Der Ball rollt nicht mehr

Baden-Baden (rap) – Auch der Südbadische Fußballverband stellt den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung ein.

Die Zugänge zu den regionalen Fußballplätzen bleiben aufgrund der steigenden Fallzahlen in den kommenden Wochen wieder verschlossen. Foto: Frank Seiter

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Die Zugänge zu den regionalen Fußballplätzen bleiben aufgrund der steigenden Fallzahlen in den kommenden Wochen wieder verschlossen. Foto: Frank Seiter

Gestern Vormittag zog dann auch König Fußball nach, nachdem der Südbadische Handballverband bereits am Mittwoch einen sofortigen Stopp des Spiel- und Trainingsbetriebs erklärt hatte: Die drei baden-württembergischen Fußballverbände, also der südbadische, badische und württembergische, „haben beschlossen, den gesamten Spielbetrieb der Männer, der Frauen sowie der Jugend von der Oberliga Baden-Württemberg abwärts mit sofortiger Wirkung auszusetzen und ein Spielverbot, das zugleich auch Pokal- und Freundschaftsspiele erfasst, zu verhängen“, war in einer Mitteilung zu lesen.

Zudem forderten die drei Verbände alle Vereine auf, den Trainingsbetrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen, selbst wenn die Sportstätten noch geöffnet seien. Auch auf Mannschaftsbesprechungen solle verzichtet werden.

Bereits am Mittwochabend hatte die Bundesregierung sowie die Ministerpräsidenten bei einer virtuellen Konferenz beschlossen, dass der Amateursport bundesweit ab dem 2. November bis zum Ende des Monats eingestellt werde.

Die Entscheidung der drei Fußballverbände erfolge bewusst bereits vor der rechtlichen Umsetzung der Bund-Länder-Beschlüsse und aufgrund der sehr eindringlichen Appelle der Bundes- und Landesregierung, hieß es in der Mitteilung weiter. „Die Entscheidung über die sofortige Aussetzung des Spielbetriebes war einstimmig unter den BW-Fußballpräsidenten, nicht zuletzt aufgrund der steigenden Infektionszahlen. Der SBFV hat in der aktuellen Phase auch eine Fürsorgepflicht für seine Spielerinnen und Spieler und möchte außerdem mithelfen, das umzusetzen, was unsere Landesregierung gestern verkündet hat. Es zählt jeder Tag, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen“, erklärte SBFV-Präsident Thomas Schmidt.

Zahlreiche Absagen gingen voraus

Dass der regionale Fußball nun wieder in einen Dornröschenschlaf fällt, verwundert nicht. Bereits in den vergangenen Wochen wurden, verbunden mit den steigenden Fallzahlen, reihenweise Spiele abgesagt – am vergangenen Wochenende etwa allein in der Kreisliga A, Staffel Nord, fünf von acht Partien.

„Jetzt ist eingetreten, was sich keiner gewünscht hat. Es war aufgrund der Entwicklung der Infektionszahlen aber zu befürchten, dass die Politik gravierende Entscheidungen treffen wird. Wir werden nun in Baden-Württemberg beraten, welche Konsequenzen dies für den Spielbetrieb hat“, sagte SBFV-Vizepräsident Christian Dusch.

Ob im Kalenderjahr 2020 nochmal der Ball rollen wird, ist allerdings mehr als fraglich. Auch der SBFV ging darauf nicht näher ein. Der Verband stehe mit den Behörden in Kontakt und beobachte die Entwicklung aufmerksam. Da der Trainingsbetrieb nun für mindestens vier Wochen auf Eis liegt, scheint eine Wiederaufnahme der Runde Anfang Dezember äußerst unwahrscheinlich. Ab Mitte Dezember ist im Rahmenterminkalender die Winterpause vorgesehen.

Viel Zustimmung

Auch Ralf Balzer rechnet nicht mehr damit, dass in diesem Jahr nochmal auf den Amateurplätzen gekickt wird. „Es spricht ziemlich viel dagegen. Allein vom Zeitplan her, kann ich es mir nicht vorstellen. Trotzdem müssen wir für alle Eventualitäten gerüstet sein“, sagte der sportliche Leiter des Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim gestern auf BT-Nachfrage. „Die Gesundheit steht an erster Stelle. Wenn wir mit der vorzeitigen Pause nur eine einzige Infektion vermeiden können, hat es sich schon gelohnt.“

Dieser Meinung ist auch Johannes Hurle, Trainer des Ligakonkurrenten SV Bühlertal. „Die Absage fürs Wochenende ist völlig richtig. Es hat sich in den vergangenen ein, zwei Wochen schon etwas komisch angefühlt, die Zahlen sind gestiegen, doch der Fußball hat munter weiter gespielt“, erklärte der 30-Jährige, der die Losung für die nächsten Wochen gleich mitgibt: „Gesund bleiben, die Regeln befolgen und Kontakte vermeiden.“ Auch Hurle rechnet nicht damit, dass in diesem Jahr nochmal Spiele stattfinden werden: „Ich denke, dass der regionale Fußball wohl mindestens bis März nächsten Jahres pausieren wird. Dann haben wir immer noch genug Zeit, eine komplette Hinserie zu spielen, damit die Runde gewertet werden kann.“

Auch sein Kuppenheimer Trainerkollege Lucca Strolz hält die „sofortige Pause für sinnvoll, auch wenn wir gerade gut in Form waren und wir das Spiel gegen Villingen II gerne noch absolviert hätten. Auch für den Fußball zählen die beschlossenen Maßnahmen. Es ist gut, dass der Fußball keine Sonderrolle erhält“.

Trotzdem blickt der 27-Jährige auch etwas traurig in die Zukunft: „Uns steht jetzt wieder eine Zeit bevor, in der die Sportart, die wir alle lieben, auf Eis liegt. Ein Trost gibt es: Jetzt habe ich wieder mehr Zeit, um die Bundesliga anzuschauen.“

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Erstellt:
29. Oktober 2020, 17:08 Uhr
Lesedauer:
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