Der Bethlehem-Stern erstrahlt über Sinzheim

Sinzheim (nie) – Weihnachten naht: Der Stern von Bethlehem hat sein Sommerquartier verlassen und hängt nun wieder am Sinzheimer Kirchturm. Wir haben die Montage in luftiger Höhe begleitet.

Julian Gress (blaue Jacke) und Timo Mühle lassen den Stern für alle sichtbar erstrahlen. Foto: Nina Ernst

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Julian Gress (blaue Jacke) und Timo Mühle lassen den Stern für alle sichtbar erstrahlen. Foto: Nina Ernst

„Wolle ma ne raus lasse?“ Ja, genau raus. Nicht rein. Und die Antwort lautet jedes Jahr im November Ja: Der Stern von Bethlehem hat am Freitag sein Quartier im Inneren des Sinzheimer Kirchturms verlassen und ist nun hoch oben über der Stabsgemeinde weithin zu sehen. Ausgerüstet mit Akkuschrauber und Schraubenzieher erklimmen Timo Mühle und Julian Gress von den Sinzheimer Gemeindewerken die rund 200 Stufen des Kirchturms. Schwindelfrei sind sie, das ist auch nötig für ihren Arbeitsplatz etwa 70 Meter über dem Erdboden. Hoch oben werden sie belohnt: mit dem wohl schönsten Rundumblick über Sinzheim. „Die Aussicht ist echt mega hier“, findet auch Elektroinstallateur Timo Mühle, und Julian Gress lacht: „Von hier kann man gut dem Bürgermeister winken.“ Klitzeklein tut sich nämlich das Rathaus vor einem auf.

Stern zeigt wieder in die richtige Richtung

Apropos lachen: Gute Laune haben die beiden, da wird auch über den Akkuschrauber, der noch von der letzten Stern-Demontage oben im Kirchturm liegt geschmunzelt und mit Humor genommen, dass der Stern vergangenes Weihnachten falsch herum „geflogen“ ist. „Nach Bethlehem“ muss er zeigen, weiß Mühle. Na, da haben die Sinzheimer aber Glück gehabt, dass Weihnachten 2020 trotzdem gekommen ist. 2021 ist nun aber keine Gefahr in Verzug, der Stern zeigt richtigerweise gen Süden. Wobei „der Stern“ in der Einzahl wiederum nicht ganz richtig ist. Schließlich sind es drei Sterne, die den Kirchturm zieren. Also: Alle drei Sterne zeigen in die richtige Richtung.

Probebetrieb und Nachjustieren

Und auch alle Lampen an den grünen Gestängen funktionieren. Das ist nämlich der zweite Handgriff, den Mühle und Gress im obersten Stockwerk des Gotteshauses setzen: Nachdem sie die großen Sterne aus der Abdeckfolie schälen, gibt es einmal Strom zur Probe. Leuchtet ein Lämpchen nicht, wird es ausgetauscht. Dann marschieren die beiden mit dem Stern nach draußen und an drei Halterungen wird der leuchtende Wegweiser aufgehängt, ausgerichtet und mit dem Akkuschrauber festgeschraubt. Wenn er denn geht. Und wenn nicht, haben die Elektriker Schraubenzieher zur Hand. Und wenn der Stern schief hängt, dann wird nachjustiert. So geschehen bei der dritten Aufhängung. „Das gefällt mir nicht“, nimmt es Mühle genau. Schließlich weiß er, wie der Stern exakt zu hängen hat, ist er doch schon im dritten Jahr zuständig für die Beleuchtung am Kirchturm. Und auch der 24-jährige Julian Gress wirkt schon routiniert, er feierte allerdings erst im vergangenen Jahr Premiere. „Da war es knackig kalt“, erinnert er sich, diesmal lässt es sich dagegen wettertechnisch sehr gut aushalten da oben.

Im Inneren des Kirchturms fristet der Stern sein Dasein unter dem Jahr. Foto: Nina Ernst

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Im Inneren des Kirchturms fristet der Stern sein Dasein unter dem Jahr. Foto: Nina Ernst

Als alle Sterne richtig sitzen werden die Stromkabel ins Innere des Kirchturms verlegt, in die Steckdosen gesteckt und mit dem sogenannten Rundsteuerempfänger verbunden. Über diesen wird automatisiert gesteuert, wann die Himmelskörper leuchten. Los geht es am 1. Advent, erklärt Mesner Manuel Seifermann. Quasi als Countdown erstrahlen (und erfreuen) die Sterne dann an allen Sonntagen und ab dem 4. Advent durchgehend bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag über Sinzheim.

Nach getaner Arbeit auf dem Kirchturm stürmen die beiden Gemeindewerkler aber nicht direkt wieder die schmale Wendeltreppe hinunter, denn: schlechtes Timing. „Wir warten noch drei Minuten“, weiß Mühle genau, was er tut. Dann schlägt die Glocke Dreiviertel und erst danach kann man guten Mutes den Abstieg wagen – sonst gäbe es was auf die Ohren. „Das ist mir einmal passiert“, sagt der 44-Jährige. Das passiert ihm nicht mehr.

Straßenbeleuchtung folgt noch

Während Mühle und Gress hoch oben werkeln, bleibt Klaus Ernst, stellvertretender Netzmeister bei den Gemeindewerken, am Boden. Fast. Mit Hubsteiger und Leiter muss er nämlich auch ein paar Höhenmeter nach oben, um die Lichterketten an ausgewählten Tannenbäumen im Dorf zu befestigen. Der Marktplatz ist derweil schon vorbereitet. Dafür haben Gress und Mühle am Montag die Weihnachtsbeleuchtung, die unterm Jahr im alten Grundbuchamt in der Franz-Rauch-Straße auf ihren Einsatz wartet, kontrolliert und am Dienstag aufgehängt. In der kommenden Woche bekommen dann noch rund 100 Straßenlaternen ihren weihnachtlichen Leuchtschmuck, und am 1. Advent heißt es dann für alle Leuchtmittel: Licht an! Weihnachten kann kommen!

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
20. November 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

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