Schlachthof in Bühl wird fit für die Zukunft

Bühl (BNN) – Nach negativen Schlagzeilen in der Vergangenheit ist für den Bühler Schlachthof in diesem Jahr eine umfassende Umstrukturierung beschlossen worden. Damit ist auf Kritik reagiert worden.

Schlechte Ausstattung: Wichtige Betriebsmittel sind veraltet und fallen immer wieder aus. Mit der Brühmaschine werden die Schweineborsten entfernt. Foto: Bernhard Margull

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Schlechte Ausstattung: Wichtige Betriebsmittel sind veraltet und fallen immer wieder aus. Mit der Brühmaschine werden die Schweineborsten entfernt. Foto: Bernhard Margull

Es begann mit einem Aufreger im Sommer und mündete dann in einen Zukunftsplan: Der Bühler Schlachthof ist in die Schlagzeilen geraten, als es wieder einmal zu einem unerwarteten Produktionsstopp kam. Tierschützer alarmierten die Polizei und wiesen auf unzumutbare Zustände bei der Schlachtung von Schweinen hin. Daraufhin wurde die Verwaltung tätig, um den Bühler Schlachthof fit für die Zukunft zu machen.

„Es gab Irritationen, die wir in den Griff bekommen haben. Es stehen organisatorische und personelle Veränderungen an. Die Anteile am Stammkapital des Schlachthofes wurden aufgestockt“, blickt der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) in die Zukunft.

Am Anfang stand ein Polizeieinsatz: Die Einsatzgruppe Gewerbe und Umwelt rückte auf dem Gelände in der Industriestraße an, weil dort rund 150 Tiere, überwiegend Schweine, aufliefen, bestätigte damals ein Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg dieser Zeitung. Den Angaben zufolge waren die 150 Tiere bereits am Dienstag auf dem Bühler Schlachthof angeliefert worden und sollten am Mittwoch geschlachtet werden. „Aufgrund von Schwierigkeiten im Betriebsablauf war dies jedoch nicht möglich, sodass die Kollegen und das Veterinäramt verständigt wurden“, erklärte der Sprecher damals.

Mehr festangestellte Mitarbeiter angestrebt

Der Schlachthof stand ab sofort in der Kritik. Im Gespräch mit Andreas Bohnert, dem Verantwortlichen Leiter des Schlachthofes, stellte sich heraus: Die Betriebsmittel sind hoffnungslos veraltet. Hinzu kam ein eklatanter Mangel an Fachkräften. Das führte wiederholt zu einem Abfertigungsstau, zuletzt während der anhaltenden Hitzewelle im Sommer. Tierschützer zeigten daraufhin den Schlachthof Bühl an und brachten den Stein ins Rollen. Es folgte die Trennung von einem Mitarbeiter. Und es wurde eine grundlegende Neuorientierung angegangen. Auch die Personalstruktur des Schlachthofs ist dann auch kein Tabu mehr. „Lohnschlachter ist ein aussterbender Beruf, es gibt immer weniger“, berichtet Bohnert. Deshalb soll der Schlachthof in Zukunft mit mehr fest angestellten Mitarbeitern arbeiten.

Die Verantwortlichen lassen keinen Zweifel an der Existenzberechtigung des Schlachthofes: Er ist nach der Schließung des Schlachthofs in Offenburg der letzte zwischen Freiburg und Balingen im Süden und Bretten im Norden. Nach Bohnerts Auffassung ist es nötig, den Tieren weite Transportwege zu ersparen und gleichzeitig die regionale Landwirtschaft und damit die Landschaftspflege zu fördern.

Erschwerend kam von der Lebensmittelüberwachung eine lange Mängelliste hinzu. Darin waren etliche kleine unappetitliche Details zu lesen. Das Kontrollblatt der Lebensmittelüberwachung vom 28. Juli, das der Redaktion damals zugespielt wurde, enthält eine lange Liste mit 40 Kritikpunkten am Bühler Schlachthof. Da war beispielsweise von einem „altverschmutzten“ Bodenablauf in der Hygieneschleuse zu lesen oder von verrosteten Rohrschellen in der Schweineschlachthalle.

Fördermittel dank Umstrukturierung

Abhilfe möchte OB Schnurr durch eine grundsätzliche Sanierung des Schlachthofes schaffen. Fördermittel des Landes Baden-Württemberg gibt es jedoch nur nach einer vollzogenen Umstrukturierung bei den Gesellschaftern. Aber finanzielle Mittel sind bei den leeren Kassen der Kommunen rar. Notwendig sind bauliche und technische Modernisierungen. Rund 150.000 Euro kostet eine neue Brühmaschine für Schweine, die alte ist mehrfach ausgefallen. Eine neue Kühlung kostet nach früheren Angaben 40.000 Euro.

Eine umgehend eingesetzte Expertenkommission mit Sachverständigen aus der Region war sich schnell einig: Die Situation des Schlachthofs sei schwierig, er brauche dringend mehr Eigenkapital, die Gesellschafter werden aufgefordert, ihren Teil zu leisten. Um den Schlachthof auf ein breiteres wirtschaftliches Fundament zu stellen, laufen Gespräche mit Vertretern der Landkreise Karlsruhe, der Ortenau und Freudenstadt über eine Kooperation. Die Förderrichtlinien sehen vor, dass die Anteile der Gesellschafter unter 25 Prozent liegen müssen. Mit Blick auf die neue Struktur müssten damit das Unternehmen Emil Färber und die Stadt Bühl Anteile abgeben. Auch das Landratsamt wurde gebeten, dem Schlachthof mit den Gebühren für die Fleischbeschau entgegenzukommen oder einen Zuschuss zu gewähren. Für die Fleischbeschau fällt bislang ein hoher fünfstelliger Betrag jährlich an.

700.000 Euro für Investitionen

Mittlerweile gilt ein Plan der Schlachthof Bühl GmbH über notwendige Investitionen als Grundlage für einen Förderantrag mit einem Volumen von 700.000 Euro. „Die Stadt Bühl hat ein Genussrechtskapital in Höhe von 49.800 Euro gezeichnet. Dies ist vergleichbar mit einem Darlehen. Außerdem hat die Stadt Bühl 24.900 Euro in die Kapitalrücklage der Schlachthof Bühl GmbH eingezahlt“, ergänzt die Stadtverwaltung auf aktuelle Nachfrage. „Mit dem Eigenkapital und den Veränderungen schafft man die Voraussetzungen, um die Gelder der Sonderförderung zur Förderung des Tierschutzes an den Schlachthöfen im Land zu erhalten“, erklärt Andreas Bohnert.

Der Stand der Dinge zum Jahresende: Der Bühler Gemeinderat hat eine grundlegende Investition in Höhe von 400.000 Euro beschlossen. „Die Fleischproduzenten und die Vermarkter in der Region profitieren von diesem zentral liegenden Schlachthof. Deshalb ist es wichtig, alle hier in der Region mit ins Boot zu bekommen“, stellte OB Hubert Schnurr dann in Aussicht. Für ihn sei es wichtig, ein gesundes Gesamtkonzept auf die Beine zu stellen und die Unregelmäßigkeiten abzustellen. Schnurr: „Das Tierwohl liegt mir sehr am Herzen.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Andreas Bühler

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Erstellt:
29. Dezember 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
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