Der Flugverkehr am FKB nimmt Fahrt auf

Rheinmünster (tas) – In das Passagierterminal des Baden-Airport kehrt wieder das Leben zurück. Zehn Flüge ins europäische Ausland finden am Samstag statt, und auch in den Shops füllen sich die Regale.

Flug FR 9212 nach Girona: Die Maschinen sind im Schnitt gut ausgelastet, viele der Fluggäste wollen Verwandte im Ausland besuchen. Foto: Vetter

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Flug FR 9212 nach Girona: Die Maschinen sind im Schnitt gut ausgelastet, viele der Fluggäste wollen Verwandte im Ausland besuchen. Foto: Vetter

Seit Weihnachten hat Elisa Miehle-Porto ihre Eltern nicht mehr gesehen. Nach einem halben Jahr mit Telefonaten und Videoanrufen wünscht sie sich nichts sehnlicher, als ihre nächsten Verwandten endlich wieder „in echt“ erleben zu können. „Wir haben sehr unter Corona gelitten“, sagt sie mit ernster Stimme und fängt daraufhin wieder an zu strahlen. Denn heute wird die entbehrungsreiche Zeit ein Ende haben.

Die gebürtige Spanierin hat einen Platz in einer Ryanair-Maschine gebucht, der Flug FR 9212 soll planmäßig um 11.35 Uhr vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) abheben. Der Start wurde zwar bereits um 15 Minuten nach hinten verschoben, doch Miehle-Porto lässt sich ihre gute Laune dadurch nicht verderben. Sie ist extra von Stuttgart angereist, weil sie von Rheinmünster aus direkt nach Girona fliegen kann. Vom Flughafen der 100000-Einwohner-Stadt – unweit der katalanischen Metropole Barcelona – ist es nur noch ein Katzensprung an den Badeort Lloret de Mar, wo sie drei Wochen lang Sonne, Strand und Meer genießen will – und natürlich die Gegenwart ihrer Eltern. „Ich freue mich riesig“, sagt Miehle-Porto, „sogar auf die Touristen“.

Eigentlich ist Lloret berüchtigt für sein ausuferndes Partyleben, viele Abiturientinnen und Abiturienten aus Deutschland feiern dort das Ende ihres Schülerdaseins – mit viel Alkohol und lauter Musik. Doch dieses Jahr ist alles anders. Der Badeort an der Costa Brava ist nach der Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen in Spanien im Vergleich zu früheren Jahren wie leergefegt. Auch am zentralen Strand der Gemeinde sieht man nur vereinzelt Spaziergänger über den Sand laufen, wie Livebilder einer Internetkamera verraten.

Ein Drittel der Ablagen ist mit Heften gefüllt

Auch eine Gruppe junger Franzosen macht sich vom FKB aus auf den Weg nach Spanien. Seitdem die Grenzen zum Elsass wieder offenstehen, kämen wieder Fluggäste aus dem Nachbarland nach Rheinmünster. Einige von ihnen holen sich vor dem Abflug noch einen Kaffee in der „Box“. Normalerweise stehen zahlreiche Tische und Stühle vor dem Shop, den Vesna Margela seit rund zwei Jahren betreibt. Um die Abstandsregeln vor der Sicherheitskontrolle einzuhalten, wurde der Platz jedoch mit roten Bändern in Wartezonen abgeteilt. Jetzt passen nur noch zwei Tische und vier Stühle vor ihren Laden.

Margela ist trotzdem glücklich, dass wieder etwas Leben in der „Box“ ist. „Wir sind voll motiviert und freuen uns sehr, dass wieder Fluggäste da sind“, sagt sie. Drei Monate lang war das achtköpfige Team zum Nichtstun verdammt, der in normalen Zeiten gute Umsatz an Ostern und Pfingsten ist weg, „und auch im Juli wird es viel zu wenig sein“, sagt Margela. Noch sind die Spuren des Shutdowns in den Zeitschriftenregalen sichtbar, erst ein Drittel der Ablagen ist mit Heften gefüllt. Doch das soll sich in den kommenden Tagen ändern, wenn wieder mehr Fluggäste ins Terminal kommen.

