Der CDU-Mann für den Klimaschutz

Karlsruhe/Berlin (fer) – Seine Wahl gilt als sicher: Der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Andreas Jung kandidiert am Samstag beim virtuellen CDU-Parteitag für das Amt des Vizevorsitzenden.

Gilt schon lange als Klimaexperte der CDU: Der Südbadener Andreas Jung will sich als Vizechef den Themen Nachhaltigkeit und Klima widmen. Foto: Christoph Söder/dpa

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Gilt schon lange als Klimaexperte der CDU: Der Südbadener Andreas Jung will sich als Vizechef den Themen Nachhaltigkeit und Klima widmen. Foto: Christoph Söder/dpa

Andreas Jung kann sich noch gut erinnern. Als der Konstanzer CDU-Bundestagsabgeordnete 1990 als 15-jähriger Schüler der Jungen Union beitrat, tat er dies „aus Begeisterung über den Prozess der friedlichen Revolution, der Wiedervereinigung und des Endes des Kalten Krieges“.

Nun, 32 Jahre später, müsse es der CDU wieder gelingen, zu einem „spannenden Ort“ zu werden, „an dem die großen gesellschaftlichen Debatten stattfinden“. Insofern sei es gar nicht einmal so schlecht, dass sich die Partei nach 16-jähriger Regierungszeit nun auf den harten Bänken der Opposition wiederfinde, sagt er. „Die letzten Jahre waren geprägt durch Regierungsarbeit, Krisen und Kompromisse.“ Jetzt sei man diese Fesseln los und könne unbelastet neue Konzepte erarbeiten, „für die man dann brennt, für die man wirbt“.

„Wir sind die Partei der Nachhaltigkeit“

Ab diesem Samstag hat es der 46-jährige Südbadener, der mit seiner Familie auf der Insel Reichenau lebt, selber in der Hand, ob und wie sich die CDU nach der schweren Wahlniederlage bei der Bundestagswahl neu aufstellt und inhaltlich positioniert. Auf dem virtuellen Parteitag der CDU, auf dem Friedrich Merz zum neuen Parteichef gewählt werden soll, kandidiert Jung auf Vorschlag des Landesverbandes Baden-Württemberg als Nachfolger von Landeschef und Innenminister Thomas Strobl für das Amt des Vize-Chefs. Seine Wahl gilt als sicher. Zu weiteren Stellvertretern sollen die Bundestagsabgeordnete Silvia Breher aus Niedersachsen, die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien, der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Wirtschaftsexperte Carsten Linnemann aus Nordrhein-Westfalen gewählt werden. Sie sollen nicht nur die großen Landesverbände repräsentieren und die unterschiedlichen Flügel der Partei abdecken, sondern als führende Köpfe auch je einen thematischen Schwerpunkt übernehmen und die inhaltliche Arbeit leisten.

Jung, der schon lange als Klimaexperte der CDU gilt und auch im Wahlkampf dem „Zukunftsteam“ von Kanzlerkandidat Armin Laschet angehörte, will sich intensiv um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz kümmern und das Profil der Union in diesem Bereich schärfen. „Wir sind die Partei der Nachhaltigkeit. Da müssen wir nicht aufbrechen zu neuen Ufern, das ergibt sich schon aus dem C in unserem Namen und aus unserer Werteorientierung“, sagt Jung. Es gelte die Formel: „Wir wollen das Versprechen Wohlstand für alle verknüpfen mit konsequentem Klimaschutz.“ Dabei dürfe allerdings auch der soziale Ausgleich beachtet werden. Im Bundestag verstehe sich die Union als „kritische, aber konstruktive Opposition“ und wolle gegenüber der Ampel-Koalition als „Antreiber“ auftreten.

Union müsse die Jungen wieder erreichen und für Frauen attraktiver werden

Jung wünscht sich, dass vom Parteitag ein „Signal der Geschlossenheit“ ausgeht. Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sei es wichtig, „dass wir den Schwung der Mitgliederbefragung mitnehmen und nutzen“.

Offen räumt der 46-jährige Jurist, der seit 2016 Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Baden-Württemberg im Bundestag ist und in der letzten Legislaturperiode als stellvertretender Fraktionschef für die Bereiche Haushalt und Finanzen zuständig war, Defizite der CDU ein. „Zu denken gibt uns das Verhalten der Jungwähler.“ Die Union müsse die Jungen wieder erreichen und gleichzeitig auch attraktiver für Frauen werden. Um das zu erreichen, sei es nötig, die Strukturen der Parteiarbeit zu ändern, beispielsweise durch die Nutzung digitaler Formate. „Wir müssen familienfreundlicher werden.“

Ausdrücklich plädiert Jung für eine neue innerparteiliche Diskussionskultur. „Wir brauchen den Streit um Positionen und Inhalte, da kann es auch mal rumpeln.“ Klar distanziert er sich dabei von Hans-Georg Maaßen. Dieser vertrete Positionen, die nicht die Mehrheitsmeinung der Union seien. „Der Bundesvorstand hat sich klar distanziert.“ Und auch die Brandmauer gegenüber der AfD stehe. „Wir haben eine klare Trennlinie.“ Und die stehe – im Westen wie im Osten.

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Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Martin Ferber

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Erstellt:
22. Januar 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
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