besorgnis, lautete der Tenor in der Gemeinderatssitzung in Ottersweier zur demografischen Entwicklung. Strukturen vor Ort müssten aber langfristig angepasst werden.

Demografische Entwicklung in Ottersweier

Rezept gegen Überalterung einer Gemeinde: Die Schaffung neuen Wohnraums wie hier in Oberwasser in Unzhurst. Foto: Joachim Eiermann

Die Prognosen bis 2035 geben keinen Anlass zur Besorgnis, dokumentieren aber die Notwendigkeit, in den Bemühungen nicht nachzulassen. Auf diesen Nenner lässt sich der aktualisierte Demografie-Bericht bringen, den der Gemeinderat Ottersweier am Montag zur Kenntnis nahm. Die Herausforderung lautet, die Strukturen der sich zunehmend nach oben hin ausbeulenden „Alterspyramide“ anzupassen – angesichts eines Rückgangs an Erwerbstätigen und eines Anstiegs von Ruheständlern.

Bereits zum fünften Mal hatte sich die Gemeindeverwaltung an die Arbeit gemacht, statistische Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse des demografischen Wandels zusammenzutragen, um damit die Bevölkerungsentwicklung vor Ort transparent darzustellen. Carmen Kleinhans (Zentrale Dienste, Bürgerservice und Soziales) erfuhr aus Reihen des Gemeinderats viel Lob für ihre „Fleißarbeit“, die jedoch mehr ist als nur das, soll die Studie doch als Basis für die Zukunftsplanung dienen. Allein sechs Seiten umfasst die Auflistung künftiger Handlungsfelder in puncto Leben und Wohnen, Arbeiten und Lernen, Jugend und Senioren, Gesundheit und Pflege, Kultur und Freizeit sowie Mobilität und technische Infrastruktur. Ein komplexes Werk, eher für eine Klausurtagung prädestiniert als für einen Tagesordnungspunkt einer Gemeinderatssitzung.

Ziel: Attraktives Umfeld für junge Familien

Annette Zink-Maurath (CDU) befand das Papier für „hochinteressant“ und riet, „da regelmäßig reinzuschauen“. Ein wesentlicher Aspekt, um eine Überalterung zu vermeiden, ist die Siedlungsentwicklung. Zink-Maurath leitete daraus für künftige Generationen ab, neue Baugebiete zu gestalten. Der Freie Wähler Dieter Kohler („Ich sehe mich bei den jungen Alten“) und Thomas Metzinger (CDU) hinterfragten die baurechtlichen Möglichkeiten, die angestrebte innerörtliche Verdichtung endlich voranzubringen. Bürgermeister Jürgen Pfetzer berichtete in diesem Zusammenhang von ersten Überlegungen, sowohl in Ottersweier als auch in Unzhurst zwei Bebauungspläne „komplett aufzuheben“, um Bauanfragen ohne Zwänge allein nach der Umgebungsbebauung (nach Paragraph 34 Baugesetzbuch) beurteilen zu können. Das Mehr an Handlungsspielräumen könne „Probleme mit sich bringen, birgt aber auch große Chancen“, so Pfetzer.

„Unser Ziel muss sein, jungen Familien ein attraktives Umfeld zu bieten“, erklärte Mario Panter (Grüne). Er schlug außerdem die Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft vor. Herta Finkbeiner-Schilling (SPD) richtete ihr Augenmerk auf altersspezifische Angebote, die es auszubauen gelte. Sie habe den Eindruck, dass frühere Bewohner, die des Berufs wegen weggezogen seien, im Alter wieder zurückkommen.

Vor der Aussprache hatte Pfetzer die demografische Entwicklung in einem Überblick skizziert. Demnach zeichnet sich in der Altersgruppe von null bis 20 Jahren bis zum Jahr 2035 eine kleine Steigerung von derzeit 1.230 auf 1.272 Personen ab. Indessen droht der Anteil der 20- bis 60-Jährigen, also der Erwerbstätigen, einzubrechen, von 3.423 auf 3.012. Stattdessen kommt Ottersweier „in die Jahre“: Die Anzahl älterer und hochbetagter Menschen steigt der Prognose zufolge von 1.930 auf 2.411. Das Statistische Landesamt sagt für Ottersweier einen Bevölkerungszuwachs auf knapp 6.700 Personen voraus. Das Durchschnittsalter wird auf voraussichtlich 47,2 Jahre anwachsen – höher als im Land Baden-Württemberg (45,6) und im Landkreis Rastatt (46,4). Die Zahl der Geburten (60 im vergangenen Jahr) gleicht erstmals wieder die der Todesfälle (63) fast aus.