Am Freitag sollten genau sieben Flüge ins europäische Ausland starten – neben Girona stehen noch Trapani in Sizilien, die griechischen Ziele Thessaloniki und Heraklion sowie Porto, Edinburgh und Skopje in Nordmazedonien auf dem Abflugplan. Am Samstag sind zehn Flüge ab dem FKB geplant, am Sonntag sollen es acht sein. Bis auf die Kanarischen Inseln ist wieder das volle Flugprogramm im Angebot, die Gesellschaften steuern die Ziele allerdings im Moment seltener pro Woche an.

„Die Maschinen sind relativ gut gebucht“, sagt Peter Radischat, Geschäftsführer des Reisebüros Holiday Land mit Sitz am FKB. „Manche sind fast voll, andere zu 60 Prozent ausgelastet.“ Viele der Fluggäste seien weniger an Urlaubsreisen interessiert, sie wollten Verwandte besuchen, die sie schon lange nicht mehr gesehen haben. Im August werde sich das jedoch ändern, sagt Radischat. Wenn in Baden-Württemberg die Sommerferien starten, werde auch Mallorca wieder verstärkt angeflogen – die Pauschalreisenden kämen dann zurück an den Flughafen.

Von Januar bis Februar vier Prozent Plus

Bis vor einer Woche hat sich der Reiseexperte vor allem mit Stornierungen und der Information von Kunden beschäftigt, denen die Corona-Krise einen Strich durch ihre Reisepläne gemacht hat. „Mittlerweile haben wir aber auch schon wieder neue Buchungen von Pauschalreisen, und es werden täglich mehr.“ Nur bei den Türkei-Trips ist laut Radischat derzeit die Verunsicherung noch groß, denn das deutsche Außenministerium hat die Reisewarnung für das Mittelmeerland bisher noch nicht aufgehoben. „Wenn alles gut läuft, wird der Urlaub dort ab August aber auch wieder gehen“, ist Radischat optimistisch.

Trotz der Belebung des Geschäfts ist der FKB aber weit vom Niveau des Vorjahres entfernt. „Wir können nicht mehr das aufholen, was wir im März, April, Mai und Juni verpasst haben“, sagt Flughafensprecherin Elke Fleig. Wäre alles normal gelaufen, wäre die Chance auf einen neuen Rekord bei den Fluggastzahlen groß gewesen. „Wenn wir jetzt 40 Prozent der Passagierzahlen des vergangenen Jahres erreichen, wären wir sehr zufrieden“, sagt Fleig.

Im vergangenen Jahr hatten rund 1,347 Millionen Menschen den FKB für ihren Flug genutzt, sieben Prozent mehr als 2018. Von Januar bis Februar dieses Jahres lag der Airport bereits mit weiteren vier Prozent im Plus – doch dann kam Corona mit dem fast vollständigen Stillstand des Flugverkehrs. Im Mai kamen nur noch 6585 Passagiere zum FKB – viele davon osteuropäische Erntehelfer, die die Landwirte aus dem Südwesten einfliegen ließen. Ein Jahr zuvor waren es mehr als 122000 Fluggäste.

„In der Stadtbahn geht es derzeit enger zu“

Elisa Miehle-Porto sind diese Zahlen einerlei. Sie ist froh, bald wieder in ihrer alten Heimat zu sein. Angst davor, sich in einem Flugzeug mit dem Coronavirus zu infizieren, hat sie nicht. „In der Stadtbahn in Stuttgart geht es derzeit enger zu“, sagt sie und schlendert zu ihrem Abflug-Gate. Um 12.20 Uhr schließlich hebt ihre Maschine mit einer Dreiviertelstunde Verspätung ab. Rund zwei Stunden später wird Miehle-Porto endlich wieder spanischen Boden betreten.

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Erstellt:
4. Juli 2020, 12:24 Uhr
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