Denkmalversetzung: Kosten bereiten Bauchschmerzen

Rastatt (dm) – Bis zu 352.000 Euro will sich die Stadt für die Verlegung des 30er-Denkmals vom Postplatz in den Schlossgarten genehmigen lassen. Im Technischen Ausschuss gab es dafür keine Mehrheit.

Für Bürgermeister Raphael Knoth eine „deutliche Aufwertung“: So sähe das Denkmal am neuen Standort im Rastatter Schlossgarten aus. Visualisierung: Büro „stadt landschaft plus“

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Für Bürgermeister Raphael Knoth eine „deutliche Aufwertung“: So sähe das Denkmal am neuen Standort im Rastatter Schlossgarten aus. Visualisierung: Büro „stadt landschaft plus“

Gut ein Jahr lang hat man nichts mehr gehört von dem Vorhaben, das 30er-Denkmal vom Rastatter Postplatz in den Schlossgarten zu versetzen, nun will die Stadtverwaltung das Projekt angehen. Der Technische Ausschuss hat am Montagabend bei der Vorberatung jedoch mehrheitlich seine Zustimmung verweigert. Grund sind die Kosten. Bis zu 352.000 Euro sollen für die Translozierung (so der Fachbegriff) genehmigt werden. Die Entscheidung liegt beim Gemeinderat.
Wie berichtet, steht das Denkmal der geplanten, auf rund 4,6 Millionen Euro geschätzten Umgestaltung des Postplatzes im Weg. Der Platz-Umbau wurde zwar wegen finanzieller Unwägbarkeiten – auch angesichts von Corona – erst einmal nach hinten geschoben, in die Jahre 2023 bis 2025. Die Versetzung des Monuments wolle man dennoch im Vorfeld bereits angehen, so hatte es bereits im Dezember 2020 geheißen. Wenn man sich dann später die Gestaltung des Postplatzes vornimmt, sei das schon mal erledigt, wie Bau-Bürgermeister Raphael Knoth nun bekräftigte.

„Für das Geld baue ich ein Eigenheim“

Die kalkulierten Kosten sind in der Zwischenzeit indes von 248.000 auf 320.000 Euro angestiegen, plus Puffer ist nun von Gesamtkosten bis zu 352.000 Euro die Rede. Im Gremium sorgte dies für „Bauchschmerzen“, wie Nicole Maier-Rechenbach (SPD) sagte. „Für das Geld baue ich ein Eigenheim“, fehlte ihrem Fraktionskollegen Michael Weck jegliche Relation. Ein Ortstermin mit einem Steinmetz, eine Teilöffnung des Denkmals und die entsprechende Analyse mit Richtpreisangebot liegen den Kostenangaben zugrunde. Da das Areal zudem als „Kampfmittelbestandsfläche“ aus dem Zweiten Weltkrieg gilt, wie Planer Klaus Veiel erläuterte, müssen die Arbeiten zudem entsprechend überwacht werden.

Spätestens bei der beschlossenen Umgestaltung des Postplatzes müsse man die Sache ohnehin angehen, gab Knoth zu bedenken, die Baupreise würden bis dahin sicher weiter steigen. Bis April 2023 könne man für den Abbau am alten Standort zudem mit einem Zuschuss rechnen, weil der Platz im bis dahin geltenden Sanierungsgebiet südliche Innenstadt liegt, so Stadtplaner Markus Reck-Kehl. Dennoch stimmten am Ende nur drei Ausschussmitglieder dafür, dem Gemeinderat die vorgezogene Versetzung zu empfehlen; vier waren dagegen, sieben enthielten sich.

Knoth: Versetzung wäre „deutliche Aufwertung“

Die Verlegung des Monuments an sich hatte in der Vergangenheit in Teilen der Bevölkerung auch Widerspruch hervorgerufen. Das 1934 errichtete Kriegerdenkmal erinnert an die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des 2. Badischen Artillerie-Regiments 30. Wie Raphael Knoth am Montag betonte, sei die Versetzung an den neuen Standort – im nördlichen Bereich des Schlossparks, mit Sitzgelegenheiten und auf derselben Achse, auf der sich bereits das 111er-Denkmal befindet – eine „deutliche Aufwertung“. Man tue dem Monument damit etwas Gutes. „Das“, so findet der Bürgermeister, „kommt in der Diskussion oft zu kurz.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
19. Januar 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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